So stimmt sich die Stadtspitze ein

OB Reiter: Geheimtraining fürs erste Anzapfen

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2013 zapfte Reiter beim tz-Test an – mit zwei Schlägen!

München - "O'zapft is'!" So wird es in knapp zwei Wochen wieder heißen. Damit auch ja nichts schief geht bei seinem ersten Mal, macht der neue OB Dieter Reiter Geheimtraining.

Es wird ein historischer Moment: Nach zwei Jahrzehnten greift ein neuer politischer Schankkellner zum Schlegel – OB Dieter Reiter übernimmt nach Alt-OB Christian Ude das Anzapfen auf dem Oktoberfest. Tausende Kehlen werden im Schottenhamel wieder nach Kühlung schreien und die halbe Welt sitzt vor dem Fernseher und zählt die Schläge. Da kann und darf sich das Stadtoberhaupt nicht blamieren: Darum gibt’s heuer für Reiter ein geheimes Anzapf-Training!

Die Übung war schon für diese Woche geplant, muss aber wohl wegen Terminproblemen verschoben werden. Schankkellner-Legende Helmut Huber soll am Nockherberg dabei sein. Aber außer dem Großmeister der Zapfkunst darf keiner zusehen, wenn Reiter den Schlegel schwingt! Auf Nachfrage der tz macht der OB kein Geheimnis aus dem Termin. Über den Ausschluss der Öffentlichkeit scherzt Reiter: „Es muss ja ein bissl Spannung bleiben, ob ich fünf oder sieben Schläge brauche …“ Nervös?

Ude hatte aus seinen Übungseinheiten kein Geheimnis gemacht. Wobei er den Begriff „üben“ stets weit von sich gewiesen hat. „Ich wollte denen nur zeigen, dass ich es noch kann …“, pflegte er augenzwinkernd zu formulieren. Erst ein leeres Fass, dann ein mit Wasser gefülltes, zuletzt galt es den Wechsel (für die Preißn: Zapfhahn) in den Hirschen (200-Liter-Fass) zu treiben. Drei Schläge brauchte er 2013 beim Training, zwei beim Wiesn-Anstich.

Da liegt die Messlatte hoch (auch wenn Ude bei seinem ersten Mal 1993 noch sieben Hiebe benötigte), zumal Reiter selbst vor einem Jahr beim Anzapf-Test der tz auch nur zwei Schläge brauchte. Und: Heuer zapft Schankkellner Ude am Tag vor dem Wiesn-Anstich beim so genannten Kölner Oktoberfest an – und könnte seinem Nachfolger zeigen, wo der Schlegel hängt …

Reservierungen billiger!

Die Wiesn hat noch nicht begonnen, da zeigt der neue Chef Josef Schmid (CSU) schon, wer das Sagen hat: „Der Mindestumsatz für eine Reservierung sollte grundsätzlich pro Person nicht mehr als der Gegenwert von zwei Mass Bier und einem Hendl sein“, sagte Schmid dem Münchner Merkur und kündigte an: „Wir wollen die Obergrenze von 35 Euro Mindestumsatz schon für 2015 einführen.“ Das beträfe vor allem die drei schicken Zelte: Käfers Wiesn-Schänke verlangt abends 80 Euro, der Marstall 60 Euro und das Weinzelt 85 Euro. Drei weitere Zelte liegen ein paar Euro drüber. Wirte-Sprecher Toni Roiderer äußerte zwar „volles Verständnis“ für Schmids Vorstoß. Aber auf den besseren Plätzen in den Boxen und auf den Galerien müssten weiterhin höhere Mindestumsätze möglich sein. Mehr Informationen hier.

Ude zapft doch noch an

Wenn der neue OB Dieter Reiter am ersten Wiesntag im Schottenhamelzelt den Schlegel hebt, dann macht sich auf der Oidn Wiesn auch sein Vorgänger Christian Ude bereit. Zugegeben, es ist nicht der echte, der heuer im Herzkasperlzelt anzapft – sondern sein Nockherberg-Double Uli Bauer (57). Dessen Auftritt sei lange geplant gewesen, erzählt der Wirt Beppi Bachmaier der tz. „Wir haben uns das vor Jahren überlegt. Aber wir wussten, dass wir das erst machen können, wenn der echte Ude nicht mehr drüben anzapft …“ Auch dieser kleine Anstich wird politisch: Denn erst heizt Helmut Schleich alias Franz Josef Strauß ein, dann übernimmt Uli Bauer mit einer Kabarett- und Musikeinlage.

David Costanzo

David Costanzo

David Costanzo

E-Mail:David.Costanzo@tz.de

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