Die Bärtigen geben sich die Ehre

ZZ Top auf dem Tollwood: Ein seltsames Konzert

+
ZZ Top, hier bei ihrem Auftritt in Montreux diese Woche.

München - ZZ Top oder ZZ Flop? Ein bisschen was von beidem … Die Texas-Rocker legten auf Tollwood wieder mal ein seltsames Konzert hin - aber immerhin ein längeres als vergangenes Mal.

Die erste Stunde reichlich zäh, die 30 Schlussminuten dann großartig. Was von vorn bis hinten gleichblieb: die musikalische Klasse. Billy Gibbons (66), Dusty Hill (67) und Frank Beard (67) laufen wie eine Dampflok - starten ein Riff und rollen dann durch.

So eine Dampflok braucht Zeit, bis sie auf Touren kommt. Viel Zeit. Viel, viel Zeit. So ist das am Anfang mit Have Mercy, so ist das mit Got Me Under Pressure, und so ist das auch mit My Head's in Mississippi.

Auf den ersten überspringenden Funken muss man im ausverkauften Zelt bis Gimme All Your Lovin warten. Aber auch erst mal nur ein Strohfeuer, denn: Wenig später kommt Rough Boy, und jetzt hat man ganz deutlich das Gefühl: Hier haben nicht nur die Musiker Bärte, sondern leider auch ihre Musik. Das könnte so eine schöne Ballade sein. Und ist diesmal bloß gefühllos-lahm.

Die Herren können zum Glück doch noch anders! Knallen ein trockenes Foxy Lady (Hendrix) hin, dass kein Bein still bleiben kann. Lassen die erste echte Gefühlswelle durch die Menge wogen mit dem Sharp Dressed Man. Räumen ab mit einem scharfkantig gespielten Legs. Und ernten mit drei Zugaben schließlich den Lohn der Rock-Arbeit: La Grange, Tushund Elvis’ (!) Jailhouse Rock sind einfach nur cool.

Die viel gepriesene Vorgruppe, die Ben Miller Band, war ebenso gelassen wie ZZ Top aufgetreten. Rock, Blues, Country - und dazu Sängerin Rachel Ammons, die mit ihrer kontrolliert-frechen Stimme an Stevie Nicks erinnert. Auch diese Herrschaften hatten ein bemerkenswertes Cover im Programm: Ram Jams Black Betty, mit Mundharmonika und Telefonhörer-Mikrofon. Muss man mögen - wie so manches an diesem Abend. 

Uli Heichele

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare