Bundesverordnung bedroht die alten Aufzüge

Verbot von Paternostern ab Juni: München wehrt sich!

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Polizeipräsidium: Die Münchner Polizei sagt: „Wir stehen auf unseren Paternoster – er ist ein Teil von uns!“ Kommt das Verbot, geht eine Einweisungs-Mail an alle Mitarbeiter: 7000 an der Zahl.

München - Der ewige Aufzug-Kreislauf soll nun für immer still stehen – eine Bundesverordnung verbietet vom 1. Juni an den öffentlichen Betrieb von Paternostern.

Bumm, bumm, bumm – das Bumpern im Paternoster klingt wie der eigene Herzschlag. Zwei Ketten halten die Kabinen, keine Knöpfe, kein Touchscreen, keine Türen, die stets im falschen Moment schließen – das Prinzip Paternoster ist so einfach wie genial. Schade, denn der ewige Aufzug-Kreislauf soll nun für immer still stehen – eine Bundesverordnung verbietet vom 1. Juni an den öffentlichen Betrieb. Es wird sogar mit Bußgeld gedroht. In München, wo noch einige Relikte ihre Runden drehen, formiert sich Widerstand.

Deutsches Patentamt: Immer noch ein kleines Abenteuer: tz-Reporter Tobias Scharnagl benutzt den Paternoster.

Mangelnde Sicherheit – so wird das Verbot in Berlin begründet. Die Münchner SPD widerspricht Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vehement: Man schieße „eindeutig übers Ziel hinaus“, sagt Stadträtin Ulrike Boesser. „Man kann alles übertreiben! Paternoster sind sicherlich weitaus ungefährlicher als viele, viele andere Fortbewegungsmittel.“ Das seien „Relikte, die an Jahrzehnte erinnern, in denen noch nicht alles computergesteuert war. Es wäre schade, wenn diese charmanten Überbleibsel aus einer anderen Zeit stillgelegt würden“, sagt Boesser.

Boston Consulting Group: Ursprünglich gab es hier zwei Paternoster – der eine fungiert jetzt als Ersatzteillager.

Auf dasselbe Knopferl drückt auch Cornelius Mager aus dem Planungsreferat. Er sagte am Dienstag der SZ: „Eine Gefährdung ausschließen kann man ja nie. Aber dann müsste man auch Autos verbieten, da besteht ja auch latent die Gefahr eines Unfalls.“ Mager selbst ist glühender Aufzug-Anhänger und Beisitzer im Münchner Paternoster-Verein. Ganz verbieten will man die Aufzüge nicht. Sie dürfen aber nur noch von eingewiesenen Beschäftigten benutzt werden – für viele Kritiker kommt das einem Total-Verbot gleich. Wie sollen beispielsweise Besucher im Planungsreferat gehindert werden, den Paternoster zu benutzen?

Ulrike Boesser hat sich an die Bundestagabgeordnete Petra Tausend (SPD) gewandt – offenbar mit Erfolg: Tausend habe „versprochen“, sich in Berlin für die Paternoster einzusetzen. Sieben oder acht gibt es noch in München. Auch das Polizeipräsidium hängt an seinem Aufzug: „Wir stehen auf unseren Paternoster – er ist ein Teil von uns“, sagt Sprecher Thomas Baumann. Er will alle 7000 Mitarbeiter per E-Mail einweisen. Damit eines der letzten Großstadt-Abenteuer weitergeht …

T. Scharnagl

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