Tipps aus Münchens ältestem Buchladen

Diese acht Bücher müssen Sie gelesen haben

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Blick in die imposante Bibliothek im Münchner Rathaus.

München - Am Welttag des Buches nennt Franz Klug von der ältesten Buchhandlung Münchens acht Bücher, die Sie lesen sollten. Der Buchhändler hat gute Gründe für seine Auswahl. 

Bücher begeistern Franz Klug, einen Fernseher besitzt er deshalb nicht. Er liest am liebsten im Bett. Und nachts. Auch dicke Wälzer mit 8000 Seiten –  "man muss sich nur seitlich hinlegen". Auf seinem Nachttisch liegen gerade "Judas" von Amos Oz, "Sonnenschein" von Dasa Drindic und "Der lange Sommer der Theorie" von Philipp Felsch. Außerdem hat er "Lyotard und wir" von Jacques Derrida wiederentdeckt.

Am Welttag des Buches am 23. April wünscht sich Franz Klug, dass die Menschen Bücher wieder mehr zu schätzen lernen – vor allem gebundene Bücher. Sie dürften nicht als bloße Weihnachtsgeschenke verkommen. Klug ist Geschäftsführer der Buchhandlung Lentner am Münchner Rathaus, die es seit 317 Jahren gibt. Er empfiehlt, diese acht Bücher dringend zu lesen und liefert gute Gründe dafür:

1. Arno Schmidt, "Seelandschaft mit Pocahontas"

Unser großer Arno Schmidt, der mit seinem ultimativen Werk "Zettels Traum" einen schwierigen 8000er vorgelegt hat, hat auch kleine, feine Erzählungen geschrieben. Der beste Einstieg in sein Werk ist die schönste deutsche Liebesgeschichte "Seelandschaft mit Pocahontas", die am Dümmersee spielt, und wo die Luft so mild ist, "dass man hätte Cremeschnitten damit füllen können". 

2. Dietmar Dath, "Feldevaye"

Dietmar Dath hat hier den spannendsten und interessantesten Science-Fiction-Roman der vergangenen Jahre vorgelegt. Es geht um Liebe, Macht und Kunst, und das alles in der fernen Zukunft auf einem entlegenen Planeten am Rande der Galaxis. Wunderbar erzählt, auch für nicht Science-Fiction-Fans gut lesbar und ein Gewinn.

3. Peter Nadas, "Parallelgeschichten"

Wie "Zettels Traum" ein gigantisches Werk. Es geht durchs ganze Jahrhundert, spielt hauptsächlich in Budapest und Mohac. 32 Kapitel. Jedes eine unglaubliche Verdichtung von Welt und Leben. Von der Kritik zu recht hochgelobt wird es leider noch viel zu wenig gelesen.

4. James Joyce, "Ulysses"

Dieser Weltalltag unserer Epoche ist und bleibt ein Meisterwerk, das man unbedingt einmal probieren sollte. Ein Wanderung mit Bloom durch Dublin ist spannend und man wird begeistert zum Beispiel für Shakespeare, dem Joyce ein ganzes Kapitel widmet und von dem er sagt: "Nach Gott hat Shakespeare am meisten Neues erschaffen."

5. Doris Lessing, "Das goldene Notizbuch"

Doris Lessing hat lange vor der Bücherflut über die Fragen der vielen menschlichen Identitäten mit großer Sprachkunst und vielschichtig ein Frauenleben beschrieben. Das ist immer noch unbedingt zu empfehlen, für alle, die es noch nicht gelesen haben.

6. Gunna Wendt, "Lou Andreas Salomé und Rilke – eine amour fou"

Gunna Wendt, die schon zahlreiche gehaltvolle und unterhaltsame Biographien geschrieben hat, zum Beispiel über Lena Christ und Franziska zu Reventlow, hat mit diesem Snapshot über die kurze Liebesbeziehung von Lou und Rilke, die in München im letzten Jahrhundert begann, ein feines, kleines Meisterwerk vorgelegt, das man immer lesen beziehungsweise weiterverschenken kann.

7. "Ngugi wa Thiong'o, "Herr der Krähen"

Ein wunderbarer Roman über Afrika. Ironisch und unterhaltsam erzählt Ngugi wa Thing'o über einen afrikanischen Despoten und seinen Widersacher. Nach diesem großartigen Werk verstehen wir die afrikanische Lebenswelt besser.

Und zum Abschluss das Sahnehäubchen der Literatur: Lyrik. Hier empfehle ich:

8. Gottfried Benn, "Sämtliche Gedichte"

Benn nimmt in seinem großen lyrischen Werk die ganze Lyrik-Entwicklung nach 1945 schon vorweg. Von den expressionistischen Gedichten, über die klassische Phase bis zu den Parlandagedichten deckt er die verschiedenen Strömungen mit großer Wortmagie ab und ist und bleibt ein lyrischer Leckerbissen.

sah

 

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