Praterinsel

Zurück an der Stelle des Horrors: Hier kämpfte er um sein Leben

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Helmut Zenger am Wehrsteg über die Isar – hier brach er als Bub ins Eis ein. Polizisten der damals neuen Funkstreife retteten ihn.

München - 63 Jahre ist es her, als Helmut Zenger im Indianerkostüm in die Isar einbrach und um sein Leben kämpfte. Jetzt kehrte er an den Ort des Horrors zurück.

Den 15. Februar trägt sich Helmut Zenger (75) immer ganz dick in den Kalender ein. An jenem Tag vor 63 Jahren wurde dem damals Zwölfjährigen ein zweites Leben geschenkt. Im Indianerköstum brach er bei minus 17 Grad in die Isar ein, sank auf den Grund und wurde erst nach über zehn Minuten aus dem Wasser gefischt. Seine Lebensretter: zwei Beamte der damals neuen Funkstreife. Zenger kehrte am Montag an den Ort zurück. Die tz war dabei.

„Eigentlich kann ich mich an nix mehr erinnern“, sagt der Urmünchner und schaut ungläubig über das Geländer am Wehrsteg gegenüber der Lukaskirche. „Ich weiß nur noch, dass ich auf einem Faschingsumzug war. Im Indianerkostüm. Plötzlich bin ich im Krankenhaus aufgewacht.“

Dazwischen lagen mehr als neun Stunden. Neun Stunden, in denen zuerst zwei mutige Polizisten und später viele Ärzte um das Leben des kleinen Helmut kämpften. „Die Funkstreife hat mich gerettet“, weiß Zenger. Die gibt es in München seit 1949, sie war damals der Inbegriff des technischen Fortschritts der Polizei- und Rettungsdienstarbeit.

Der moosgrüne BMW und die Wachtmeister Müller und Hieb bildeten die Funkstreife Isar 1. Ein Kioskbesitzer hatte das Unglück beobachtet und informierte die Leitstelle. Die Streife war zufällig in der Nähe, kam in wenigen Minuten zum Einsatzort. „Meine zwei Spezln wollten mich noch rausziehen, aber da war ich schon gesunken“, weiß Helmut Zenger aus Erzählungen.

Die Beamten rissen sich die Jacken vom Leib, sprangen in die Isar und zogen den Buben nach oben. Noch auf der Fahrt ins Klinikum rechts der Isar versuchte ein Polizist, den jungen Patienten wiederzubeleben.

Die Ärzte übernahmen und hatten den kleinen Helmut ganze neun Stunden später wieder zurück ins Leben geholt. „Die Geschichte ist schon sehr emotional, ich habe sie aber inzwischen gut verarbeitet“, meint der Hauptdarsteller.

Apropos: Von der dramatischen Rettung gibt’s einen Film. Denn: 15 Jahre später produzierte die Polizei einen Lehrfilm für Schulen, stellte die spektakuläre Aktion an der Isar nach. Bei der Suche nach Material für die Polizeichronik, die im ver­gangenen Jahr veröffentlicht wurde, tauchte der 16-Milimeter-Streifen auf.

Johannes Heininger

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