In zehn Jahren fast verdoppelt

Wohnungen immer teurer: Wer kann sich das noch leisten?

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Wohnhäuser in Schwabing-West.

München - Dass München teuer ist, ist keine Neuheit.  Allein in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Preise fest verdoppelt. Ein Experte meint aber im Interview, dass München günstig ist.

Schwabing-West: nicht die allerbeste Lage, aber eine gute, 5 300 Euro kostet der Quadratmeter hier im Durchschnitt. Wer sich das leisten kann? Das durchschnittliche Einkommen des Münchners immerhin legte seit 1995 um 42 Prozent zu. Das Problem: Die Kaufpreise schossen im gleichen Zeitraum um sagenhafte 106 Prozent in die Höhe! Preisanstieg allein bei Eigentumswohnungen seit Herbst 2015: sechs Prozent! Die neuen Zahlen des IVD-Marktberichts sind alarmierend. „Derzeit gibt es auf dem Wohnungsmarkt keine Anzeichen für eine Atempause“, sagt Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland (IVD).

Die Grafik zeigt, wie teuer es in den jeweiligen Vierteln ist.

Kippes’ Prognose: Aufgrund der weiterhin starken Nachfrage und der „unzureichenden Neubautätigkeit“ geht der Irrsinn wohl weiter! Schon jetzt sei der Druck auf dem Münchner Immobilienmarkt extrem hoch. Die höchsten Preisanstiege verbucht wie schon im Herbst der Baugrund. Das Grundstück für ein Einfamilienhaus kostet 8,8 Prozent mehr als noch vor einem halben Jahr, neue Reihenmittelhäuser 5,7 Prozent, neue Doppelhaushälften 4,9 Prozent. Etwas gedämpfter fällt der Anstieg bei neuen Eigentumswohnungen (3 Prozent) und bestehende Doppelhaushälften (2,7 Prozent) aus.

Deutlich wird die Preisexplosion im Zehn-Jahres-Vergleich: In diesem Zeitraum haben sich die Preise zum Teil verdreifacht! Der Baugrundpreis für ein Einfamilienhaus ist heute nominal gesehen drei Mal so hoch wie 2006.

Auch andere Städte kämpfen mit der Wohnungsnot: In Augsburg kostet der Wohnungs-Quadratmeter 3750 Euro, in Rosenheim 4040 Euro und in Regensburg 3600 Euro. Bloß: Dem Durchschnitts-Münchner hilft das auch nicht.

Schlimmes Erwachen

tz-Interview für Rudolf Stürzer Vorsitzender Haus- und Grundbesitzerverein München

Wird München zu teuer für die Münchner?

Rudolf Stürzer: Es gibt viele Gutverdiener hier, es gibt die Erbengeneration und eiserne Sparer – und Menschen, die aufs richtige Pferd gesetzt haben: Die haben vor 30 Jahren eine kleine Wohnung günstig gekauft, verkaufen sie jetzt teuer, der Erlös fließt als Startkapital in die neue Wohnung!

Welche Rolle spielen raffgierige Investoren?

Stürzer: 95 Prozent unserer Mandanten sind Privatpersonen. Aber klar, München zieht Investoren an – weil München günstig ist.

Wie bitte?

Stürzer: Im Vergleich zu London, Paris und Rom ist München relativ günstig.

Die Münchner kaufen also immer noch?

Stürzer: Ja. Auch wegen der historisch niedrigen Zinsen. Überall tummeln sich unseriöse Vermittler, die Kredite über fünf Jahre anbieten. Die Menschen nehmen heute das billige Geld und in fünf Jahren gibt es ein böses Erwachen, weil die Zinsen dann wieder hoch sind!

Ihr Rat bei Krediten?

Stürzer: Laufzeit möglichst 15 Jahre, mindestens drei Prozent Tilgung! Andernfalls droht nach Ablauf und dann wieder hohen Zinsen die Zwangsversteigerung.

Was sollte man beachten beim Kauf?

Stürzer: Lage, Lage, Lage! Wohnungen in guter Lage lassen sich eben auch immer wieder verkaufen. Und: Bei der Immobilien-Besichtigung immer einen Fachmann mitnehmen!

Tobias Scharnagl

Das kosten Wohnungen in München

Ausstattung 

Ausstattung (Preis pro Quadratmeter)  

Stadtteile

einfach

mittel

gut

sehr gut

einfache Lage

3300 €

3500€

4050€

k.A.

mittlere Lage

3750€

4200€

4700€

5550€

gute Lage

4250€

4900€

5300€

6750€

sehr gute Lage

5500€

5950€

6500€

8950€

Quelle: IVD-Marktbericht Wohnimmobilien - Kaufobjekte, Mai 2015

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Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

E-Mail:Tobias.Scharnagl@tz.de

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Kommentare

PawlowAntwort
(1)(0)

Welche normale Bank gibt denn Laufzeiten von bis zu 40 Jahren? Würde mich wirklich interessieren! Und zu welchen Konditionen?

TotalverspultAntwort
(1)(0)

ich bin keine Spitzenverdienerin und hab mir trotzdem meine Wohnung gekauft, man muss halt klein anfangen und sich was vom Mund absparen, erst mit einem Zimmer in einer nicht so guten Lage wie Neuperlach (so eine Wohnung kann sich immer noch jeder leisten, der ein bisschen was gespart hat, eine Kreditrate ist meist auch nicht höher als die Miete), dann in eine 2 Zimmer Wohnung tauschen (mit neuem Kredit) und jetzt such ich nach einem Haus im Landkreis.....
Man muss nur daran denken: Ob man jetzt Miete zahlt, was rausgeworfenes Geld ist, oder einen Kredit abzahlt ist von der Höhe meist das Gleiche....nur weiß man, dass man was für sich tut.

Rosi
(2)(0)

Nirgendwo in Europa ist es so schwer für die Bürger, sich eine eigene Wohnung zu kaufen, wie in Deutschland. Und nirgendwo in Deutschland ist es so schwer wie in München. Hier gibt es fast nur noch Spitzenverdiener auf der einen Seite und Besitzlose auf der anderen.