"Offen ist eigentlich nur die Zuschauerkapazität"

Bei 1860-Abstieg: Stadt sagt Ja zum Grünwalder Stadion

Das Grünwalder Stadion.
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Das Grünwalder Stadion wird bei einem Abstieg des TSV 1860 zur neuen Löwen-Heimat - wenn der FC Bayern mitspielt.

München - Im Abstiegsfall will der TSV 1860 raus aus der Allianz Arena. Die Stadt hält sich für gerüstet, eine Heimkehr ins Grünwalder Stadion zu ermöglichen.

„Kommt heim auf den Giesinger Berg“, steht auf der riesigen Fahne, die bei allen Heim- und Auswärtsspielen in der Mitte des Löwen-Fanblocks geschwenkt wird. Heim ins Grünwalder Stadion – so, wie es sich ein Teil der Fans schon immer gewünscht hat. Von anderen wurden sie oft als ewiggestrig bezeichnet, in Giesing werde nie wieder eine erste Löwen-Mannschaft zu sehen sein. Doch jetzt naht sportlich der Abstieg in die dritte Liga. Wahrhscheinlichstes Szenario: eine Heimkehr auf den Giesinger Berg.

Und das unabhängig von der Frage, ob ein neues Stadion in Riem gebaut wird. Das hatte 1860-Investor Hasan Ismaik wie berichtet angekündigt. Ein solches Projekt lässt sich nicht innerhalb weniger Monate stemmen. 1860 steht vor dem sportlichen Absturz – und an einem Verbleib in der Arena, hätte Sechzig in der dritten Liga keinerlei Interesse.

TSV 1860 München: Rückkehr-Wunsch stößt auf offene Ohren

Bei der Stadt stößt der TSV mit dem Rückkehr-Wunsch auf offene Ohren. Schon 2015, als erst ein Last-Minute-Tor den Klassenerhalt sicherte, habe man ein Konzept vorbereitet, betont Sport-Bürgermeistrin Christine Strobl (SPD). So soll etwa ein neuer Eingang ermöglichen, dass Gästefans in der Ostkurve stehen. „Von unserer Seite sind alle Bedinungen erfüllt. Offen ist eigentlich nur die Zuschauerkapazität“, sagte sie unserer Zeitung. „Das Stadion stünde parat.“

Die Stadt hat die Traditionsspielstätte aufwendig saniert, mehr als zehn Millionen Euro wurden investiert. Vorgesehen war eigentlich nur Amateur-Sport. Lediglich 12.500 Zuschauer sind zugelassen. Strobl hält eine Erweiterung auf 15.000 – das wäre als Minimum für die Zweite Liga vorgeschrieben, sollten die Löwen den Wiederaufstieg schaffen – für problemlos möglich. OB Dieter Reiter, SPD, habe sogar schon von 20.000 gesprochen. In der Stadtverwaltung wird derzeit geprüft, wie man gesperrte Bereiche der Westkurve wieder freigeben könnte.

Einer, der das Stadion in jedem Detail kennt, ist Markus Drees. Der Vorsitzende der „Freunde des Sechzgerstadions“ sagt, eine Kapazität von 15.000 könne man ohne großen Aufwand erreichen. „Das ist schnell realisierbar und wäre für die dritte Liga absolut ausreichend“, sagt er.

Die Löwen wollen nach einem möglichen Abstieg zurück. Noch-Geschäftsführer Markus Rejek sagte vor Monaten bei einer Bürgerversammlung in Giesing, man werde dann dafür kämpfen. Die Polizei erklärte dort, sie sei nicht prinzipiell gegen eine Rückkehr, Auswärtsfans, die mit Bussen oder Zügen geschlossen anreisten, seien für die Polizei besser im Auge zu behalten als die Anhänger beider Münchner Clubs bei den hitzigen Amateur-Derbys der vergangenen Jahre.

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

In Giesing ist die Stimmung bislang ruhig

Der Mietvertrag mit dem FC Bayern für die Arena würde auch im Abstiegsfall gelten. Dann wären dem Vernehmen nach zwar „nur noch“ 500.000 Euro im Jahr fällig und nicht mehr als das Zehnfache. Der FC Bayern wäre aber wohl gar nicht unbedingt das Problem. Legendär ist der Satz von Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, er werde die Kapelle mit dem Defiliermarsch anführen, die die Löwen aus der Arena geleitet. Bayern würde gerne rote Sitze einbauen. Probleme könnte es bei einem 1860-Auszug mit Logen-Kunden geben, die in ihren 5-Jahres-Verträgen Bayern- und Löwen-Spiele garantiert haben. Regressforderungen könnten drohen.

In Giesing selbst übrigens ist die Stimmung bislang ruhig. Bei der Bürgerversammlung zum Thema im Herbst verliefen sich nur einige Dutzend Bürger – teils für, teils gegen eine Rückkehr. Untergiesings Bezirksausschuss-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) sorgt sich um praktische Probleme wie Straßensperren, Parkplatz-Chaos und Wildbiesler. „Die Empfindlichkeit der Anwohner ist 2016 eine andere als 1980“, gibt er zu bedenken. „Die Leute waren in Giesing früher schmerzbefreit.“ Die Stadt, sagt er, habe sich bisher nur Gedanken über den baulichen Zustand des Stadions gemacht. Und viel zu wenig darum, was an Spieltagen außenrum passiert. Die Zeit drängt auf jeden Fall: Die 3. Liga beginnt schon im Juli.

Lesen Sie hier einen Kommentar: 1860 zurück ins Grünwalder - "Es geht um Traditionspflege"

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