Stadt legt Marktbericht vor

Wo es in München an der Pflege krankt

57 Pflegeheime mit 7575 Plätzen gibt es in der Stadt. Einige Stadtbezirke sind unterversorgt, etwa Milbertshofen, Feldmoching und Laim. 

2025 werden nach Prognosen der Stadt 31 400 Münchner Pflege benötigen – 6200 mehr als heute. Aber: 600 Pflegeheimplätze und mindestens 4000 Pflegekräfte fehlen.

München - Lücken schließen: Beim Thema Pflege ist das nichts Neues. Wie in jedem Jahr legt die Stadt auch heuer den „Marktbericht Pflege“ vor. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) sieht München darin vor „großen Herausforderungen“. Blieb die Zahl Pflegebedürftiger zuletzt relativ konstant, schlägt jetzt der demografische Wandel voll durch. Die Zahl Pflegebedürftiger wird bis 2025 eklatant steigen. Es müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, „um auch künftig genügend Versorgungskapazitäten zu haben“, resümiert Schiwy.

Waren 2013 noch 25 200 Menschen auf Pflegeleistungen angewiesen, werden es nach Berechnungen der Stadt im Jahr 2025 rund 31 400 sein. Das sind 6200 Personen oder rund acht Prozent mehr.

Als Grund für den starken Anstieg macht die Stadt die Tatsache aus, dass die Zahl der Münchner über 80 Jahre stark zunehmen wird. 2013 waren es rund 63 000, im Jahr 2030 werden es 94 000 sein. Und: Viele von ihnen leben allein. Aktuell wohnen 31 000 Über-80-Jährige in einem Ein-Personen-Haushalt. Dazu kommt die steigende Zahl Demenzkranker. Zwar sind nicht alle Personen über 80 pflegebedürftig, aber ab diesem Alter benötigt laut Stadt mehr als jeder Dritte Hilfeleistungen.

Der Marktbericht gibt einen guten Überblick darüber, wie die Pflege derzeit aufgestellt ist – und was sich künftig ändern muss. Die wichtigsten Punkte:

  • Aktuell gibt es in der Landeshauptstadt 7575 Plätze in 57 Pflegeheimen, 500 mehr als 2010. Die städtische Tochter Münchenstift stellt 28 Prozent dieser Plätze, 37 Einrichtungen werden von den freien Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen oder gemeinnützigen Stiftungen getragen (58 Prozent). Die restlichen 14 Prozent stellen privat-gewerbliche Träger zur Verfügung. Die Auslastung der Häuser lag Ende 2015 bei 94,2 Prozent.
  • In 54 der 57 Pflegeeinrichtungen gibt es Kurzzeitpflegeplätze für Personen, die nur bis zu vier Wochen nicht zuhause gepflegt werden können. Zusätzlich gibt es 29 weitere solche Plätze.
  • Die tageweise Betreuung Pflegebedürftiger entlastet Angehörige immens. 13 Tagespflegeeinrichtungen mit 200 Plätzen gibt es momentan in München. Die Nachtpflege, bei der Pflegebedürftige lediglich über Nacht außer Haus unterkommen, existiert in München nicht, das Sozialreferat stuft dies als „problematisch“ ein. Im neuen Pflegeheim am Ackermannbogen soll es zwei solche Plätze geben.
  • 16 Heime bieten zusätzlich rund 2000 Plätze im Betreuten Wohnen an. Wie viele Plätze es insgesamt gibt, erfasst die Stadt nicht, da die Einrichtungen nicht von der Heimaufsicht kontrolliert werden.
  • Bis 2025 will das Sozialreferat 8800 Pflegeheimplätze anbieten, 1225 mehr als heute. Rund 600 Plätze sind bereits in Planung: Am Ackermannbogen baut derzeit der private Träger „Domicil Seniorenresidenzen Hamburg“ ein Haus mit 121 Betten. An der Grillparzer-/Einsteinstraße plant die „Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft“ ein 200-Plätze-Haus. Im neu entstehenden Stadtteil Freiham hat die Stadt eine Fläche für ein Haus mit 130 Plätzen reserviert. Zudem ist für das unterversorgte Milbertshofen ein Grundstück an der Heidemannstraße auf dem Areal der Bayernkaserne gesichert. Das solle eine „erste Entlastung“ bringen. Ein weiteres Heim in Milbertshofen tut dennoch Not.

Insgesamt muss die Stadt bis 2025 weitere 600 Plätze in Feldmoching-Hasenbergl, Berg am Laim, Trudering-Riem, Milbertshofen-Am Hart, sowie Laim und Schwanthalerhöhe schaffen. Diese Bezirke sind 2025 „voraussichtlich stark unterversorgt“. Vier städtische Grundstücke sollen dafür reserviert werden – dies sei „unerlässlich“, so Schiwy. Genaue Standortangaben zu möglichen Flächen gibt es nicht, da diese überall in der Stadt heiß umkämpft sind.

  • Insgesamt 440 Plätze gibt es inzwischen in ambulant betreuten Wohngemeinschaftenund an den 13 Standorten des Gewofag-Projekts „Wohnen im Viertel“.
  • Im Moment bieten in München 260 ambulante Pflegedienste ihre Dienste an. Laut Stadt werden 2025 bis zu 4600 Personen mehr als heute eine ambulante Versorgung benötigen. Das Sozialreferat betont, weiter dem Wunsch der meisten Pflegebedürftigen nach einer Versorgung zuhause nachkommen zu wollen.
  • Für neue Pflegeplätze braucht es neues Personal. Und hier liegt ein großes Problem, denn es herrscht ein gravierender Personal- und Fachkräftemangel in der Pflege. Nach dem Bertelsmann-Pflegereport fehlen im Jahr 2030, sollte sich an den Bedingungen nichts ändern, in München 4240 Vollzeit-Pflegekräfte. Die Möglichkeiten der Stadt, sich für bessere Bedingungen einzusetzen, sind begrenzt. Dennoch betont Schiwy, dass „dringend für eine Verbesserung der Bezahlung der beruflich Pflegenden“ und eine „Verbesserung der Personalausstattung in der Pflege“ plädiert werden müsse.

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