Reiter lässt Herrmann abblitzen

Zweite Stammstrecke: Bahn darf nicht im Marienhof graben

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München - Noch im Sommer wollte die Bahn im Marienhof mit Vorarbeiten für den Bau der zweiten S-Bahnstammstrecke beginnen. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat eine entsprechende Bitte von Innenminister Herrmann jedoch abgelehnt. Solange die Finanzierung des Projekts nicht geklärt ist, darf der Marienhof nicht angetastet werden.

Der Brief, den Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am 30. April an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sandte, ist von ausgesuchter Höflichkeit. Er sei „sehr dankbar“ für das „unermüdliche Engagement“ Reiters in Sachen zweite Stammstrecke, lobt Herrmann das Münchner Stadtoberhaupt.

Der allzu freundliche Ton hatte seinen Grund. In dem zweiseitigen Schreiben bat der Minister den OB, bereits diesen Sommer den Marienhof für „bauvorbereitende Maßnahmen“ freizugeben. Nur wenn die Bahn noch heuer mit den Arbeiten beginne, sei die Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke bis zum Jahr 2025 zu schaffen, heißt es in dem Brief weiter. „Seien Sie versichert, dass ich mir der Besonderheit meines Anliegens bewusst bin“, flötet Herrmann am Ende des Schreibens.

Monsterbaustelle: So sah der Marienhof im Juli 2011 aus, als historische Grabungen stattfanden. Ähnliches droht während des Baus der zweiten Stammstrecke.

Die Charmeoffensive des CSU-Manns verfing bei der Stadtverwaltung jedoch nicht. In seinem Antwortschreiben teilte OB Reiter Herrmann am 13. Juni mit, dass er der Bitte nicht entsprechen werde. Die Bahn dürfe erst tätig werden, wenn ein Finanzierungsvertrag für das Milliarden-Projekt vorliege. Noch heuer will der Freistaat sich mit Bund, Bahn und Kommune über die Aufteilung der Kosten einigen. Weil in der Historie der Stammstrecke aber bislang kaum etwas im vorgesehenen Zeitrahmen geklappt hat, will die Stadt das grüne Juwel hinterm Rathaus nicht früher als nötig den Baggern preisgeben. Der Marienhof sei ein zentraler Ort, „der wie kaum ein anderer das Stadtbild repräsentiere“, heißt es von Seiten des Planungsreferats.

Mit den Vorarbeiten will die Deutsche Bahn die Voraussetzungen für den Bau der neuen S-Bahn-Station Marienhof schaffen. Dazu sind umfangreiche Sparten- und Kanalarbeiten erforderlich. Betroffen sind die Schrammer-, Wein-, Maffei-, Theatiner- und Dienerstraße. Auch weitere archäologische Grabungen wie bereits in den Jahren 2011/2012 müssten durchgeführt werden. Die Bahn rechnet damit, dass die Bauarbeiten rund zwei Jahre dauern würden.

Um der Stadt eine Zustimmung schmackhaft zu machen, bot Herrmann Reiter an, den Marienhof auf Kosten des Freistaats wieder in den alten Zustand zu versetzen. Auch für den Fall, dass es zu einem Abbruch der Arbeiten kommen sollte, sprich: Dass das Projekt Stammstrecke doch noch scheitert. Auch davon ließ sich Reiter nicht überzeugen. Ein Eingriff in die „Grün- und Erholungsfläche“ Marienhof sei gegenwärtig nicht vertretbar.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Einer weiteren Bitte Herrmanns, die auf den Hauptbahnhof abzielte, hat die Stadt hingegen entsprochen. So darf die Bahn noch vor der Einigung über die Finanzierung der Stammstrecke mit der Verlegung einer Fernwärmeleitung am Hauptbahnhof beginnen. Dieser sei weniger sensibel als der Marienhof.

Die Auswirkungen auf den Verkehr werden aber erheblich sein, denn die westliche Fahrbahn am Bahnhofsvorplatz muss während der Arbeiten für längere Zeit komplett gesperrt werden. Bereits im Oktober will die Bahn mit den Arbeiten am Hauptbahnhof beginnen. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin des Innenministeriums gestern mit, dass mit den Arbeiten auf dem Marienhof nun 2017 begonnen werden solle. „Wir sehen dadurch den Zeitplan des Projekts nicht gefährdet.“

In der Rathaus-Koalition steht man hinter dem Vorgehen des Oberbürgermeisters. Es sei richtig, abzuwarten, sagte Ingo Mittermaier, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Auch CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sieht keine Notwendigkeit für Hast.

Ulrich Lobinger

Ulrich Lobinger

E-Mail:ulrich.lobinger@merkur.de

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