Staatsanwalt fordert lange Freiheitsstrafe

Westend-Entführer: Sein Opfer kann ihm nicht verzeihen

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Der wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagte Mario S. (r) neben seinem Anwalt.

München - Der Prozess um den Westend-Entführer geht weiter. Am Freitag sagte das Opfer des 53-Jährigen erneut aus - und stellte eine Sache klar.

Westend-Entführer Mario S. (53) wartet weiter auf sein Urteil. Der Prozess vor dem Münchner Landgericht neigt sich dem Ende zu. Am Freitag meldete sich das Opfer Andrea P. (Name geändert), die 46-jährige Gattin eines Bankers aus Ottobrunn, erneut zu Wort. Während sie Mario S. zu Beginn des Prozesses noch vergab, erklärte sie nun seine Entschuldigung für „null und nichtig“.

Was war passiert? Andrea P.: „Als sich der Täter bei mir entschuldigte, zog ich innerlich den Hut.“ Doch da hat das Entführungsopfer noch nicht sein taktisches Vorgehen durchschaut. „Er entschuldigte sich nur für seine Lügenmärchen, die ihm irgendwann keiner mehr glaubte.“

Die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes glaubt nicht, dass Mario S. während der Fahrt von Ottobrunn ins Westend die Entscheidung traf, die Entführung abzubrechen. Auch dass er sie vorzeitig freilassen wollte, habe er ihr nie zu spüren gegeben. „Ich hatte Todesangst bis zum Schluss“, sagte Andrea P. im Beisein ihres Mannes mit kräftiger Stimme und blickte ihrem Peiniger dabei tief in die Augen. Stille. Ihre Stimme versagt kurz. Dann bricht es aus ihr heraus: „Ich werde ihr Gesicht nie vergessen. Ihre Entschuldigung ist für mich null und nichtig!“

Die Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre und neun Monate Haft. Verteidiger Adam Ahmed setzt deutlich drunter an: drei Jahre und neun Monate.

Johannes Heininger

Johannes Heininger

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E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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