Rücktritt mit Rückzieher

Wirbel um Wahl zum Wiesn-Stadtrat: Seidl statt Quaas 

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Bittere Niederlage: Richard Quaas – hier auf einem Archivfoto – galt bis Montag als klarer Favorit auf den Posten des Wiesn-Stadtrats. Doch die Fraktion folgte nicht.

München - Einen kleinen Aufstand hat die Rathaus-CSU am Montag erlebt: Gegen den Vorschlag des Fraktionschefs wurde Otto Seidl zum neuen Wiesn-Stadtrat gewählt. Richard Quaas fiel stattdessen durch, drohte mit Rücktritt und ließ sich dann doch überzeugen, der CSU die Treue zu halten.

Richard Quaas hatte eine klare Meinung. Von einem „Verrat“ schrieb er auf „Facebook“, von „niederen Beweggründen“ und „verletzten Eitelkeiten“. Die beiden CSU-Stadträte, die gerade die Fraktion in Richtung Bayernpartei verlassen hatten, sollten „ihre CSU-Mandate zurückgeben“, hatte er Ende März noch gefordert. Am Montag kündigte Richard Quaas selbst an, die CSU-Fraktion zu verlassen. Stunden voller nervöser Krisensitzungen – später ruderte er zurück. Quaas bleibt.

Wird Wiesn-Stadtrat: Otto Seidl (70) wurde gewählt.

Hintergrund der Turbulenzen: Am Montag stand die Wahl zum Wiesn-Stadtrat an. Das Amt bietet als Vermittlungsfunktion zwischen Oktoberfest-Beschickern, Schaustellern und Rathaus relativ wenig Macht, ist im Stadtrat aber prestigeträchtig. Vorgänger Georg Schlagbauer hatte nach Bekanntwerden seiner Rotlicht- und Koks-Affäre sämtliche Ämter niedergelegt. Die Wahl von Quaas galt wie berichtet seit Wochen eigentlich als ausgemacht. Hohe CSU-Kreise hatten sich offenbar darauf geeinigt, Quaas zu dem Amt zu verhelfen – und zu vereinbaren, dass in zwei Jahren Manuel Pretzl übernehmen würde, der Fraktionschef in spe.

Der Plan scheiterte. Mit 13 zu 10 Stimmen stimmten die Christsozialen für Otto Seidl, 70. Seidl tritt im Rathaus eher unauffällig auf. Er hat durchaus Fürsprecher, die loben, der Jäger stehe für die Traditionspflege wie kaum ein anderer Münchner Christsozialer. Er könne auch die Kernwähler ansprechen, sei fleißig in der Stadt unterwegs, auch dort, wo mancher junge, ambitionierte Stadtrat sich nicht sehen lassen mag.

In der Rathaus-CSU brach nach der Wahl am Montagmittag große Hektik aus. Quaas soll unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses mit dem Satz „Hiermit trete ich aus der Fraktion aus“ aus dem Raum gegangen sein. Danach folgte stundenlang Krisensitzung auf Krisensitzung. Schließlich wollte Quaas seine Äußerung nur noch als Drohung verstanden wissen – einer Drohung, auf die offenbar ein Kuhhandel folgte. Stunden später meldete die CSU-Fraktion, Quaas werde verkehrspolitischer Sprecher (als Nachfolger von Michael Kuffer, der wohl in den Bundestag geht) und Koreferent für Arbeit und Wirtschaft (das Amt stellte Manuel Pretzl zur Verfügung, der Fraktionschef werden soll). Für beide Ämter wurde Quaas einstimmig gewählt.

Die Angst davor, mit dem Verlust eines Stadtrats nur noch zweitstärkste Fraktion zu sein, war wohl sehr groß. Denn innerhalb der CSU gab es offenbar sehr viel persönliche Verärgerung über Quaas. „Er hat sich nicht immer diplomatisch ausgedrückt“, sagt einer, der ihm wohlgesonnen ist. Man habe gewusst, dass einige ein Problem mit Quaas hätten. „Aber doch nicht so!“ Das Ergebnis der geheinem Wahl hat viele überrascht.

Seidl wird hingegen eher als ein Zufalls-Sieger interpretiert. Er war es eben, der gegen Quaas angetreten war. „Er sitzt ja nichtmal im zuständigen Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft“, hieß es in der Fraktion. „Dass er gute Kontakte auf die Wiesn hat – das glaubt kein Mensch.“

Richtig zufrieden mit der Wahl klang am Montag keiner. Eher herrschte Erleichterung, dass wenigstens Richard Quaas bei der Stange bleibt. Es sind mal wieder Chaos-Tage in der Münchner CSU. Da ist man manchmal schon mit sehr, sehr kleinen Erfolgen ganz zufrieden. Richard Quaas und Otto Seidl waren nicht zu erreichen.

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