Bau von 400 neuen Wohnungen soll 2018 beginnen

Abriss des Osram-Gebäudes ist besiegelt

Licht und grün: 400 Wohnungen sollen auf dem Osram-Gelände in Untergiesing ab dem Jahr 2018 entstehen.

München - Der Abriss des Osram-Hauses am Mittleren Ring ist beschlossene Sache. Am Mittwoch folgte der Planungsausschuss des Stadtrats einer entsprechenden Empfehlung des Preisgerichts.

Dieses hatte vorigen Dezember am Ende eines städtebaulichen Wettbewerbs zwei Siegerentwürfe gekürt, die jeweils den Neubau von 400 Wohnungen vorsehen. Ein Entwurf mit Erhalt der denkmalgeschützten Ruine, einer ohne. Empfohlen hatte die Jury den Abbruch des Osram-Hauses – aus Kostengründen.

Vor allem Stadtbaurätin Elisabeth Merk hätte die Industrie-Ruine aus den 60er-Jahren mit ihrer Aluminium-Glas-Vorhangfassade gerne erhalten, ist sie doch eines der wenigen herausragenden Gebäude der Nachkriegsmoderne in München. Doch die Kosten dafür wären enorm gewesen. Wegen der schlechten Bausubstanz hätten in jedem Fall zwei Drittel des Bürohauses abgebrochen und rekonstruiert werden müssen. Das Preisgericht nahm deshalb davon Abstand, ebenso am Mittwoch der Planungsausschuss.

Das Berliner Büro „Ortner & Ortner Baukunst“ wird nun das 3,3 Hektar große Gelände im Auftrag der Investoren, der Unternehmensgruppen ABG und Büschl, entwickeln. Vorgesehen sind 400 Wohnungen, angeordnet auf fünf so genannten Schollen. Die Lage des Grundstücks ist gleichermaßen traumhaft wie grausig. Es grenzt im Westen direkt an die bewaldeten Isarauen, im Norden direkt an den dicht befahrenen Mittleren Ring. Um die künftigen Bewohner vor Lärm zu schützen, sollen Schallschutzwände aus Glas zwischen die Häuser gezogen werden, um so eine Front zu bilden. Geplant sind sowohl private als auch öffentliche und halbprivate Bereiche. Durch Flachdachkonstruktionen haben die künftigen Bewohner die Möglichkeit, in einigen Bereichen private Dachgärten anzulegen. Noch wohnen im Osram-Haus mehrere Hundert Flüchtlinge. Sie müssen spätestens 2018 weichen. Dann soll der Bau beginnen.

Die Grünen beantragten am Mittwoch, die Stadt solle 30 Prozent der Flächen kaufen, um dort geförderten Wohnraum zu realisieren. Dieser Vorschlag brachte SPD-Stadtrat Christian Amlong auf die Palme. „Das ist jetzt wirklich der dümmste Zeitpunkt.“ Erst schaffe die Stadt hohes Baurecht, um anschließend für teures Geld die Flächen zu kaufen. „Solange wir keine Gelddruckmaschine im Ratskeller finden, sollten wir davon die Finger lassen“, sagte Amlong.

Stadträtin Brigitte Wolf (Linke) hätte einen Ankauf von Flächen für sozialen Wohnungsbau gerne am Paulaner-Gelände gesehen, wo 1500 neue Wohnungen entstehen. In seiner „grenzenlosen Unweisheit“ habe der Stadtrat dies jedoch versäumt. Für das Osram-Gelände sei dies jedoch nicht sinnvoll, so Wolf. Angesichts der Nähe zum Ring halte sie Wohnen dort nicht für verträglich. „Gewerbe wäre dort besser.“ Auch diese Aussage sorgte bei SPD-Stadtrat Amlong für Kopfschütteln. „Das ist aberwitzig. Die Wohnqualität wird sehr hoch sein, wir haben die strengsten Auflagen beim Immissionsschutz.“ Er selbst könne sich gut vorstellen, dort zu wohnen, so Amlong. Der Planungsausschuss lehnte den Antrag der Grünen ab und bestätigte gleichzeitig das Gesamtkonzept. Nächster Schritt ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. 

Ulrich Lobinger

Ulrich Lobinger

E-Mail:ulrich.lobinger@merkur.de

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