Kein Ärztefehler

Zwilling stirbt bei Geburt - Mutter scheitert mit Klage

München - In der Frauenklinik stirbt bei einer Zwillingsgeburt ein Baby, laut Gericht haben die Ärzte aber keinen Fehler gemacht

Es ist der größte Schmerz, der einer Mutter widerfahren kann: Bei der Geburt ihrer Zwillinge im August 2010 hat Hülya P. (36, Name geändert) eines ihrer Babys verloren. Die Schuld daran gibt sie der Frauenklinik in der Maistraße und behauptet: „Die Ärzte haben Fehler gemacht.“ Die Türkin verklagte die Ärzte – und verlor vor dem Münchner Landgericht. Gestern verhandelte das Oberlandesgericht die Berufung. „Es ist ein Fall, der viele Fragezeichen setzt“, sagte Richter Thomas Steiner gleich zu Beginn der Verhandlung, deren Streitwert auf 163 000 Euro festgesetzt wurde.

Haben die Ärzte Hülya P. wirklich falsch behandelt? „Die Geburt ist zunächst problemlos verlaufen“, stellte Steiner fest. „Ein Zwilling war völlig gesund. Der andere kam entsetzlicherweise im Grunde schon tot zur Welt“, sagte er. Und weiter: „Die Sachverständigen haben den Fall gründlich aufgeklärt. Wir können keine falsche Behandlung erkennen.“ Laut Gutachten sei es der richtige Weg gewesen, eine natürliche Geburt einzuleiten. „Man kann nicht sagen, dass Ihr Kind nicht gestorben wäre, wenn man einen Kaiserschnitt gemacht hätte.“

Genau das hatte Hülya P. aber mit ihrer Klage angefochten: Sie habe sich angeblich schon mit ihrem Frauenarzt für einen Kaiserschnitt entschieden – auch deshalb, weil sie unter Asthma leidet und Atemaussetzer während der Geburt für sie selbst lebensgefährlich werden können. Aber: Bei der stationären Aufnahme in der Frauenklinik sei ihr kein Dolmetscher zur Verfügung gestellt worden und so sei es zu Verständigungssproblemen gekommen.

Mit tödlichen Folgen? So jedenfalls sieht es die Klägerin. „Es war ein großes Durcheinander. Wenn die Geburt nur eine Minute länger gedauert hätte, hätte vielleicht auch ich schweren Schaden genommen“, sagte sie gestern vor Gericht. „Ich hatte das Gefühl, man hat mich nicht ernst genommen. Erst dann, als Komplikationen aufgetreten sind.“ Das bestreitet der Klinik-Verteidiger entschieden: „Jedes Vorgehen war mit der Patientin abgesprochen.“

Hülya P. musste schließlich damit leben, dass Richter Steiner das Beweisergebnis aus erster Instanz als gültig ansah. Mit ihrer Klage ist sie gescheitert – sie nahm ihre Berufung auf Anraten des Gerichts zurück. Als bei der Mutter heftige Tränen flossen, versuchte der Richter zu trösten: „Es wird immer eine Wunde bleiben. Aber Wunden vernarben.“ Im Leben gibt es für Hülya P. eine neue Perspektive: Sie ist wieder schwanger.

Rubriklistenbild: © dpa

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