Erinnerungen von Christian Ude

Zum 90.: Helmut Fischer, der unvergessene Stenz

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Waren gute Freunde: Christian Ude (li.) und „Monaco Franze“ Helmut Fischer.

München - Christian Ude erinnert sich an seinen Freund Helmut Fischer - und erklärt, warum der „Monaco“ nie ein Frauenheld war.

An seine erste Begegnung mit Helmut Fischer kann sich Alt-Oberbürgermeister Christian Ude noch genau erinnern. Für ein Straßenfest an der Münchner Freiheit in den 80er-Jahren, das seine Frau Edith von Welser-Ude als damalige Bezirksausschuss-Vorsitzende von Schwabing organisierte, wurden freiwillige Helfer gesucht. Und eines morgens stand Helmut Fischer vor der Haustür der Udes, um zu volontieren. Das war zu einer Zeit, wo Fischer als Kriminalobermeister Ludwig Lenz als Assistent von Gustl Bayrhammer im Fernsehen zu sehen war. „Ich habe ihn erst auf den dritten Blick erkannt“, erinnert sich Ude. Fischer bot seine Hilfe als Schankkellner an. Und ihm ging es nicht um gute Presse, sondern es war ihm ein Bedürfnis zu helfen.

Einige Tage nach dem Fest stand Fischer erneut vor Udes Tür – um sich zu entschuldigen. „Er sagte, er habe die bayerische Grundregel des Schanknutzens nicht eingehalten und zu gut eingeschenkt“, sagt Ude. Das würde ja den eigentlichen Gewinn einbringen, meinte Fischer schuldbewusst. Bevor Ude widersprechen konnte, gab Fischer ihm 50 Mark und verschwand. „Wir wussten beim besten Willen nicht, wie wir das verbuchen sollten“, erzählt Ude und lacht. Es sollte eine innige Freundschaft werden.

90 Jahre alt würde er dieses Jahr am 15. November werden, der ewige Stenz von der Au. Zu seinen Ehren traf sich Alt-OB Ude mit Gabriele Weishäupl im Münchner Presseclub, um sich gemeinsam an den Mann hinterm „Monaco Franze“ zu erinnern. Denn das war nicht zwangsläufig das Gleiche, Helmut Fischer und der Monaco Franze. „In mancher Hinsicht waren sie sich ähnlich, doch auch wieder grundverschieden“, so Ude.

War er wirklich so ein Frauenheld? 

Die Frage, ob er selbst auch so ein Hallodri in Liebesdingen war, wurde Helmut Fischer zu seinem Leidwesen von Journalisten oft gestellt. Darüber beschwerte er sich auch bei seinem Freund Christian. Alles Idioten, soll er geschimpft haben, denn schließlich sei er verheiratet.

Doch auch Ude fühlte sich ertappt. Erinnerte er sich doch, dass er Helmut Fischer einst, noch vor ihrer Freundschaft, in einem Interview exakt dieselbe Frage gestellt hatte. Ganz unbegründet war die Frage jedoch nicht, denn: „So treu, wie er in allen Presseinterviews gesagt hat, war er auch nicht“, gibt Ude zu. Die Verbindung mit seiner Frau Utta Martin, mit der Fischer 44 Jahre verheiratet war, beschreibt Ude trotzdem als eine besondere. „Sie haben sich geliebt und konnten nicht ohne einander“, erinnert sich der Alt-OB. „Aber sie haben sich auch permanent gehakelt.“

Doch der „Monaco Franze“ als Frauenheld? Da kann der Alt-OB nur lachen. „Das ist Quatsch! Sie haben den Monaco alle nicht mit wachem Geiste angeschaut.“ In den ganzen zehn Folgen waren seine Anbandel-Versuche kein einziges Mal von Erfolg gekrönt, gibt Ude zu bedenken.

Die andere Seite des Monaco Franze

Eine andere Seite Fischers, die für Ude in den meisten Rezensionen unter den Tisch fällt, ist sein politisches Engagement. „Er war unglaublich politisch“, sagt Ude. „Und zeitweise ein viel strammerer Sozialdemokrat als ich.“ Er bewunderte Willy Brandt und Herbert Wehner und wusch bei Zeiten seinen jungen Parteigenossen den Kopf, wenn diese sich wieder mit dem damaligen OB Georg Kronawitter gestritten hatten. „Wie könnt ihr den Kronawitter kritisieren? Das hilft doch nur der CSU“, soll er geschimpft haben. Später unterstützte er Ude im Wahlkampf.

Es gab eine Reihe von Themen, mit denen sich der politische Mensch Fischer auseinandersetzte. Er engagierte sich im Tierschutz, in der Frauenpolitik, war gegen die Altbauspekulationen und ein leidenschaftlicher Atomkraftgegner. „Er bedauerte sehr, dass er aufgrund seines Rückenleidens nicht mit in Wackersdorf demonstrieren konnte“, erinnert sich Ude. Und er hat alles gehasst, was nur im entferntesten mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte. Bei diesen Themen war nichts vom Hallodri, dem Luftikuss „Monaco Franze“ zu spüren. „Da war er ganz anders“, sagt Ude. „Das war ihm grimmig ernst.“

„Das Leben macht sich langsam aus dem Staub“

Am 14. Juni 1997, am Tag des Stadtgründungsfests, erlag Helmut Fischer im Alter von 70 Jahren seinem Krebsleiden. Über den Tod hat er mit seinen Freunden nie gesprochen, genauso wenig wie über seine Krankheit. „Wir haben über alles geredet, nur darüber nicht“, sagt Ude nachdenklich. In seiner Rede anlässlich seines 70. Geburtstags sagte Fischer: „Das Leben macht sich langsam aus dem Staub.“ Wie ernst es seinem Freund damit war, ahnte Ude damals nicht.

Lesen Sie hier außerdem ein großes Interview mit dem „Spatzl“ Ruth Maria Kubitschek. 

Doch auch fast 20 Jahre nach seinem Tod ist Helmut Fischer unvergessen. Vor allem seine Heimatstadt München hält sein Andenken hoch. Ihm zu Ehren wurde der Helmut-Fischer-Platz in Schwabing benannt, es gibt eine Helmut-Fischer-Stadtführung – und vor dem Café Münchner Freiheit sitzt er bis heute als Denkmal. Wie Ude in seiner Trauerrede sagte: „Helmut Fischer war populär in Deutschland, aber geliebt wurde er in München.“

Lesen Sie hier: Kollegen erinnern sich: Monaco Franze - unsere große Liebe

Lisa-Marie Birnbeck

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