„Das Haus war so ganz das meine“

Thomas Manns Villa wird verkauft

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Das Maklerschild vor dem Thomas-Mann-Haus.

Pacific Palisades - Thomas Manns Villa in Kalifornien wird für 18 Millionen Dollar verkauft – Eine Gedenkstätte ist unwahrscheinlich.

Das legendäre Haus, in dem Thomas Mann von 1942 bis 1952 im kalifornischen Exil gelebt hat, steht zum Verkauf. Vor dem Grundstück mit der feinen Adresse 1550 San Remo Drive, Pacific Palisades, ist das Schild des mit dem Verkauf beauftragten Maklers zu sehen. Auf dessen Website unter www.joyceRey.com ist das Gebäude gut zu besichtigen. Aber der geforderte Verkaufspreis von 17.995.000 US-Dollar kann sich sehen lassen. Er ist der fantastischen Lage hoch über dem Pazifischen Ozean geschuldet und der Grundstücksgröße von über 4000 Quadratmetern.

Thomas Mann hat dieses Grundstück und das Haus, das er sich mitten im Krieg von einem Berliner Architekten bauen lassen konnte, sehr geliebt. Er hat sich dort wohler gefühlt als irgendwo sonst. Und 1953 wieder in Europa in Kilchberg am Zürichsee notierte er beim Betrachten alter Fotos traurig: „Das Haus war so ganz das meine.“

Das Anwesen von Thomas Mann am 1550 San Remo Drive, Pacific Palisades, hoch über dem Meer, steht zum Verkauf. Eine Art von Denkmalschutz existiert für dieses berühmte Exil-Domizil des großen deutschen Autors nicht.

Gut möglich dass dort, wo „Josef der Ernährer“ und vor allem der deutsche Schicksalsroman „Doktor Faustus“ entstanden sind, bald die Abrissbirne regiert. Der Makler weist darauf hin, dass dieses Haus über 60 Jahre lang im Besitz der Familie Lappen war, die es den Manns bei ihrer Rückkehr nach Europa einst abgekauft hatte. Sie hat es bis heute in Ehren gehalten, und es gibt sogar eine Gedenkplakette mit Text in Deutsch und Englisch neben dem Klingelknopf.

Es gibt aber keinerlei Denkmalschutz für das Gebäude in sehr exklusiver Lage. Der Taxifahrer schwärmt von der „Gegend für Reiche“ , in der es das ganze Jahr über grün ist, trotz Wasserknappheit. In der Nachbarschaft zwei Grundstücke weiter wird gerade eine riesige Villa ganz neu gebaut.

Im Garten mit Palmen und tropischen Blumen hat Thomas Mann einstmals seine gesamten Tagebücher aus der Zeit vom Dezember 1921 bis zum März 1933 verbrannt. Während des Krieges lebten die Größten der deutschen Emigration im Westen von Los Angeles. Bertolt Brecht, Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Lion Feuchtwanger und eben Thomas Mann. Sie bildeten sozusagen den inneren Kreis der deutschsprachigen Exilanten mit Thomas Mann als deren Doyen. „Weimar on the Beach“ wurde die Gegend genannt.

Mit Goethes Häusern in Weimar und Frankfurt haben wir Deutschen Glück gehabt. Von den Häusern Thomas Manns dagegen ist keines Gedenkstätte geworden. Die Villa an der Poschingerstraße 1 in München, in der der Dichter am längsten gewohnt hat, ist im Stil ähnlich wieder aufgebaut doch nur eine „normale“ Millionärsvilla in Bogenhausen. Das sogenannte Buddenbrook-Haus in Lübeck ist nicht das wirkliche Geburtshaus von Thomas Mann. Und in Kilchberg am Zürichsee hat er nur ganz kurze Zeit im hohen Alter gelebt.

Unwahrscheinlich, dass nun das ferne Haus am Pazifik eine Gedenkstätte werden könnte. Thomas-Mann- Freunde- und Verehrer, die über die entsprechenden Millionen verfügen, wären gefragt. Der Kaufpreis ist ja vielleicht noch ein wenig verhandelbar! Dieses Haus des Dichters gehört eigentlich uns allen.

Dirk Ippen

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