Immer mehr Aufgaben

Zu wenig Personal, veraltete Waffen: Polizei schlägt Alarm!

München - Die Arbeit für die Polizei wird immer mehr. Laut Deutscher Polizeigewerkschaft fehlen 15 bis 20 Prozent Personal. Auch veraltete Dienstwaffen machen den Beamten Sorgen.

Die Arbeit für die Polizei wird immer mehr – darauf hat zuletzt Polizeipräsident Hubertus Andrä hingewiesen (tz berichtete). Zwar liegen die Münchner Ordnungshüter mit 5871 Stellen theoretisch um 311 über dem Soll – da sind aber auch Polizisten in Elternzeit eingerechnet. Laut Deutscher Polizeigewerkschaft fehlen 15 bis 20 Prozent Personal. Auch veraltete Dienstwaffen machen den Beamten Sorgen:

„Operation am geöffneten Herzen“

Münchens Polizei hat immer mehr Arbeit, und die Dienstzeiten werden immer unberechenbarer. Derzeit schleppen die Beamten pro Kopf 88 Überstunden vor sich her – doppelt sie viel, wie es die Kollegen in anderen Polizeipräsidien tun.

Jürgen Ascherl.

„Wir operierenderzeit am geöffneten Herzen“, erklärt Jürgen Ascherl von der Deutschen Polizeigewerkschaft DPolG. Parallel zu den nicht geplanten Großeinsätzen bei der Flüchtlingswelle und den aggressiver werdenden Pegida-Demonstrationen würden immer wieder neue Arbeitsgruppen und Spezialeinsatzkommandos geschaffen. So werde derzeit ein neues SEK für Südbayern gebildet. Außerdem sei eine neue Arbeitsgruppe mit 50 bis 60 Beamten zur Bekämpfung der Internetkriminalität geschaffen worden. „Diese Leute fehlen irgendwo anders.“

Die Folge: „Wir haben auf den Dienststellen in Bayern ein Minus bei ihrer Besetzung von 15 bis 20 Prozent.“ Das treffe auch auf München zu. Laut Bayerischem Innenministerium liegt die Ist-Stärke bei der Münchner Polizei tatsächlich derzeit bei 5871 – das wären sogar 311 Beamte mehr, als der Ist-Zustand. Das erkläre sich etwa durch Babypausen und Elternzeit, die sich Beamtinnen und Beamte nehmen.

Ascherl widerspricht: „Das Personal auf dem Papier ist nicht das Personal auf der Straße.“ Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä will auf die Personalsituation reagieren. „Wir müssen prüfen, ob wir in manchen Bereichen den Personalansatz reduzieren um das Personal verschieben können.“

Doch auch andere Sorgen plagen die Polizeibeamten: So sollen sie 50 Prozent der Beschaffungkosten für ihre neuen Uniformen selber bezahlen. Laut Ascherl war dies „ein Zugeständnis der Gewerkschaften, damit wir überhaupt neue Uniformen bekommen“.

J. Welte

Bayerns Polizisten haben nur acht Schuss

Sie sind die Ersten, die bei einem Terroreinsatz vor Ort sind und die sich schwer bewaffneten Attentätern entgegenstellen müssten: Bayerns Streifenpolizisten. Doch für ein solche Szenarien scheinen die Beamten schlecht gerüstet zu sein. Ihre Dienstwaffe ist die P7, eine mehr als 35 Jahre alte Pistole aus dem Hause Heckler & Koch.

Ein Münchner Polizist schlägt Alarm. „Unsere Dienstwaffe ist überaltert und nicht mehr zeitgemäß“, schreibt er in einem Brief an seinen Dienstherrn, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (59, CSU). In dem Schreiben, das der Polizist als „Hilferuf“ verstanden wissen will, kritisiert er vor allem die mangelnde Magazinkapazität der Polizeiwaffe: „Nur acht Schuss. Terroranschlag Paris – keinerlei Chance, einen längeren Schusswechsel durchzustehen!!“ Zudem leide die Waffe zunehmend an Materialermüdung. Die baden-württembergische Polizei nutzt die P2000, auch von Heckler & Koch, mit bis zu 16 Patronen im Magazin und weniger Gewicht.

Jürgen Ascherl von der Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) unterstützt den Polizisten in seinem Anliegen: „Er spricht der Mehrheit der Kollegen durchaus aus der Seele. Die P7 ist tatsächlich völlig veraltet. Eigentlich gehört sie weg“. Auch die Maschinenpistolen, die in jedem Streifenwagen liegen, seien in ihrer Reichweite jeder Kalaschnikow unterlegen. „Da muss endlich nachgebessert werden.“

Laut Innenministerium wird über Ersatz für die P7 nachgedacht. Kriegswaffen seien für Polizisten im Normaleinsatz nicht vorgesehen. Die Anti-Terror-Einheiten hätten allerdings schwere Waffen.

J. Mell

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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