Sängerin in München

Tollwood-Kritik: Sarah Connor kann mehr als nur Mama sein

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Sarah Connor live auf dem Tollwood.

München - Sarah Connor war schon länger nicht mehr in München. Auf dem Tollwood lieferte die (noch) dreifache Mutter eine gute Show ab. Ihr Konzert in der Kritik.

In München war sie schon länger nicht mehr, plaudert Sarah Connor und erinnert charmant an ihren einstigen Hymnen-Fauxpas („Brüh im Lichte dieses Glückes …“) in der Allianz-Arena im Jahre 2005. Das volle Tollwood-Zelt dampft und lacht und trägt überhaupt die 36-jährige Dame aus Delmenhorst, deren Minirock aufs Drastischste zeigt, dass ihre Beine fast bis zum Goldkehlchen emporragen, auf Händen. Zurecht.

Denn die (noch) dreifache Mutti, die grad erst in Regensburg vom vierten Streich im Mutterbauch sprach, ist ein nahbarer Star. Sozusagen eine Volksdiva. Dazu passt, dass das ewige Umziehen ihre Sache nicht ist, sagt Sarah. Braucht sie auch nicht. Erstens tragen Röckchen und Co. eine Show lang, ohne Langeweile aufkommen zu lassen, und außerdem ist ohnehin The Voice Trumpf: Ihre Stimme ist über jeden Zweifel erhaben. Sie betört, indem sie röhrt oder wispert oder hauchzart ins Falsett fällt und ohnehin über mehrere Oktaven sattelfest sangbare Melodein kredenzt.

Dazu bietet Sarah generös gewitzt den ersten Reihen einen Bühnen-Ventilator an, stöhnt über die Schwitze-Hitze - aber lässt sich nicht davon abhalten, rund zwei Stunden Gas zu geben und im Zugabeblock ausgiebig ihre Band mit kurzen Soli vorzustellen. Überhaupt: Die rund ein halbes Dutzend Top-Profis und drei Background-Sängerinnen gehen mit, zeigen Klasse und legen weit mehr als nur einen mal einen mal samtweichen, mal groovenden Klangteppich aus.

Sarah hat ihre Songs verinnerlicht

Im Zentrum der Tournee: die Songs ihres jüngsten Albums Muttersprache, und die haben den Vorteil, dass - nicht zuletzt Peter Plate (Rosenstolz) sei Dank - das Deutsche sehr geschmeidig ins Mehr-Pop-als-Soul-Gewand gehüllt ist. Das fließt elegant und weitgehend ohne metrische Verrenkungen dahin, und wenn man von den ein oder anderen Kitschanfällen absieht, auch ziemlich ambitioniert. Sarah zeigt in jedem Takt, dass sie die Songs verinnerlicht hat.

Unser ganz persönlicher Höhepunkt ist allerdings einer der englischsprachigen älteren Hits: In From Sarah with Love kredenzt die nicht nur stimmlich blendende Blondine eine packende Steigerung vom behutsamen Bossa nova mit Akustischer bis zum volltönenden Balladen-Schmachtfetzen.

Fazit: abwechslungsreicher Auftritt, satter Sound, rasante Röhre. Kind vier ist für Januar angekündigt. Der Stimme tut Nachwuchs bekanntlich ja nur gut. Bei Sarah kaum vorzustellen, dass sie noch runder und voller wird. Die Stimme.

Matthias Bieber

Matthias Bieber

E-Mail:Matthias.Bieber@tz.de

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