Rollstuhlfahrerin war verunglückt

Frau aus Wasser gezogen: Das sind die Lebensretter vom Isarkanal

+
Die Retter: Florian Czeschka und Ulrich Lankes vom Club Münchner Kajakfahrer

München - Eine Frau ist Anfang Januar leblos in der Isar getrieben. Ein Mann wurde auf die verunglückte Rollstuhlfahrerin aufmerksam und mobilisierte zwei Kajakfahrer, die der Frau das Leben retteten.

Hut ab vor diesen Männern! Denn sie haben nicht nur Herz, sondern auch Mut, der die querschnittsgelähmte Christina K. (37) vor dem sicheren Tod in der eiskalten Isar bewahrte. Christina K. lebt in der Au und ist an den Rollstuhl gefesselt. Mit ihrem Elektro-Rollstuhl unternimmt sie gern Ausflüge an der Isar – so auch am 5. Januar. Das Wetter war relativ mild, es lag auch noch kein Schnee. Was dann geschah – daran fehlt ihr jede Erinnerung …

Um 14.30 Uhr geht der Geschäftsführer Roland S. (49) mit den beiden Cairn Terriern eines Freundes über die Marienklausenbrücke. Ein seltsamer Gegenstand im Wasser weckt sein Interesse: „Ich dachte erst, das ist ein Taucheranzug. Aber dann sah ich: Da treibt ein lebloser Mensch!“ Er schaut sich um und sieht zwei Kajakfahrer, die in der Nähe trainieren. Das sind die Ingenieure Ulrich Lankes (31) und Florian Czeschka (32) – beide Mitglieder im Club Münchner Kajakfahrer in der Tierparkstraße in Thalkirchen: „Wir trainieren in allen Jahreszeiten und sind an dem Tag ein paar Mal die Isar herauf und herunter gepaddelt, bis uns der Mann auf der Brücke rief: Wir sind sofort zu der Frau gepaddelt. Sie trieb mit dem Gesicht nach unten im Wasser, nur noch ihre Fersen waren zu sehen.“

Die Männer drehten sie um und zogen sie zum Ufer. Die letzten Meter sprangen sie ins Wasser und zogen sie an Land. Auch Robert S. rannte ihnen flussabwärts entgegen und rief unterwegs den Notruf 112. Ein Jogger bot seine Hilfe an, wies den Rettungsfahrzeugen den Weg. Zu dritt trugen die Männer die leblose Frau die Böschung hoch: „Am Hals fühlten wir keinen Puls mehr, ihre Haut war eiskalt und blass“, so Czeschka. Doch dem Notarzt gelingt ein kleines Wunder. Er reanimiert Christina K. mit Erfolg. Kurz darauf atmet sie wieder. Das eiskalte Wasser, das den Körper auf Minimal-Funktion fährt, hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie befindet sich noch in einer Klinik, ist aber wieder wohlauf: „Ich bin den Herren so dankbar“, sagte sie am Freitag. „Wir haben sogar schon telefoniert.“

Kurz vor dem Sturz ins Wasser hatte sie schon einmal in ihrem Rollstuhl gefährlich schräg auf der Böschung gestanden. Passanten schoben sie auf den Weg zurück. Doch auch daran fehlt Christina K. jede Erinnerung.

Dorita Plange

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare