Interview

Tatort-Produzent: "Eigentlich wollten wir einen Original-Kiosk"

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Sven Burgemeister

München - Seit Tagen beschäftigt der Fake-"Isar-Kiosk" die Münchner. Wir haben mit dem Produzenten des Tatorts gesprochen.

Sven Burgemeister produziert mit seiner Firma TV60Filmproduktion die ZDF-Krimiserie München Mord. Die tz traf den 50-Jährigen am Rande der Dreharbeiten.

Herr Burgemeister, Ihr Isar-Kiosk beschäftigt die Münchner schon seit Tagen. Haben Sie je für eine Kulisse so viel Aufmerksamt bekommen?

Sven Burgemeister: (lacht) Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Dieses Ausmaß ist schon ungewöhnlich. Eigentlich wollten wir an einem Original-Kiosk drehen, davon gibt es ja gerade in München sehr schöne. Aber der Betrieb dort hätte auch während der Dreharbeiten weiterlaufen müssen, und das wäre für uns natürlich schwierig geworden. Dann haben wir versucht, aus diesem Pro­blem eine Tugend zu machen und angefangen, nach schönen Plätzen für einen Kiosk zu suchen.

Den haben Sie hier an der Wittelsbacherbrücke definitiv gefunden.

Burgemeister: Ja, wir sind mit diesem Ort tatsächlich total glücklich. Und der Kiosk an sich ist auch sehr schön geworden, finde ich.

Anwohner und Besucher wünschen sich, dass er bleibt.

Burgemeister: Ja, das habe ich auch mitbekommen. Viele, die hier vorbeiradeln, würden auch gerne jetzt schon ein Bier kaufen.

Da hätten Sie gleich ein kleines Nebengeschäft aufmachen können.

Burgemeister: (lacht) Wenn das so einfach wäre. Nein nein, wir sind es beim Film gewohnt, dass wir für Dreharbeiten etwas aufbauen, für eine Zeit so tun, als sei es schon immer dagewesen und es dann wieder abbauen. Das ist für uns ganz normal.

Welche Rolle spielt der Isar-Kiosk eigentlich im Film?

Burgemeister: Der Kiosk ist tatsächlich ein sehr zentraler Ort in der Geschichte. Ein Toter wird aus der Isar gefischt. Im näheren Radius liegt dieser Kiosk, und hier gibt es Menschen, die etwas gesehen und mitbekommen haben müssen … Die Kommissare kommen also immer wieder hier an diesen Ort zurück, um den Fall zu lösen.

Michael Köning baute den Fake-Kiosk an der Isar

Seit Tagen beschäftigt ein Kiosk die Münchener: der „Isar-Kiosk“ an der Wittelsbacherbrücke. Ist der neu? War der schon immer da und wir haben ihn nur nicht wahrgenommen? Fragen, die sich viele gestellt haben, die an dem kleinen Häuschen vorbeigeradelt sind. Die tz brachte Licht ins Dunkel: Der „Isar-Kiosk“ ist „nur“ eine Filmkulisse. Seit gestern wird hier eine neue Folge von München Mord gedreht.

Den Kiosk gebaut hat Michael Köning (51). Der Münchner ist Architekt und Szenenbildner und arbeitet seit fast 30 Jahren für Film und Fernsehen. Seine Aufgabe war es, einen Kiosk zu schaffen, der so ausschaut, als habe es ihn schon immer gegeben. „Er sollte eine gewisse Patina haben“, erzählt Köning. Also verzichtete er auf einen Einkauf im Baumarkt und suchte sich sein Material auf anderen Wegen zusammen: Im „Isar-Kiosk“ ist beispielsweise eine alte Balkonbrüstung aus Augsburg verbaut, außerdem eine zerlegte Mini-Scheune – und ein Teil aus Könings persönlichem Bestand. „Der vordere Verkaufs-Erker ist von meinem eigenen Gartenhaus, das ich für die Dreharbeiten kurzfristig geopfert habe“, sagt Köning. „Das passte einfach zu perfekt.“

Und was passiert mit dem liebevoll gezimmerten Stück, wenn der Dreh abgeschlossen ist? Stehen bleiben darf es ja leider nicht. „Wenn wir hier fertig sind, kommt der halbe Kiosk zurück zu mir in den Garten“, sagt Köning. „Das ist doch das perfekte Recycling.“

Interview: St. Thyssen

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