UFO-Alarm in München - und was dahinter steckt

+
Außerirdische? Nein, das im roten Kreis ist eine Feuerkugel. Diese Aufnahme vom 1. November stammt von der Meteomedia-Kamera auf dem Turm des Deutschen Museums

München - An Allerheiligen hat eine Kamera eine Feuerkugel über München festgehalten. Bei einem Ufologen stand das Telefon nicht still. Was wirklich dahinter steckte.

Hilfe, ein Ufo! Am Montagabend ab 22.40 Uhr stand beim Ufologen Werner ­Walter in Mannheim das Telefon nicht still. „In einem riesigen Gebiet von Heidelberg über München bis zum österreichischen St.Pölten hatten Augenzeugen zwei sehr mysteriöse Lichtblitze gesehen, sie sprachen von Explosionen und einem langgezogenen halogenartigen Lichtobjekt“, berichtet der 53-Jährige.

Die Kamera des Wetterdienstes Meteomedia erwischte das Phänomen vom Turm unseres Deutschen Museums aus (s. Foto). Auch in der Meteomedia-Zentrale in der Schweiz haben sich etliche besorgte Menschen gemeldet, die dahinter Außerirdische vermuteten. Mark Vornhusen, der dort für Himmelserscheinungen zuständig ist, hat aber eine einfache Erklärung: Bei diesen Lichtblitzen handelt es sich um eine sogenannte Feuerkugel. „Das ist eine große, helle Sternschnuppe in 50 bis 80 Kilometern Höhe, die oft in einem Umkreis von über 300 Kilometern zu sehen ist. Solch eine Lichterscheinung entsteht, wenn ein kleines Bruchstück eines Asteroiden in Golfball-Größe – eine Schnuppe ist nur etwa Sandkorn-groß – mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringt.“

So eine Feuerkugel käme über unserem Himmel nur alle paar Monate vor und dauere nur ein paar Sekunden. Ein glücklicher Zufall, dass die Kamera auf der Isarinsel, die alle 20 Sekunden ein neues Bild Richtung Süden aufnimmt, ein Beweisbild gemacht hat. Dass an den unteren Rändern des Bildes große helle Bälle zu sehen sind, liegt allerdings an der Aufnahmetechnik mit Langzeitbelichtung: Das sind die Straßenlaternen.

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Teile des Bruchstücks als Meteorit bis auf den Boden gelangt sind. „Wahrscheinlich ist alles verglüht“, sagt Vornhusen. „Sonst wäre die Erscheinung mindestens fünf Sekunden am Himmel gewesen.“ Werner Walter vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene Cenap hofft auf Zeugen, die ein Überschall-Knallgeräusch gehört haben, das entsteht, wenn der Meteorit in die Erdatmosphäre eintritt. „Dann ist der außerirdische Besucher vielleicht doch hier auf der Erde gelandet.“

Außergewöhnliche Himmelsphänomene sind immer wieder faszinierend – 2009 sind bei Cenap 1050 Meldungen eingegangen. Weil der Laie nichts damit anzufangen weiß, sind schnell Ufo-Geschichten im Umlauf. Manche Vorkommnisse stellten sich als ein Missverständnis heraus, so Wetterexperte Vornhusen: „Sie entpuppen sich zum Beispiel als Himmelslaternen, das sind Leuchtballons, die Privatpersonen bei Feiern in den Himmel steigen lassen.“ Für den Großteil der Phänomene haben er und Walter eine naturwissenschaftliche Erklärung. Lesen Sie, welche Erscheiningen am häufigsten für Verwirrung sorgen.

Nina Bautz

Kurioses zwischen Himmel und Erde

Kurioses zwischen Himmel und Erde

auch interessant

Kommentare