Zur EM Wiese vor Kneipe verlegt

KVR rasend: Wirte müssen Deko-Rasen entfernen

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Public Viewing auf Rasen: Das wollten Jan Oltznauer (Foto l.) und Filip Cerny (Foto r.) vom Valentin Stüberl möglich machen. Doch das KVR entschied: Der Rasen muss weg.

München - Jan Oltznauer und Filip Cerny hatten zur EM eine witzige Idee: Sie verlegten Rasen vor ihrem Valentin Stüberl. Zum stilechten Public Viewing. Nur: Die Stadt findet das nicht so lustig wie sie.

"Wir gehören halt zu einer lustigen Spezies“, sagt Jan Oltznauer (46) über sich und Mit-Betreiber Filip Cerny (41). Und weil lustige Leute auf witzige Ideen kommen, haben sich die Wirte des Valentin Stüberls in der Dreimühlenstraße (Isarvorstadt) zur EM etwas Besonderes einfallen lassen. 

Kurzerhand haben sie die Freischankfläche vor ihrer Kneipe mit einem Rollrasen ausgelegt. Mit einem echten, Ehrensache. 500 Euro inklusive Arbeitszeit haben sie dafür investiert. „Jetzt sieht es hier nicht mehr so trist aus“, sagt Oltznauer. „Die Nachbarn finden es toll - und die Gäste auch.“ 

Auf Klappstühlen auf dem Rasen können Fußballfans jetzt stilecht ein Bierchen trinken - und auf einem Fernseher Fußball schauen. Blöd nur, dass das Kreisverwaltungsreferat (KVR) wenig begeistert ist: Die Idee macht die Behörde im wahrsten Sinne des Wortes rasend. 

Der Hintergrund: Die Stadt hat genaue Richtlinien für Kneipentische und -stühle auf Gehwegen erlassen. „Freischankflächen sind grundsätzlich öffentlicher Grund - und müssen als solcher erkennbar sein“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Tische, Stühle, Sonnenschirme und Pflanzgefäße sind erlaubt - ein Rollrasen aber nicht. Da hilft es auch nichts, dass die Wirte extra eine Matte unter ihn gelegt haben, um die Pflastersteine nicht zu beschädigen.

Bei der Genehmigung der Fläche sei genau festgelegt, was der Wirt dürfe und was nicht, so Schlegel. Deswegen hat die Stadt nun ein Bußgeldverfahren gegen die Valentin-Stüberl-Betreiber eingeleitet. Und: Oltznauer und Cerny mussten ihren Rasen Dienstagvormittag entfernen. „Wir haben noch verhandelt, ob wir das Bußgeld bezahlen können und den Rasen liegen lassen - aber keine Chance“, sagt Oltznauer. 

Das Gerase um den Rasen hat eine längere Vorgeschichte: Zur Deutschland-WM 2006 hatten die Wirte erstmals die Idee zu dem Rasen. Bezirksinspektoren des KVR entdeckten ihn - und ließen die Wirte gewähren. „Sie haben gesagt, sie dulden es, aber nach der WM muss er gleich weg.“ Zur WM 2014 rollten Oltznauer und Cerny wieder ihren Rassen aus. Das KVR wies sie auf den Regelverstoß hin, verzichtete aber auf ein Bußgeld. Heuer dann: Bußgeldverfahren - und der Rasen muss weg. 

Freilich seien sie jetzt enttäuscht, sagt Oltznauer.  „Alles, was ein bisserl Charme hat, ist verboten“, sagt er. „Aber wir müssen immer mehr für das Ausschenken im Freien bezahlen.“ 

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