BAP-Frontmann im tz-Interview

Niedecken: Darum ist BAP so verdammt lang gut

+
Bildender Künstler, Poet und vor allem Musiker: Vor 40 Jahren hat Wolfgang Niedecken (65) BAP gegründet.

München - Vor dem Tollwood-Auftritt spricht Bap-Frontmann Wolfgang Niedecken in der tz über die Anfänge der Band, das neue Album Lebenslänglich und warum er den FC Bayern mag.

Kölsche Musik? Das ist zuallererst BAP. Frontmann und Gründer Wolfgang Niedecken (65) wollte eigentlich bildender Künstler werden, hatte schon Ausstellungen, auch bei uns im Lenbachhaus. Doch schließlich machte die Musik das Rennen. Heuer wird BAP 40. Verdamp lang her ist ihr größter Hit, und verdammt lang gut sind sie bis heute. Nachzuprüfen auf Tollwood. In der tz spricht der Künstler über die BAP-Anfänge, das neue Album Lebenslänglich und warum er den FC Bayern mag.

Herr Niedecken, wie war das vor 40 Jahren?

Wolfgang Niedecken: Ohne jegliche Karriere­planung. Wir waren eine reine Amateurband verschiedenster Musiker, ganz locker. Wir haben uns verabredet und gesagt: Komm, wir proben einen Kasten Bier leer, aber wir wollten nicht auftreten oder so.

Was für Musik wurde denn gespielt?

Niedecken: Wir haben gecovert. Hauptsächlich Stones und Dylan. Es waren auch immer andere Musiker dabei. Da konnte jeder jeden mitbringen. Es waren fast schon Probenpartys. Wenn wir da von einem Kasten Bier zwei Flaschen abbekommen haben, war das schon gut. Die Bude war immer voll, und wir haben eine Menge Spaß gehabt.

Dabei ist es ja aber nicht geblieben …

Niedecken: Ich bin irgendwann mit dem ersten Song auf Kölsch angekommen, und alle meinten: „Mensch, davon musst du mehr machen, das ist der Hammer. Das war 1976.“

Wann dämmerte es Ihnen, dass es mehr als ein Hobby sein könnte?

Niedecken: Das erste Album haben wir noch nicht richtig für voll genommen, auch wenn es im Kölner Stadtgebiet ein Achtungserfolg wurde. Beim zweiten Album, 1980, wurde uns dann klar, dass wir die Geschichte doch ein wenig professioneller angehen müssen. Das dritte Album, wo auch Verdamp lang her drauf war, schlug dann ein. Dass das Ganze aber vier Jahrzehnte dauern würde, habe ich nicht gedacht (lacht).

Dass Kölsche Musik so erfolgreich wird, haben sie nicht erwartet?

Niedecken: Niemals. Unser erstes Auswärtsspiel hatten wir in Wuppertal. Das war für uns ganz groß. Wenn ich mir heute anschaue, wo Wuppertal liegt, lache ich mich kaputt.

Das nächste anstehende Auswärtsspiel ist Münchens Tollwood …

Niedecken: Ein wunderschönes Festival. Wir versuchen unsere Tour auch immer so zu planen, dass wir dort vorbeischauen können.

Was macht’s so besonders?

Niedecken: Es ist ein Festival im wahrsten Sinne des Wortes. Die ganzen Stände, die verschiedenen Zelte, wo die unterschiedlichsten Arten von Musik gespielt werden … Ich hoffe, dass wir wieder schönes Wetter haben, sodass ich Tollwood beim Gastspiel und als Gast genießen kann.

Apropos: Ein Wort als FC-Köln-Fan zum FC Bayern?

Niedecken:  Ich mag den Fußballverein bei euch einfach sehr gerne. Da meine Frau aus Bayern ist, habe ich schließlich das Recht, auch mal mit dem FC Bayern mitzufiebern (lacht). Außerdem ist das ja auch ein ästhetisches Vergnügen. Dennoch: Mein Herz wird immer beim 1. FC Köln bleiben.

Das aktuelle Album heißt „Lebenslänglich“. Wie kam’s zum Titel?

Niedecken: Im letzten Song des Albums gibt es eine Zeile, die mir sehr wichtig ist: „Lebenslänglich sucht man Zuversicht.“ Darum geht es doch uns allen. Gerade in dieser schwierigen Phase, in der wir leben, kann das durchaus ein Motto sein.

Auf dem neuen Album ist auch ein Song mit dem Titel „Vision von Europa“.

Niedecken: Die Idee hatte ich schon vor acht Jahren. Damals bin ich von Marokko mit dem Auto zurück nach Europa gefahren. Als ich an der Küste unterwegs war, konnte ich das europäische Festland sehen und all die Schwarzafrikaner, die versuchten, nach Europa zu kommen, um ihr Glück zu machen.

Mit wem fühlen Sie sich denn lebenslänglich verbunden?

Niedecken: Mit meiner Familie, meinem Zentrum. Alles andere geht in konzentrischen Kreisen nach außen weiter.

Interview: Dominik Laska

BAP sind am 17. Juli beim Tollwood zu Gast (18.30 Uhr). Karten unter www.muenchenticket.de und Tel. 54 81 81 81.

auch interessant

Kommentare