Einigung am Dienstag erzielt

Grünes Licht für zweite S-Bahn-Stammstrecke

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Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bei der Vertragsunterzeichnung am Dienstag.

München - Am Ende ging alles ganz schnell. Lange wurde um die zweite S-Bahn-Stammstrecke quer durch die Münchner Innenstadt gestritten - nicht nur wegen der Finanzierung. Nun geben Stadt, Land, Bund und Bahn grünes Licht.

Gute Nachrichten für alle Pendler im Großraum München: Trotz erheblicher Kostensteigerungen soll die zweite S-Bahn-Stammstrecke in der bayerischen Landeshauptstadt gebaut werden. Der Bund, die Deutsche Bahn, der Freistaat und die bayerische Landeshauptstadt einigten sich am Dienstag bei einem Spitzengespräch in München auf die endgültige Finanzierung. „Das Werk ist getan“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Es sei jetzt höchste Zeit, dass die „Weltstadt mit Herz“ eine neue S-Bahn-Strecke bekomme - neben der in den 1960er Jahren errichteten ersten Stammstrecke.

Die Kosten für das Mammutprojekt sind aber gewaltig: Einschließlich eines Risikopuffers von rund 640 Millionen Euro ergeben sich demnach Gesamtkosten von rund 3,84 Milliarden Euro. Ohne die Risiken, etwa durch Lohnsteigerungen bei den Baufirmen oder teureres Material, liegen die voraussichtlichen Kosten bei knapp 3,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2012 ging der damals von allen Beteiligten beschlossene Kostenplan noch von „nur“ 2,047 Milliarden Euro aus. „Wir haben den Knoten durchgeschlagen, den größten Kostenanteil wird der Bund übernehmen“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

So sollen die Kosten aufgeteilt werden

Rund 1,5 Milliarden Euro werden von der Bundesregierung übernommen, Bayern stemmt 1,4 Milliarden Euro, die Stadt rund 155 Millionen Euro und die Bahn beteiligt sich mit circa 150 Millionen Euro. Alle möglichen Zusatzkosten sollen im Verhältnis 60 zu 40 von Bund und Bayern aufgeteilt werden. „Die zweite Stammstrecke ist eine der größten Modernisierungsmaßnahmen auf dem Verkehrsträger Schiene“, betonte Dobrindt.

Derzeit werden auf der Stammstrecke - dem zentralen Streckenabschnitt aller S-Bahnen durch die Münchner Innenstadt - rund 840 000 Fahrgäste pro Tag befördert; 30 Züge pro Stunde fahren zwischen Pasing im Westen und dem Ostbahnhof, wie Bahnchef Rüdiger Grube sagte. Beim Bau vor den Olympischen Spielen 1972 in München sei die Strecke nur auf rund 250.000 Passagiere ausgelegt worden.

„Wir sehen keinen Anlass für große Bürgerproteste“

Obwohl gegen den Bauplan am Verwaltungsgericht München noch zahlreiche Klagen vorliegen, rechnet Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) mit keinen juristischen Problemen: „Wir sehen ohnehin keinen Anlass für große Bürgerproteste.“ Aber auch im Osten der Stadt, wo das Widerstandspotenzial höher sei, sehe er keine Riesenwiderstände. „Wenn man der Bevölkerung in München und Umgebung begegnet, weiß man, wie wichtig das ist“, sagte Seehofer über das Projekt. Er sprach zugleich von einem „Quantensprung für den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern“ und sagte: „Im Einzugsbereich der Strecke wohnt ein Drittel der bayerischen Bevölkerung.“

Die sogenannte Stammstrecke ist die wichtigste S-Bahn-Verkehrsader in München. Doch die knapp elf Kilometer lange Trasse zwischen Pasing im Westen und dem Ostbahnhof ist seit Jahren chronisch überlastet. Deshalb soll zwischen den Bahnhöfen Laim im Westen und Leuchtenbergring im Osten die rund zehn Kilometer lange zweite Stammstrecke gebaut werden. Kernstück ist ein sieben Kilometer langer Tunnel zwischen dem Haupt- und dem Ostbahnhof.

Das Projekt sei auch wegen des stetigen Zuwachses der Bevölkerung angemessen, erklärte Herrmann. Das grüne Licht für die Stammstrecke bedeute keinen Stopp für andere Projekte in Bayern. Der offizielle Spatenstich solle am 5. April 2017 um 15.00 Uhr beim Marienhof mit einem großen Bürgerfest erfolgen. Die ersten Züge sollen voraussichtlich im Dezember 2026 rollen. „Ich möchte gerne noch an der Einweihung teilnehmen“ sagte Seehofer. Ob er dann noch Ministerpräsident sei, wollte er nicht kommentieren.

dpa

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