"Die Toten von der Falkneralm"

tz-Interview: Neu-Autor Miroslav Nemec über sein ersten Roman

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Erzählt gern ­Geschichten: ­Miroslav ­Nemec (62).

München - Zwei Jahre hat es gedauert – von der Idee bis zum fertigen Buch. Jetzt liegt sein Roman druckfrisch bei den Buchhändlern, und Schauspieler Miroslav Nemec ist stolz auf sein Krimi-Debüt, wie er im Interview verrät.

Ausnahmsweise muss der Münchner Tatort-Kommissar den Toten mal nicht hinterherhecheln, sondern platziert sie als Autor dort, wo er sie gerne haben mag. In einem Berghotel, durch einen Sturm abgeschnitten von der Außenwelt, erlebt der echte Miro Nemec ein „mörderisches Wochenende“, bei dem er zum Ermittler wider Willen wird. Die tz sprach mit Nemec über seinen Erstling.

Herr Nemec, ab Montag liegt Ihr erster Kriminalroman in den Buchläden. Was ist das für ein Gefühl?

Miroslav Nemec: Ein bisschen kenne ich das ja schon, weil ich ja bereits meine Biografie Miroslav Jugoslav geschrieben habe. Aber ein Roman ist schon noch eine größere Nummer, und dass ich im September das Münchner Krimi­festival im Circus Krone eröffnen darf, finde ich natürlich aufregend.

Sie sind Schauspieler und Musiker – wie kamen Sie auf die Idee, einen Krimi zu schreiben?

Nemec: Ich kenne den Verleger des Knaus-Verlags schon lange. Und bei ­einem unserer Treffen, bei denen wir lange ­Spaziergänge durch die Berge ­unternommen haben, entstand die Idee einer erweiterten Biografie, die dann über Umwege zur Krimidee führte. Ich fand das Konzept reizvoll, weil ich selbst der Erzähler bin, und weil ich mit der Bekanntheit spielen konnte, die mir täglich begegnet, wenn mich die Leute auf der Straße als Batic oder Herr Kommissar anreden. Deswegen gibt es ja auch schon ein Soloprogramm von mir mit dem Titel Der Nemec hinter dem Batic.

In „Die Toten von der Falkneralm“ wird also der echte Miro Nemec mit einem Verbrechen konfrontiert. Der Fall ist Fiktion, aber Ihre Gefühle, Gedanken und erzählten Erlebnisse stimmen, oder?

Nemec: Nicht alle. Es gibt erfundene Geschichten, übertriebene Geschichten und viele Dinge, die tatsächlich stimmen. Hauptsächlich die Sachen, die mit meiner Familie oder mir persönlich zu tun haben. Nach dem Schreiben bekam ich schon Manschetten, weil wenn man’s schreibt, ist es anders, als wenn man es dann später laut liest. Da wirken die ­Erzählungen manchmal schon recht ­privat. Deshalb habe ich auch manches wieder rausgenommen.

Was denn zum Beispiel?

Nemec: Na ja, Menschen, die mit mir das erste Mal unterwegs sind, sind oft erstaunt, wenn sie merken, wie oft ich auf der Straße angesprochen werde. Wenn man aber diese Erlebnisse im Buch schildert, dann kommt das wahnsinnig eitel rüber, obwohl es tatsächlich passiert. Und das wollte ich nicht.

„Die Toten von der Falkneralm“ ist ein Kammerspiel. Ein starker Sturm schließt Sie und die übrigen Gäste während einer geplanten Lesung in einem Berghotel ein. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?

Nemec: Ähnliche Situationen. Ich war schon in Sturmnächten auf einem Segelboot. Das hatte auch eine klaustrophobische Komponente. Oder einmal saß ich in einem Flugzeug, das nicht starten konnte, weil das daneben gekapert worden war. Aber die Grundidee ist natürlich an Agatha Christie angelehnt, von der ich ein großer Fan bin. Ähnlich wie bei Mord im Orient-Express ging es mir darum, eine Situation herzustellen, in der die sich alles auf einen Ort konzentriert, der eine gewisse Zeit vom Rest der Welt abgeschnitten sein kann.

Beim „Tatort“ gibt es viele Verantwortliche für den fertigen Film – der Roman ist allein ihr Werk. Wer das Buch kritisiert, kritisiert Sie persönlich. Fürchten Sie sich davor?

Nemec: Nein, ich fürchte mich nicht. Ich muss einfach auf die Reaktionen warten. Außerdem muss ich ­widersprechen: Ich bin zwar beim Tatort nicht zuständig fürs Buch, für den Schnitt oder die Regie, aber wenn der Tatort jemandem nicht gefällt, dann sagt er zu Udo und mir: „Ihr habt’s uns nicht gefallen“. Da übernehme ich doch gerne die Verantwortung für etwas, das meins ist.

Haben Sie das Buch in den Dreh­pausen geschrieben?

Nemec: In den Drehpausen ist dafür keine Zeit. Es gab aber ein paar kleine Auszeiten in Kroatien. Und im Grunde kommen die Einfälle in allen Lebens­lagen. Ich habe ein Aufnahmegerät, das ich intensiv genutzt habe, weil ich gerne spreche. Manches habe ich auch notiert. So entstand eine Stoffsammlung. Und ich hatte jemanden an meiner Seite, der das abgeschrieben und in Form gebracht hat. Denn mein Geschäft ist es, Geschichten zu erzählen – das kann ich, und das interessiert mich.

Wie muss man sich den schreibenden Miro Nemec vorstellen?

Nemec: Meistens habe ich drehfreie Vormittage genutzt, an denen meine Tochter im Kindergarten war. Da hatte ich dann die Ruhe, mich an den Text zu setzen. Oder ich kam am späten Abend und in den Nächten zum Schreiben. Als Musiker kenne ich das vom Komponieren – man merkt schnell, ob die Kreativität fließt oder ob nichts geht.

Haben Sie denn Ihren Kriminalroman schon Ihrem Freund und Kollegen Udo Wachtveitl zum Lesen gegeben?

Nemec: Nein, außer meiner Frau und dem Verlag hat es noch niemand ­gelesen.

Der vollständige Titel lautet „Die ­Toten von der Falkneralm – mein erster Fall“. Heißt das, dass ein zweiter folgen wird?

Nemec: (lacht) Das kann man so verstehen, dass es weitergeht – also im kommerziellen Sinne. Man kann es aber auch als das verstehen, was es ist: Mein erster Fall. Also der Kommissar Batic, der ich nicht bin, hat im „Tatort“ schon viele Fälle gelöst. Aber für mich, Miroslav ­Nemec, ist es der erste. 

Im leichten Plauderstil …

Eine Krimilesung in einem schicken Berghotel. Klingt eigentlich ganz nett, denkt sich Schauspieler Miroslav Nemec, küsst Frau und Kind und macht sich auf den Weg Richtung Berchtesgaden. Doch die Alpenidylle trügt. Die Falkneralm, die Nemec noch vor dem großen Sturm per Seilbahn erreicht, entpuppt sich in der Unwetternacht als Schauplatz mehrerer Verbrechen. Gleich drei Gäste segnen das Zeitliche und Nemec, dank zahlreicher Tatort-Einsätze mit einem soliden kriminalistischen Halbwissen ausgestattet, wird zum ­Ermittler ­wider Willen.

Wer hinter dem Romandebüt des Münchner Schauspielers einen nervenzerfetzenden Krimi erwartet, wird enttäuscht. Im Plauderstil entwickelt Miroslav Nemec die Geschichte um Die Toten von der Falkner­alm, um die man als Leser nicht so recht trauern kann, weil dem TV-Kommissar am Tatort meist recht unpassende Witze einfallen. Der Knaus-Verlag, bei dem das Buch erschienen ist (256 Seiten, 19,99 Euro) nennt das cozy crime, frei übersetzt: ein gemütliches Verbrechen. Und so plätschert die Story gemütlich dahin. Fans des Münchner Tatort-Ermittlers werden dennoch ihre helle Freude haben. Denn Nemec gewährt Einblicke in sein Seelenleben und erzählt vor allem die Geschichte eines Mannes, der seiner ­Rolle als Kommissar nicht entkommen kann.

Astrid Kistner

Astrid Kistner

E-Mail:Astrid.Kistner@tz.de

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