Trotz Beweisvideo ungeklärt

Zwillings-Posse vor Gericht: Wer tankte ohne zu bezahlen?

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Die Pongratz-Brüder vor Gericht: Paul (l.) war angeklagt, Peter sollte aussagen.

München - Zwei Brüder sehen sich zum Verwechseln ähnlich und narren damit das Münchner Amtsgericht. Trotz Beweisvideo gab es einen Freispruch.

Diese Brüder halten zusammen wie Pech und Schwefel. Und sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich. So haben es Paul und Peter Pongratz (50) am Donnerstag geschafft, vor dem Amtsgericht einen Freispruch zu erwirken.

Wegen Betrugs hatte die Staatsanwaltschaft den Hackerhaus-Wirt angeklagt. Mit einem Mietwagen soll er am 22. Juni in der Josephspitalstraße getankt, aber nicht gezahlt haben. Insgesamt 22,5 Liter zum Preis von 33,80 Euro. Laut Anklage fuhr er aber einfach weg. „Das stimmt nicht“, behauptet Paul Pongratz. Gegen einen Strafbefehl über 1800 Euro legte er Widerspruch ein. Deshalb musste er am Donnerstag vor Gericht.

Dort setzte sich der Wirt lächelnd auf die Anklagebank – mit schwarzem Anzug und offenem, blonden Haar. Was dann folgte, bietet Stoff für eine irrwitzige Komödie! „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe“, ließ Pongratz über seinen Verteidiger Sewarion Kirkitadse erklären. „Gegebenenfalls könnte sein Zwillingsbruder die Tat aber begangen haben.“

Also Peter, der mit Pferdeschwanz und Brille unter den Zuschauern saß. Ihn rief Richterin Gertrud Schröder direkt in den Zeugenstand, allerdings ohne Ergebnis. „Ich verweigere die Aussage“, sagt Peter Pongratz. Denn Familienmitglieder muss man nicht belasten – selbst, wenn man sie bei der Tat beobachtet hätte.

Tankwart ist sich unsicher

Verwirrung im Gerichtssaal. Denn auch Tankwart Seyhun Burak (24) konnte sich nicht erinnern, wer nun getankt haben soll – und weitere Zeugen gab es nicht. So blieb der Richterin nur noch ein Beweismittel: Sie ließ das Überwachungsvideo der Tankstelle im Gerichtssaal vorführen. Aber das geriet zur Prozess-Posse!

Denn im Bild sieht man, wie ein schwarzer Opel vorfährt. „Ein Mann mit Brille, Bart und Pferdeschwanz steigt aus“, stellte die Vorsitzende fest. Er tankt 47 Sekunden lang, steigt wieder ein. Und fährt dann einfach weiter! „Wer es genau ist, kann man aber schlecht erkennen.“ Dafür ist die Auflösung zu schwach! Vielleicht Paul Pongratz, der Hackerhaus-Wirt? „Sie tragen die Haare ja heute offen“, so die Richterin. Dessen Antwort: „Ja, wie immer, wenn sie frisch gewaschen sind.“

Und Bruder Peter? „Ich binde mir die Haare nur zusammen, wenn sie nicht gewaschen sind“, sagte er. Schmunzeln im Saal: Denn vorne am Kopf hat er schon eine Halbglatze, hinten trägt er die Haare aber lang – wie sein Zwillingsbruder Paul. „Ihr Zopf ist eher klein und dürftig“, so die Richterin zu Peter Pongratz. „Und nicht so buschig wie im Video.“

Also wie bei Paul! Es hilft nichts: Der Täter ist nicht klar erkennbar. „Im Zweifel für den Angeklagten“, entschied Richterin Schröder. Und sprach Paul Pongratz frei. Der verließ das Gericht als freier Mann. Arm in Arm mit Bruder Peter. Gemeinsam zu Fuß. 

Andreas Thieme

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