Lesung aus Panikherz

Da steigt der Rauch auf: Stuckrad-Barre in der Muffathalle

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Benjamin von Stuckrad-Barre.

München - Benjamin von Stuckrad-Barre liest in der Muffathalle aus seinem Bestseller Panikherz. Überraschungsgast Veronica Ferres bekommt ihr Fett weg.

Die erste Zigarette hat Benjamin von Stuckrad-Barre trotz aufgeregtem Geplapper in zwei Minuten runtergezogen. „Erst mal rauchen, beruhigen und ankommen, wie wir in der Therapie sagen.“ Er drückt die Zigarette aus. Zwinkert. Lächelt. Und steckt die nächste an. Jetzt hat der 41-Jährige in der vollen Muffathalle aus seinem Best­seller Panikherz gelesen. Schon mit seinem Erstling Soloalbum inszenierte er sich als Popstar, stürzte ab wie ein solcher und hat mit Panikherz ein großartiges Buch darüber geschrieben. 

Ein fulminantes Comeback. Als Einlaufmusik mischen sich Musik aus Hitchcocks Psycho, Lindenbergs Honky Tonky Show und Nirvana. Die Verbeugung zu tief, die Stimme zu laut, die Bewegungen zu hektisch: Stuckrad-Barre soll auf Drogen ruhiger sein als nüchtern. Hier muss er nüchtern gewesen sein. Als Bewährungshelfer hat er Johannes B. Kerner angekündigt. Kerner liest mit ihm: von „Spießerhäusern mit ernst gemeinten Zäunen“ und der Kindheit als jüngstes Pastorenkind und Udo-Lindenberg-Fan. Während Stuckrad-Barre seine Gedanken ins Mikro erbricht, bringt Kerner Ruhe in den Abend – und Seriösität. 

Überraschungsgast Veronica Ferres

Schräg wird’s, als Überraschungsgast Veronica Ferres winkend die Bühne betritt. Da trifft grelle Popkultur auf bedeutungsschwangeres Superweib. Zu dritt werden performative Widersprüche gelesen, was dann so klingt in Barres Buch: Wer eine Gesprächswendung einleitet mit „Nee, ernsthaft“ oder „Jetzt mal ohne Witz“, nachdem es vorher aber überhaupt nicht lustig gewesen war, muss mal ganz dringend in den Arm genommen werden, aber das wird wieder nichts. 

Nur schüttet Ferres all das Schöne und Bizarre in den Texten mit dem zu, was sie als Schauspielkunst empfindet. Die Ferres versucht, Stuckrad-Barre zu spielen. Aua. Einzige Lacher: Wie sie die NY Ramones ausspricht – sehr deutsch. 

Weil Stuckrad-Barre mit Dietl das Drehbuch für Zettl verfasst hat, liest er all die Passagen vor, in denen er über seinen Freund geschrieben hat. Er kann Dietl wunderbar (mit der Betonung auf der ersten Silbe) nachahmen. Als es zwischen Ferres und Stuckrad-Barre zum Streit darüber kommt, wie der Helmut „Los Angeles“ gesagt hat, hilft Ziehsohn David Dietl aus dem Publikum aus und erklärt: Stuckrad-Barre hat es richtig ausgesprochen. 

Ferres darf fortan nicht mehr Los Angeles sagen. „Ich habe eine solche Helmut-Sehnsucht“, liest der Autor. Da krampft und sehnt das Herz mit, weil Stuckrad-Barre seinen Freund so liebevoll zeichnet. Die gute Nachricht nach der Pause: Die Ferres ist weg. Die schlechte: Der Held ist mittlerweile drogenabhängig. Weil aber Stuckiman allein liest, ist’s ein heiterer, lauter Absturz. 

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