„Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes

Wenn für Todkranke der letzte Wunsch wahr wird

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Im Garten mit den Angehörigen Kaffee zu trinken war der letzte Wunsch eines 56-jährigen Münchners.

München - Eine Fahrt an den See, eine Familienfeier, ein Fußballspiel: Der neue „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes erfüllt die Sehnsüchte sterbenskranker Menschen.

Er wollte nur noch einmal nach Hause. Noch einmal mit seiner Familie einen Kaffee trinken. Es sind oft kleine letzte Wünsche, die schwerstkranke Menschen haben, bevor sie friedlich gehen können. Hospize oder Angehörige können es meist nicht leisten, Sterbenskranke an ihren Sehnsuchtsort zu bringen. Es fehlt am Personal und an Fahrzeugen, die darauf ausgerichtet sind, Schwerstkranke zu transportieren. Jetzt hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) München einen „Wünschewagen“ gekauft, mit dem der größte Traum von Menschen auf der letzten Etappe ihres Lebens in Erfüllung gehen kann.

Im Garten Kaffee trinken und Kuchen essen

Marcus B. (Name geändert) hatte so einen Wunsch. Ganz aufgeregt wartete der 56-jährige in seinem Rollstuhl auf dem Gehweg vor dem Hospiz, als der „Wünschewagen“ anrollte. B. war der erste, dem der ASB seinen letzten Wunsch erfüllen konnte. Er durfte nach Hause zu seiner Familie im Münchner Osten, im Garten Kaffee trinken und Kuchen essen. Die Angehörigen hatten Haus und Garten liebevoll dekoriert, eine Lichterkette aufgehängt, Luftballons mit der Aufschrift „Ich liebe dich“ verteilt. Die Hunde bellten laut, als sie ihr Herrchen plötzlich wieder im Garten sahen. „Es ist wunderschön zu sehen, wie sterbenskranke Menschen, die noch einmal Teil des Lebens sein dürfen, aufblühen und Kräfte sammeln“, erzählt Marion Kotowski, Projektleiterin des Wünschewagens. „Menschen, die sterben werden, wollen spüren, dass sie leben.“

Kein Krankentransport, sondern eine Reise

Der "Wünschewagen" des Arbeiter-Sameriter-Bundes

In Israel und Rotterdam gibt es so etwas wie den Wünschewagen bereits seit längerem. Das erste deutsche Wünschemobil war in Essen unterwegs. Im Sommer 2014 konnte in Nordrhein-Westfalen der erste letzte Wunsch realisiert werden. Wie alle anderen ist auch das Münchner „Wünschemobil“ ein eigens für dieses Projekt optimierter Krankentransportwagen mit notfallmedizinischer Grundausstattung. Das Auto soll dem Fahrgast jedoch nicht das Gefühl eines Krankentransports geben, sondern einer Reise.

Das Mobil ist mit Panorama-Fenstern ausgestattet, sodass der Kranke zu allen Seiten einen guten Ausblick hat. Von draußen können Neugierige nicht nach drinnen schauen. An der Decke ist ein Sternenhimmel angebracht. Die Familie und Ehrenamtliche können mit einem Fotoapparat im Wagen die schönsten Momente des Tages festhalten. Ein Angehöriger kann den Kranken im Fahrzeug begleiten. Bei jeder Fahrt ist immer mindestens ein medizinisch geschulter Begleiter dabei. Bis Ende des Jahres soll es zwölf Wünschewagen in Deutschland geben.

Schauspielerin Janina Hartwig ist Patin

Prominente Patin des Projekts ist die Schauspielerin Janina Hartwig („Um Himmels Willen“, rechts, zusammen mit Geschäftsführer Christian Boenisch).

Prominente Patin ist die Schauspielerin Janina Hartwig, bekannt aus der Fernsehserie „Um Himmels Willen“. „Sterben und Tod hat in meinem Leben noch keine große Rolle gespielt. Man setzt sich mit diesem Thema nicht auseinander, aber es kann jeden treffen“, sagte sie am Freitag. Sie war bei der ersten Wünschewagen-Fahrt in den Münchner Osten dabei. „Ich hatte vorher schon etwas Angst“, gesteht sie. „Doch es war ein gutes Gefühl, einen Sterbenden bei seinem letzten Wunsch zu begleiten.“ Bisher hat der ASB in München drei Menschen an ihre Sehnsuchtsorte gefahren. Laut Kotowski zieht es Schwerkranke häufig noch einmal an einen See oder ans Meer. Sie erzählt von einem Münchner, dessen Bedürfnis es war, ein letztes Mal den Chiemsee zu sehen, bevor er stirbt. „Das Meer hat für viele etwas von Freiheit. Der Himmel, das Wasser, die Weite“, erklärt Kotowski die Sehnsucht. Derzeit bekommt der ASB zwei bis drei Anfragen von Schwerkranken oder deren Angehörigen pro Woche. „Wir versuchen, alles möglich zu machen, sei es eine Familienfeier, eine Fahrt in die Berge oder an den Gardasee“, sagt Geschäftsführer Christian Boenisch. „Um das zu schaffen, brauchen wir dringend Ehrenamtliche.“

Die zweite Fahrt des Mobils ging an den Chiemsee.

Ein gutes Dutzend Ehrenamtliche helfen im Moment dabei, letzte Wünsche zu erfüllen. Laut Boenisch ist das Ziel, das Projekt mit etwa 50 Aktiven umzusetzen. „Jeder kann uns helfen“, betont der Geschäftsführer. Wer den „Wünschewagen“ unterstützen will, bekommt eine speziell zugeschnittene 20-stündige Ausbildung und Supervisionen.

Für den Schwerstkranken ist die Fahrt an den Sehnsuchtsort gratis. Die Kosten – pro Wunscherfüllung zwischen 500 und 1500 Euro – sollen durch Spenden gedeckt werden. Boenisch: „Wir sind auf Patenschaften und Sponsoren angewiesen, damit letzte Träume wahr werden können.“

Wer helfen will meldet sich beim Arbeiter-Samariter-Bund unter der Nummer 089 / 74 36 32 21 oder per E-Mail bei m.kotowski@wuenschewagen.de.

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