Liedermacher-Gipfel bei der Flüchtlingshilfe

Wecker und Ratz: Weckruf aus der Kleiderkammer

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Konstantin Wecker (2.v.l.), Günther Gruchala (2.v.r.) vom Verein „Kreative Hilfe für Flüchtlinge“ und Weckers Liedermacherkollege Heinz Ratz (r.) helfen beim Sortieren der gespendeten Kleider.

München - Die Liedermacher Konstantin Wecker und Heinz Ratz kamen am Montag in die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe, um gemeinsam mitanzupacken.

Es ist schon bemerkenswert: Ausgerechnet die Hetz-Aktionen Münchner Rechtsextremer im vergangenen August rund um die Asylerstaufnahme in der Bayernkaserne waren der Anstoß dafür, dass sich der Verein Kreative Hilfe für Flüchtlinge in München gegründet hat. Derzeit zählt der Verein 80 Mitglieder, die Sachspenden wie Kleider und Koffer in einer Halle in der Dachauer Straße sammeln und weiterverteilen und sich um die zwischenmenschliche Betreuung kümmern. Montag gab es in der Kleiderkammer der Helfer einen Liedermachergipfel: Konstantin Wecker (67) und Heinz Ratz (46) waren zu Besuch.

In der alten Halle stapeln sich die Hilfsgüter.

Anlass war ein Dreh für die Lebenslinien-Reihe des Bayerischen Fernsehens, für die ein Kamerateam gerade Ratz begleitet – Wecker und Ratz sind eng befreundet. Der Vereinsvorsitzende Günther Gruchala sortierte mit den Künstlern die Kleider. Wecker freut sich über die Arbeit der Ehrenamtlichen: „Ich finde es großartig, dass sich viel mehr Menschen als man denkt bereit erklären, tätiges Mitgefühl zu zeigen.“ Sein Freund Ratz hat schon 160 Asylunterkünfte in ganz Deutschland besucht: „Ich kenne einen Mann, der lebt schon seit 35 Jahren mit Duldung in so einer Unterkunft.“

Wecker, der dem Verein am Montag gleich beitrat, wird richtig sauer, wenn die Sprache auf Pegida & Co. kommt: „Wie unglaublich dumm und unreflektiert es ist, dieses Elend auch noch anzugreifen. Einfach unfassbar!“ Und: „Jordanien beherbergt derzeit über zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Bei uns sind es gerade 30.000 – und dann gehen diese Pegida-Leute demonstrieren …“

Die kreative Flüchtlingshilfe organisiert auch Sprachkurse für Neuankömmlinge, die erst nach der Anerkennung Deutschkurse vom Staat finanziert bekommen. Ratz hält gerade diese Kurse für besonders wichtig: „Ein afghanischer Junge kam in die Schule und konnte kein Wort Deutsch. Er bekam im Unterricht nichts mit und wurde auf dem Schulhof von seinen Mitschülern verprügelt.“ Wer sich beim Verein Kreative Flüchtlingshilfe engagieren will: Infos gibt es unter: www.kreative-hilfe-fuer-fluechtlinge-in-muenchen.de.

Johannes Welte

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