"Wir sind überrascht und traurig"

Wirbel um Kulturstrand: Urbanauten sind raus

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Diesmal ohne Sand: Die neuen Veranstalter setzen auch auf ein geändertes Konzept.

München - Der Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen geht nicht mehr an die Urbanauten. Diese überraschende Entscheidung traf das Kreisverwaltungsreferat (KVR).

Zum Zuge kommt in diesem Sommer die Urban League GmbH. Dahinter stehen zwei bekannte Köpfe des Münchner Kulturlebens: Zehra Spindler, ehemals Betreiberin des Puerto Giesing, sowie Dierk Beyer, der die Clubs Nachtwerk, Nachtgalerie und Neuraum betreibt.

Die Reaktionen auf die Entscheidung fielen gestern entsprechend unterschiedlich aus. Benjamin David, Chef der Urbanauten, sagte: „Wir sind überrascht und traurig.“ David erwägt sogar juristische Schritte gegen die Stadt, weil er den Verdacht hegt, die Vergabe sei nicht sauber abgelaufen. Zehra Spindler erklärte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung: „Unglaublich. Ich bin überwältigt.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich am Kulturstrand – einem Baby der Urbanauten – Streit entzündet, womöglich sogar ein Koalitionsstreit zwischen CSU und SPD. David hatte mit seiner Agentur im Jahre 2004 das Projekt ins Leben gerufen. Das dreimonatige Event fand über die Jahre hinweg an verschiedenen Standorten statt, zuletzt am Vater-Rhein-Brunnen an der Ludwigsbrücke. Auch heuer ist der Kulturstrand dort vorgesehen, für die Folgejahre entscheidet der Stadtrat neu.

Im diesjährigen Kandidatenkarussell fanden sich nun drei ernsthafte Bewerber. Die Konzepte wurden nach folgenden Kriterien bewertet: kulturelles Angebot, Attraktivität und Originalität, familiengerechtes Konzept, Barrierefreiheit, Akzeptanz bei den Anwohnern, Zuverlässigkeit und Bewährtheit des Bewerbers, Ökologie. Laut KVR hat sich die Urban League GmbH mit ihrem Konzept „deutlich“ durchgesetzt.

Schon allein diese Formulierung dürfte für David, der in Bürgermeister Josef Schmid (CSU) stets einen Fürsprecher hatte, ein Schlag ins Kontor gewesen sein. Bei Teilen der SPD war David hingegen nicht wohl gelitten. Dierk Beyer wiederum hatte bei der Kommunalwahl 2014 auf der SPD-Stadtratsliste kandidiert. Michael Kuffer, stellvertretender CSU-Fraktionschef im Stadtrat, sagte am Dienstag: „Auch die CSU ist der Meinung, dass der Beste gewinnen soll.“ Aber die Art und Weise, wie die Vergabe gelaufen sei, habe das KVR „sehr lückenhaft dokumentiert“. Damit werde sich die CSU nicht zufrieden geben, kündigte Kuffer an. David sprach von einer „politisch motivierten Entscheidung“.

Christian Vorländer, Vize-Fraktionschef der SPD, bezeichnete die Vergabe hingegen als fair. Die Kriterien seien nachvollziehbar gewesen. „Es ist halt nun mal ein anderer Veranstalter zum Zuge gekommen.“ Das schmälere die Leistung der Urbanauten nicht. Laut Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle ist es auch keine subjektive Entscheidung des KVR gewesen, sondern eine Gesamtschau aus vielen einzelnen Entscheidungsträgern. Unter anderem haben das Kulturreferat, das Sozial-, Umwelt, Wirtschafts- und Baureferat eine Bewertung abgegeben, dazu der Behindertenbeirat, die Polizei und auch die Bezirkaussschüsse Altstadt-Lehel sowie Au-Haidhausen. „Eine saubere Vergabe“, so Blume Beyerle.

Die neuen Veranstalter haben laut Zehra Spindler ein Konzept, das vorrangig auf Subkultur setzt. Dafür ist Spindler bekannt, Dierk Beyer steht als Club-Betreiber eher für die kommerzielle Komponente in dieser Geschäftsbeziehung. Die beiden wollen am Vater-Rhein-Brunnen jungen Kreativen eine Plattform bieten, egal ob Modemacherin oder Musiker. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm mit Konzerten und Lesungen. „Kein Mainstream, kein Schicki-Micki“, verspricht Spindler. Wobei diese Aussage in keiner Weise auf David gemünzt ist, der auch kein Party- und Kommerz-Konzept hatte. Sand wollen die neuen Veranstalter nicht mehr aufschütten, sondern den Platz am Vater-Rhein-Brunnen so belassen, wie er ist. Eine Aktion heißt „Great Bavaria Reef“ – in Anlehnung an das weltberühmte Korallenmeer vor der Nordostküste Australiens. Spindler sagt, sie sei am Dienstag bereits mit Anrufen von Künstlern und Kreativen „bestürmt“ worden, die mitmachen wollen. Das kulinarische Angebot ist vegetarisch und vegan, die Cocktails kosten zwischen vier und sieben Euro, das Bier vier Euro – und für Kinder gibt es Sonderangebote. Und eines versichert Zehra Spindler: „Unser Konzept ist komplett unpolitisch.“

Klaus Vick

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