Nicht nur in den Hofbräukeller

Wirte-Aufstand gegen AfD! Auch hier kommt sie nicht rein

+
Der Hofbräukeller sagte der AfD ab.

München - Hofbräukeller-Wirt Ricky Steinberg bleibt bei seiner Absage an den Kreisverband der AfD. Während die Partei eine Verschwörung wittert, springen ihm andere Münchner Wirte zur Seite.

Das Ultimatum ist am Montag Mittag um 12 Uhr abgelaufen: So lange hatte Hofbräukeller-Wirt Ricky Steinberg Zeit, seine Absage an den Kreisverband München-Ost der AfD zurückzunehmen. „Ich stehe zu meinem Wort und mache jetzt sicher keinen Rückzieher“, sagt Steinberg. Also keine AfD-Veranstaltung im Hofbräukeller! Ursprünglich geplant war ein Auftritt der Bundessprecherin Frauke Petry (40) an diesem Freitag.

Nach Steinbergs Absage gibt’s Ärger. Und: Bereits am Sonntag war Wilfried Biedermann von der AfD mit Kameramann im Hofbräukeller aufgetaucht, um das Ultimatum zu übergeben und ein Video fürs Internet zu machen. Als „regelrechten Vertragsbruch“ bezeichnet er Steinbergs Vorgehen. Der Wirt kontert: „Ich will keine Demonstration am Wiener Platz. Die Befürworter und Gegner der AfD schlagen sich doch die Köpfe ein!“

Weil die AfD fürchtet, keine Räume mehr zu bekommen, will sie sich in den Hofbräukeller klagen. „In München wird’s schwierig, dass sie einen Raum bekommen. Das macht kein Wirt“, sagt Hans-Georg Stocker vom Backstage. Die meisten stellen sich hinter Steinberg, andere bleiben bei dem heiklen Thema zurückhaltend. „Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, ob ich die AfD reinlassen würde. Wir haben keinen Saal, in den so viele Leute reinpassen“, sagt Wiesnwirte-Sprecher und Straßlach-Wirt (Wildpark) Toni Roiderer. Georg Heide von der Gaststätte Heide-Volm und Andreas Schön vom Hotel zur Post Pasing wollten keine Stellung nehmen. Das Hotel zur Post hatte 2015 eine Diskussion mit AfD-Mann Björn Höcke beherbergt. Der Eigentümer schritt ein. Um die Konzession nicht zu verlieren, will der Wirt die AfD künftig nicht mehr reinlassen.

Die AfD wittert eine politische Verschwörung. Landeschef Petr Bystron: „Schweren Herzens werden wir klagen, denn wir wissen, dass der Wirt unter enormen Druck seitens der CSU steht.“

Das sagen die Wirte:

Toni Winklhofer, Wirt des Ratskellers und des Festzelts Tradition: „Alle Achtung, dass Ricky Steinberg Flagge gezeigt hat.Wir behalten uns vor, Parteien die dem extremen rechten und übrigens auch linken Spektrum angehören, abzulehnen. Das steht in unseren Reservierungsbedingungen – sowohl fürs Festzelt Tradtion als auch für den Ratskeller.“

Peter Inselkammer, u.a. Wirt des Wirtshaus Ayingers und des Armbrustschützenzeltes: "Die Stimmung in der Öffentlichkeit ist gerade sehr aufgeheizt, deswegen kann ich gut verstehen, wie Ricky Steinberg reagiert hat. Wenn es sich um eine demokratisch gewählte Partei handelt, sollte man immer schauen, wer genau kommt. Gerade bei Parteien wie der AfD wäre auch ich vorsichtig.“

Julian Reindl, Juniorwirt des Donisl: "Wir hatte bis jetzt noch keine Anfrage von der AfD. Wir unterstützen aber grundsätzlich keine ausländerfeindlichen Bewegungen. Bei uns im Wirtshaus heißen wir Gäste aus unterschiedlichsten Nationen willkommen. Da wollen wir nicht mit so einer Partei in Verbindung gebracht werden.“

Wiggerl Hagn.

Wiggerl Hagn, Wirt der Hirschau und des Löwenbräuzeltes: „Ich stehe auf der Seite von Herrn Steinberg. Ich würde die AfD auch nicht reinlassen – alleine aus Sicherheitsaspekten. Wenn uns eine Anfrage zu riskant ist, dann klären wir das im Vorfeld ab. Herr Steinberg ist Pächter einer Wirtschaft. Sollte etwa durch Gegendemonstrationen irgendwas passieren, wird ihm das negativ ausgelegt werden.“

Dietmar Lupfer (Muffatwerk): "Wir würden der AfD oder ähnlichen Gruppierungen in keinem Fall unsere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Wir stehen mit unserem kulturellem Engagement für eine offene Gesellschaft, die geprägt ist von Humanität und Toleranz, die sich nicht von Angst vor dem Unbekannten treiben lässt. Refugees are welcome."

Hans-Georg Stocker (Backstage): "Da gibt’s den Wirt, der sagt, dass er Geschäftsmann ist, und solche Leute kommen dürfen, wenn sie ihre Rechnung zahlen. Der andere Wirt sagt, dass er auch ein politischer Mensch ist. Warum Steinberg zuerst zugesagt und dann abgesagt hat, verstehe ich nicht. Zu uns können die AfDler sicher nicht kommen."

Beppi Bachmaier (Fraunhofer): "Wir haben uns mit Kabarett einen Ruf erarbeitet – deshalb fragen solche Gruppen bei uns nicht an. Als die Grünen 1983 in den Bundestag eingezogen sind, war der Wahlabend im Fraunhofer. Als politischer Mensch denke ich aber darüber nach, dass mit der AfD eine demokratische Partei ausgeschlossen wird."

Christian Schottenhamel (Löwenbräukeller): "Letztes Jahr wollte die AfD bei uns ihre Weihnachtsfeier veranstalten. Wir haben abgesagt. Eine Klausel in den Verträgen macht es möglich, dass wir politischen Gruppierungen absagen können. Im Löwenbräukeller habe ich das Hausrecht und bestimme, wen ich nicht in meinem Wirtshaus möchte."

J. Menrad, J. Ventker, R. Weise

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare