Schluss mit den Vorurteilen

Vier Klischees über München, die wir locker widerlegen 

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München begeistert und hat trotzdem mit Klischees zu kämpfen - zu Unrecht!

München - München zählt zu den beliebtesten Städten. Da nervt es schon ein bisschen, sich Klischees anhören zu müssen. Unsere Münchner Autorin widerlegt die Vorurteile.

1. Vorurteil: In München leben nur Snobs

La dolce vita: Shoppingtour durch München!

Klar, die bayerische Landeshauptstadt steht finanziell gut da und auch die meisten Menschen führen hier ein angenehmes Leben. Ist das jedoch Grund genug, die Münchner als Snobs abzustempeln? Nein! Das Bild der Bussi-Bussi-Gesellschaft, die bei Gucci, Prada und Co. die Kreditkarte zückt und dazu Champagner trinkt, entspricht nicht der Allgemeinheit. Natürlich gibt es diese Art von Leuten, aber sie macht nur einen kleinen Teil der Münchner Bevölkerung aus. 

Wirklich reich sind in München lediglich etwa 15 Prozent. Im Gegensatz dazu gelten 18 Prozent als arm. Bezüglich ihrer Millionärsdichte stehen Städte wie Hamburg und Düsseldorf der bayerischen Landeshauptstadt übrigens in nichts nach. Das berichtet Spiegel Online und beruft sich auf den "World Ultra Wealth Report". Mancher Münchner zeigt zwar gerne, was er hat, aber als nördlichste Stadt Italiens - Monaco di Baviera - darf er "la dolce vita" lieben.

Zudem trügt oft der Schein: Viele gehen davon aus, wer in München und seinem Landkreis lebt, hat keine finanziellen Sorgen - vor allem nicht in Gemeinden wie Grünwald. Doch selbst dort - in der offiziell exklusivsten Wohngegend von Deutschland - gibt es natürlich auch Sozialwohnungen und Normalverdiener. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, liegt von knapp zehn Prozent der Einwohner im Münchner Nobelvorort das Jahreseinkommen unter 50.000 Euro.

2. Vorurteil: Münchner sind selbstverliebt und überheblich

Am Seehaus im Englischen Garten lässt es sich so richtig gut entspannen.

So ganz lässt sich dieses Klischee nicht aus der Welt räumen. Der Münchner liebt seine Heimat. Laut einer umfangreichen Befragung des Bayerischen Rundfunks leben 97 Prozent der Einheimischen gerne in München und würde ihr vermutlich keine andere Stadt als Wohnort vorziehen - warum auch? München hat Charme, Tradition und bietet einer Studie der Unternehmensberatung Mercer zufolge die höchste Lebensqualität in ganz Deutschland. Im weltweiten Ranking erreicht München sogar Platz vier. Auch die Nähe zu den Alpen, Österreich und Italien ist optimal. Nicht ohne Grund zieht es zahlreiche Besucher regelmäßig in die bayerische Metropole. Allein im Jahr 2015 verzeichnete die Münchner Touristikbranche 14,1 Millionen Übernachtungen. Im Vergleich dazu konnte Hamburg im selben Jahr nur etwa 12,6 Buchungen vorweisen. Lediglich Berlin toppte unter den deutschen Städten München mit 28,7 Millionen Übernachtungen.

Wer in der schönsten Stadt der Welt mit einem der erfolgreichsten Fußballvereine lebt, kann schon mal nach außen hin etwas überheblich wirken. Doch statt Arroganz sind es viel Selbstbewusstsein und die Liebe zur Heimat - speziell zum eigenen Stadtviertel. Jeder, der diese Eigenschaft der Einheimischen akzeptiert und sich die Mühe macht, hinter ihre Fassade zu blicken, wird die Münchner als herzliche und gast­freund­lich­e Menschen kennenlernen.

3. Vorurteil: In München tragen alle Lederhosen und Dirndl

In vielen deutschen Städten und auch im Ausland verbinden Leute mit München die bayerische Tracht. Ginge es nach ihren Vorurteilen, würden alle Einheimischen in Lederhosen Schuhplattler tanzen, dazu jodeln und zwischendurch eine Mass in sich hineinschütten. Das tun manche Münchner auch, aber nicht Tag und Nacht und erst recht nicht so exzessiv, wie es manche Bilder vom Oktoberfest dem Rest der Welt weismachen wollen. Sie zeigen vor allem junge Menschen und Touristen, die sich meist für ein preiswertes Dirndl von der Stange entscheiden. Aber auch beim teuren Wiesn-Outfit, wie sie die Promis gerne tragen, wird hauptsächlich auf die Optik wertgelegt. Im Gegensatz zu dieser "Partymode" sind die echten bayerischen Trachten jedoch auf historische Bräuche zurückzuführen und von Region zu Region verschieden. Wer wahre Trachler sehen möchte, sollte sich den Trachten- und Schützenzug zu Beginn des Oktoberfests nicht entgehen lassen. 

Obwohl in München immerhin 70 Prozent noch immer großen Wert auf Traditionen legen, werden im Gegensatz zum ländlichen Umland nur noch selten Trachten getragen. Entgegen allen Vorurteilen geht der typische Münchner in Jeans, höchstens im Janker (das ist eine Trachtenjacke) auf die Wiesn.

4. Vorurteil: München hat keine coole Partyszene

Feiern im P1: Münchens Partyszene hat jedoch noch viel mehr zu bieten.

Wer in München feiern möchte, schunkelt entweder im Bierzelt zur Blasmusik oder trifft sich aufgetakelt in einem der Nobelschuppen wie dem P1 oder dem Pacha - so das Klischee. Doch München hat wesentlich mehr zu bieten. Einen Kontrast zu Schickimicki bietet zum Beispiel das halbjährlich stattfindende ethisch und ökologisch korrekte Tollwood-Festival. Theater, Jazz, Reggae, Rock - bei ausgelassener Stimmung und oftmals freiem Eintritt findet jeder eine Veranstaltung nach seinem Geschmack. Wie in anderen Großstädten hat auch München alternative Clubs mit Live-Musik, Underground-Charme und leichtem Retro-Style - so wie der Club Milla im Glockenbachviertel. In einem Keller bei gedämpfter Beleuchtung und gemütlicher Atmosphäre finden dort junge Künstler ein Publikum - fernab von der be­rühmt-be­rüch­tigtigten Bussi-Bussi-Gesellschaft.

Linda Carstiuc

Quiz: München im Detail - kennen Sie sich aus?

Wer den bairischen Dialekt liebt, findet in München Zufluchtsorte, an denen er diese Leidenschaft ausleben kann: Des san de Dialekt-Insln in Minga.

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Kölner Comedy-Frau Carolin Kebekus singt über München-Klischees

Wer von seinen München-Klischees trotzdem nicht abrücken mag, wird sich über das Münchenlied der Kölner Comedy-Frau Carolin Kebekus amüsieren.

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