Mehr als 50 Beamte vor Ort

Bei Abriss-Party: Schmiererei löst Großeinsatz aus

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Aufregung auf der Straße: Stundenlang lief der Polizeieinsatz in der Nähe des Candidplatzes.

München - Ein Graffito hat in Untergiesing einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Besucher einer von der Polizei umstellten Party kritisieren jetzt, die Beamten seien unverhältnismäßig vorgegangen.

Es ist Freitag, der 29. Januar, als in einem Haus an der Pilgersheimer Straße zwei Partys stattfinden. Das Haus soll bald abgerissen werden, es sind die letzten Feste dort. In einer Wohnung wird eine Ausstellung gezeigt, laut Besuchern ist sie extra dafür in schwarz und rosa gestrichen worden. Um die Ecke, an der Unteren Weidenstraße, beschmiert derweil eine Gruppe von 15 bis 20 Männern und Frauen gegen 23 Uhr Hauswände. Eine Frau habe das mit dem Handy gefilmt, berichtet die Polizei später. Die Gruppe habe versucht, ihr das Handy abzunehmen. Als ein Passant dazwischengeht, verschwinden die Schmierer.

Und zwar in das Abrisshaus an der Pilgersheimer Straße – das vermutet zumindest die Polizei. Doch in die Wohnung will sie keiner einlassen. Der Münchner Journalist Jan Rauschning-Vits vom Online-Portal mucbook.de, der Gast bei der Ausstellung war, prangert jetzt das aggressive Auftreten der Polizei an. Hinzugerufene Beamte einer Einsatzhundertschaft seien sogar auf eine Dachterrasse geklettert, um von dort aus in die Wohnung einzudringen. Die Polizei selbst spricht von neun Streifenwagen und mehr als 50 Beamten, die sie wegen des Verdachts der Sachbeschädigung und wegen des anfangs unkooperativen Verhaltens der Partygäste eingesetzt habe. Musste das unbedingt sein?, fragt sich Rauschning-Vits. „Liebe Polizei München, wir müssen mal über Verhältnismäßigkeit reden“, schreibt er in einem Artikel.

Aufregung auf der Straße: Stundenlang lief der Polizeieinsatz in der Nähe des Candidplatzes.

Die Polizisten sind stundenlang vor Ort, lassen laut Rauschning-Vits niemanden mehr zu der Party hinein. Die Leute stehen auf der Straße. Dabei habe es sich bei den Partys um keine Besetzungen gehandelt, betont Rauschning-Vits. „Trotzdem rücken die schwarzen Polizisten mit Knüppel und Pfefferspray an“. Die Veranstaltungen im Haus seien mit dem Vermieter der Wohnungen abgesprochen gewesen. Nach seinen Angaben einigen sich Polizei und Partybesucher schließlich darauf, dass die Beamten, die im Treppenhaus und auf der Straße stehen, nicht in die Wohnung kommen – dafür aber alle Besucher bereit sind, sich auszuweisen.

Die Polizei erklärt ihren hohen Personalaufwand auch damit, dass sie 118 Personen habe kontrollieren müssen. Danach zog sie ab, die Partys gingen weiter, die Schmiererei konnte bisher niemandem nachgewiesen werden. Einer immerhin hatte von der Aufregung ums Abrisshaus etwas: Der Besitzer der Dönerbude an der Ecke, habe regelrecht gejubelt, sagt Rauschnung-Vits. So viel Bier wie an jenem Abend, habe er in 18 Jahren nicht verkauft.

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