Wirtschaftsbericht offenbart Licht & Schatten

München boomt - aber ...

München - Kaufkraft, Arbeitslose, Steuern: Der Wirtschaftsbericht offenbart Licht & Schatten.

Als Josef Schmid (46, CSU) nach Problemen der Münchner Wirtschaft gefragt wird, muss der Referent lange überlegen. Denn die Wirtschaft wächst weiter. Hier ein neuer Höchststand, da ein neuer Rekord – der Stadt geht es so gut wie lange nicht mehr. Das zeigt der Wirtschaftsbericht 2015. Aber neben Licht gibt es auch Schatten – lesen Sie hier erst mal die guten Nachrichten:

Die Zahl der Beschäftigten hat 2015 erneut zugenommen – um 2,7 Prozentpunkte, es gibt 20 697 neue Jobs. Insgesamt stehen 797 102 Menschen in Lohn und Brot. Das ist ein neuer Höchstwert. Vorreiter ist der Dienstleistungs-Sektor (plus drei Prozentpunkte, 19 666 Stellen). Dort arbeiten nunmehr 667 673 Menschen

Im produzierenden Gewerbe gibt es ebenfalls einen leichten Anstieg um 0,8 Punkte auf 128 856 Beschäftigte. Damit liegt der Anteil an allen Arbeitsplätzen zwar nur bei 16,1 Prozent. Dafür allerdings trägt das Gewerbe 24,1 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei – also aller produzierten Waren und Dienstleitungen.

Im Handwerk arbeiten derzeit 77 900 Personen in 22 129 Betrieben. Der Umsatz stieg um 2,1 Prozentpunkte und lag bei rund 9,8 Milliarden Euro.

Die Zahl der Arbeitslosen ist rückläufig: Die Quote sank auf 4,6 Prozent, 44 938 Menschen haben keinen Job, das sind 1009 weniger als im Jahr zuvor.

Das alles hat Auswirkungen auf die Kaufkraft: Die ist gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Punkte gestiegen und liegt mit 30 786 Euro je Einwohner um 38 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt. Höchstwert! Auf den Plätzen folgen Düsseldorf (25 937 Euro) und Frankfurt (24 668 Euro).

Von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch die Stadtkasse. 2015 flossen 6,5 Milliarden Euro Gewerbesteuern in die Kämmerei. Das waren noch einmal 5,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Laut Schmid ist heuer erneut mit einem deutlichen Plus zu rechnen. Der Referent spricht sogar schon von einem Höchststand.

Licht und Schatten: Lesen Sie hier nun die Schattenseiten des Booms. Denn: In München gibt es nicht eine einzige freie Gewerbefläche mehr. Wohl aber Interessenten: Rund 300 Firmen warten auf Grundstücke. Wirtschaftsreferent Josef Schmid appelliert: „Wir dürfen bei neuen Ausweisungen nicht nur an Wohnungen denken, wir brauchen auch Raum für die Betriebe.“ Und zwar zwischen 48 und 166 Hektar bis 2030 – je nachdem, wie viele Altbestände neu genutzt werden.

Auch fehlten rund 20 Hektar für Büro-Gebäude. Wo es noch Möglichkeiten gibt, Flächen neu auszuweisen, darüber schweigt Schmid. Klar ist aber, dass er auch das Umland ins Boot holen will.

Dass freilich auch Wohnraum benötigt wird, weiß der Bürgermeister. Die Zahlen sprechen für sich: Die Mieten sind 2015 erneut gestiegen. Laut Wirtschaftsreferat liegen sie im Mittel bei nun 16,6 Euro pro Quadratmeter. Das ist auch ein Höchstwert – bundesweit! Und es passt unangenehm ins Bild, dass die Stadt im Vorjahr erneut ihre Ziele nicht erreicht hat. 6500 Wohnungen wurden gebaut, 7000 hätten es sein sollen.

Die Opposition stänkert, Michael Mattar (FDP): „Damit lösen wir den Mangel in München nicht!“ 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Sascha Karowski

Sascha Karowski

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