Holländisches Königspaar zu Besuch

Hartelijk welkom! So war der royale Tag in München

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Auch der Viktualienmarkt stand auf dem royalen Programm: Willem-Alexander und Maxima sorgten für ein großes Hallo.

Königswetter für den königlichen Besuch: Hollands Königspaar Willem-Alexander und Maxima verbrachte in München einen royalen Tag. Die Stationen ihres Besuchs.

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige! Und das niederländische Königspaar ist mehr als höflich. Für 9 Uhr war der Besuch der Royals in der Alten Pinakothek angekündigt, aber schon fünf Minuten früher rollte die schwarze BMW-Limousine am Roten Teppich vor. Willem-Alexander und Máxima strahlten mit der Sonne um die Wette, als sie jubelnde Oranje-Fans begrüßten.

Der König freute sich übrigens auf Deutsch über das Kaiserwetter. Ein Strauß orangefarbene Tulpen für die Königin, ein paar Selfies geschossen – dann hinein in die weltberühmte Gemäldesammlung, die Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle in einer kurzen Begrüßungsrede als „Schatzhaus“ würdigte.

Begleitet von Hausherr Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, stand die Besichtigung einiger Meisterwerke an. Der König und seine Gattin – in ihrem Gewand mit ihren Accessoires selbst schon fast ein Kunstwerk – bewunderten unter anderem Dürers Selbstbildnis im Pelzrock und da Vincis Madonna mit der Nelke. Dann wurde gearbeitet: Bestens gelaunt durchschritt das Königspaar einen eigens gefertigten großen Bilderrahmen im Holländer-Saal und eröffnete damit die frisch sanierte Sammlungspräsentation mit rund 130 Gemälden niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts.

Fotos von Willem-Alexanders und Maximas Besuch in München

Fotos von Willem-Alexanders und Maximas Besuch in München

In Vorbereitung der für 2018/2019 in Utrecht und München geplanten Ausstellung Utrecht, Caravaggio und Europa wurde im Beisein der niederländischen Royals außerdem ein Kooperationsabkommen von Dr. Bernhard Maaz und dem Direktor des Centraal Museums in Utrecht, Edwin Jacobs, unterzeichnet.

Ein letztes Winken für die Schaulustigen vor der Alten Pinakothek im Museumsviertel. Dann fuhr das Königspaar zum nächsten Programmpunkt – pünktlich um 10 Uhr. sas

Seehofer empfängt Willem-Alexander und Maxima in der Residenz

Mittags ist Minister(präsidenten)-Zeit: Horst Seehofer und Ehefrau Karin blinzeln vor der Residenz lächelnd in die Sonne – es gibt unangenehmere Termine, als an diesem strahlenden Frühlingstag eines der beliebtesten europäischen Königspaare zu begrüßen. „Ich habe gehört, Máxima sei sehr nett“, sagt Karin Seehofer auf dem roten Teppich. „Sie wirkt auch so sympathisch, obwohl ich sie ja nur aus Hochglanzmagazinen kenne“, so die First Lady der tz. Karin Seehofer habe sich für diesen fröhlichen Tag für ein „kräftiges Türkis“ bei der Wahl ihres Kostüms entschieden – „frühlingshaft“. Das Orange überlasse sie lieber den Fans.

Die lassen nichts aus, um auf sich aufmerksam zu machen: Blumensträuße, Lebkuchenherzen in XL, knall­orangefarbene Schals, Brillen, Hüte. Das kommt an: Als Máxima, pünktlich auf die Minute um halb zwölf, der schwarzen BMW-Limousine entsteigt, geht sie direkt auf die Fans zu, schüttelt einigen die Hand, Willem-Alexander hinterher. Máxima: „Schön, dass Ihr da seid. Herzlichen Dank.“ Das Volk jubelt, die Herzen hat die Königin im Sturm erobert.

Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und die zahlreiche Protokoll-Entourage lächeln verzückt – Máxima steht im Mittelpunkt, Willem lässt ihr bei den Auftritten im Blitzlich großzügig den Vortritt.

Nett: Neben dem roten Teppich hat sich ein Teil des berühmten Tölzer Knabenchors aufgereiht. Als die Ehrengäste kommen, schmettern sie das Volkslied nach Eichendorffs Gedicht Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. An diesem Mittwoch ist die Welt zu Gast in München.

Es ist einer der prachtvollsten Säle Münchens – das Antiquarium der Residenz. Willem-Alexander und seine Máxima lassen den Saal noch mehr erstrahlen: Hier bittet Ministerpräsident Horst Seehofer den blaublütigen Besuch und 100 weitere Gäste zum Mittagessen – samt Streichquartett, Blumenschmuck und vorherigem Eintrag ins Gästebuch der Regierung.

Bevor der niederländische König und Seehofer ihre Reden halten, serviert die Crew von Promi-Caterer Michael Käfer Spargelschaumsuppe. Ähnlich einer Ballett-Choreografie werden die Teller gleichzeitig serviert. „Das ganze Menü besteht aus bayerischen Komponenten“, erklärt Käfer. „Zum Hauptgang gibt es ein Medaillon vom Oberländer Rind und zum Dessert ein Schokoküchlein mit flüssigem Kern.“

Bayerische Prominenz empfängt Hollands Königspaar in der Residenz

Nur handverlesene Gäste dürfen an der Tafel Platz nehmen – wie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis: „Ich trage extra ein Kleid des holländischen Designers Eponine.“ Sie hat das Hoheitspaar schon häufiger getroffen: „Sie sind immer sehr freundlich.“ Auch Bayerns Ministerpräsident findet nur höchst lobende Worte: „Sie haben die Herzen der Menschen in Bayern im Flug erobert und bringen royalen Glanz zu uns“, sagt Seehofer stolz. Ohnehin steht die niederländisch-bayerische Zusammenarbeit im Mittelpunkt des Besuchs. „Sie sind ein fortschrittliches Land und eine große Konkurrenz“, lobt Seehofer die Niederlande. „Und wenn jemand gut ist, dann verbünden wir uns sehr gern, weil wir dann mehr Erfolg haben, als wenn wir gegeneinander arbeiten würden.“

Nicht nur wirtschaftlich würde man sich gegenseitig erquicken – wie bei BMW, deren Chefdesigner Adrian van Hooydonk ein Niederländer ist –, sondern auch kulturell.

Als König Willem-Alexander vor das Mikrofon tritt, ist er immer noch ganz fasziniert von seinem Landsmann van Hooydonk, der ihn vormittags durch die BMW-Welt führte: „Niemand kann so leidenschaftlich über das Liniendesign eines deutschen Autos sprechen“, sagte er mit einem Schmunzeln. Die Niederlande seien wichtig für Bayern: „Wir exportieren genausoviel nach Bayern wie nach China“, erklärt der König und ist auch weiter voll des Lobes für Seehofer und den Freistaat Bayern: „Die Messlatte in Bayern liegt immer sehr hoch. Selbstkritik ist gut, aber manchmal braucht es einen Blick von Außen, um eine klare Sicht auf sich selbst zu bekommen. Gestatten Sie mir, dass ich diesen Part heute übernehme. Bayern verdient wirklich großes Lob für seine Leistung.“

Schließlich versucht er sich noch an der bairischen Mundart: „Ned gschimpft is globd gnua.“ Der Saal lacht, und Seehofer ist gerührt: „So viel Lob bekamen wir zuletzt beim Besuch von Papst Benedikt. Deshalb wird die Rede sofort gebunden und in die Staatsbibliothek eingegliedert“, verspricht Seehofer unter großem Applaus.

Stilkritik: Maxima(l) Stilvoll

Sie gilt unter den royalen Schönheiten als wahre Stil-Königin: Maxima liebt es mit Mode zu spielen, sie weiß was ihr steht und wie sie es perfekt kombiniert. Für ihren München-Auftritt entschied sie sich für ein pinkfarbenes Seidenkleid, elegant-dezent in knieumspielender Länge, mit ­schmalen Dreiviertel-Ärmeln und einem U-Boot-Ausschnitt, der ihrer Figur besonders schmeichelt. Raffiniert auch die Details: Die Raffung an der linken Taille betont eine Brosche aus pinkfarbenen Perlen. Die wiederholen sich auch in den Ohrringen. Bekrönt wird Maximas Outfit durch einen Wagenrad großen Strohut in der gleichen Farbe ihres Kleides. Ein Ton dunkler: die eleganten Sling-Pumps mit einem Mix aus Leder und transparenten Einsätzen und natürlich die passende Clutch dazu.

Maxima trug das Ensemble allerdings nicht zum ersten Mal: Zum 48. Geburtstag ihres Mannes, am 27. April 2015, feiert sie damit in den Straßen von Dordrecht den Königstag. Eigentlich doch ganz sympathisch, dass auch Royals ihre Kleider auftragen...

Willem-Alexander und Maxima besuchen den Viktualienmarkt

Der Viktualienmarkt war schon vor der Ankunft der Royals von Schaulustigen überfüllt. Hie und da hörte man auch holländischen Akzent. Die Freude auf das Königspaar nahm von Minute zu Minute zu – um die Wartezeit zu versüßen, verteilte eine junge Dame in Holland-Tracht fleißig Käse. Als Willem-Alexander und Máxima pünktlich aus ihrem Auto stiegen, schallten laute „Oranje“-Rufe über den Platz. Trotz des straffen Programms: von Terminhatz keine Spur. Das entspannte Königspaar strahlte auf dem Viktualienmarkt um die Wette. Gemeinsam mit OB Dieter Reiter (57, SPD) und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (61, CSU) bestaunten sie bei bestem Wetter die Köstlichkeiten. Brunner präsentierte den Majestäten eine mächtige Brotzeitplatte – Máxima war beeindruckt. Es ging nicht nur ums Kulinarische. Ziel des Besuchs war es, die Zusammenarbeit zwischen der bayerischen und niederländischen Agrarwirtschaft zu fördern. Dafür wurde extra ein Pavillion errichtet, in dem sich sechs niederländische und zwei bayerische Unternehmen präsentierten.

Eintrag ins goldene Buch der Stadt

So eine Ehre hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht alle Tage: Am Mittwoch wollten sich die Royals im kleinen Rathaussaal ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Danach war für Willem-Alexander und Máxima ein Spaziergang über den Marienplatz zum Alten Rathaus geplant. Dabei hofften viele Münchner, nochmals einen Blick auf die Majestäten werfen zu können.

Das Königspaar konnte dabei vielleicht einen Blick auf die Statue von Kaiser Ludwig den Bayern (1282 – 1347 ) an der Rathausfassade werfen, der sich die Grafschaften Holland, Hennegau, Seeland und Friesland unter den Nagel gerissen hatte und somit über die halben Niederlande herrschte …

Am heutigen Donnerstag fliegt das niederländische Königspaar nach Nürnberg, um dort und in Erlangen weitere Termine wahrzunehmen.

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