Sammelpunkt Hauptbahnhof

Wiesn, Flüchtlinge, Nazi-Demo: Droht München ein Chaos?

Der Vorplatz des Münchner Hauptbahnhofs an der Arnulfstraße. Hier werden ankommende Flüchtlinge versorgt.
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Der Vorplatz des Münchner Hauptbahnhofs an der Arnulfstraße. Hier werden ankommende Flüchtlinge versorgt.

München - Der Münchner Hauptbahnhof gerät am Wochenende in den Fokus wie bisher noch nie: Flüchtlinge, Wiesn-Besucher, Fußballfans und eine Neonazi-Demo. Die Behörden sind aber entspannt - noch.

Nach wie vor kommen am Hauptbahnhof in München täglich Flüchtlinge an, wenn auch nicht mehr in so großer Zahl wie noch vor wenigen Tagen. Bis Freitagmittag waren es laut Bundespolizeisprecher Wolfgang Hauner rund 300 Asylsuchende. Am Samstag ist Anstich, den ganzen Tag werden Zehntausende auf die Wiesn strömen und danach heimfahren. Viele davon betrunken, manche sehr betrunken. Viele werden über den Hauptbahnhof fahren. In der Nähe wollen am Samstagabend jetzt auch noch Neonazis der Partei "Die Rechte" gegen den "Asylwahnsinn" demonstrieren. Droht ein Chaos?

Die Behörden sehen für das Wochenende und den Wiesn-Beginn am Samstag momentan keine Schwierigkeiten - zumindest was die Flüchtlinge angeht. Voraussetzung dafür ist allerdings: Die Lage bleibt so wie momentan. Die Flüchtlingssituation habe sich am Freitag weiter beruhigt. Bis Freitagmittag kamen rund 300 Asylsuchende an, wie Bundespolizeisprecher Wolfgang Hauner sagte. „Die Lage ist noch entspannter als in den Vortagen.“ Wegen der anreisenden Wiesngäste sei es jedoch schon voller als sonst. 

"Die Rechte" ruft zu einer Anti-Asyl-Kundgebung am Hauptbahnhof auf

Zusätzlicher Brennpunkt: Am Samstag ab 18 Uhr ruft die Partei "Die Rechte!" zur "symbolträchtigen Anti-Asyl-Kundgebung" nahe des Bahnhofes an der Schützenstraße auf. Ihr Titel auf Facebook: "Refugees not Welcome". Das Motto: „Schluss mit dem Asylwahnsinn! Wir sind das Volk!“ Laut KVR ist die Veranstaltung mit 20 Teilnehmern angemeldet und genehmigt - auch am ersten Wiesn-Wochenende.

Laut Micky Wenngatz von "München ist bunt" werden auch Gegendemonstranten kommen. 

Hinzukommen könnten am Bahnhof selbst außerdem Fußballfans, die - etwas verspätet - die Heimreise antreten. Um 13 Uhr beginnt das Zweitliga-Spiel des TSV 1860 gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Allianz Arena. 

Flüchtlinge, die mit den Zügen eintreffen, werden nach dem Hol- und Verteilsystem von Polizei und Bahn am Bahnsteig-Ende von der Bahnpolizei empfangen. Die Polizisten eskortieren sie bis zum Starnberger Flügelbahnhof auf der Nordseite. In der Wartehalle werden sie gesammelt, truppweise geht es dann die Treppen des Empfangsgebäudes hinunter auf den Vorplatz. Dort wird jeder Flüchtling in vier Zelten des Münchner Katastrophen-Hilfswerk, kurz MHW, medizinisch untersucht. Danach wartet ein Bus, der sie in eine Erstaufnahme-Einrichtung fährt. Maximal einige Stunden ist ein Flüchtling daher am Bahnhof.

Flüchtlings-Ansturm am vergangenen Wochenende kam auch überraschend

An den beiden vergangenen Wochenenden hatte ein - von den Behörden nicht vorgesehener - Ansturm von jeweils 20 000 Flüchtlingen für chaotische Zustände gesorgt. Zuletzt waren täglich rund 1600 Flüchtlinge angekommen. Der Grund: Sonderzüge verteilten die aus Krisen- und Kriegsgebieten eintreffenden Menschen von Freilassing an der österreichischen Grenze direkt in andere Bundesländer, ohne Halt in München. Wegen der aktuellen Flüchtlingsproblematik rief eine Kolumnistin nun sogar zum Boykott der Wiesn auf.

Aktuelle Nachrichten zum Thema Flüchtlinge in München lesen Sie in unserem News-Ticker.

kf, dw, dpa

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