Der Wirte-Zoff scheint beigelegt

Friedliche Wiesn? Roiderer reicht Able die Hand

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Wirtesprecher Toni Roiderer (links) reicht Sigi Able bei der Krugvorstellung die Hand.

München - Bei der offiziellen Vorstellung des Wiesenkruges 2014 trafen Neu-Wiesnwirt Sigi Able und Wiesn-Sprecher Toni Roiderer erstmals nach ihrem großen Streit aufeinander.

Er wirkt ein wenig wie ein Schulbub, der die neue Klasse betritt. Als Sigi Able (50) am Donnerstag als letzter der großen Wiesnwirte das Hackerzelt zur Vorstellung des neuen Wiesnkruges betritt, ist ihm die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Es ist das erste offizielle Aufeinandertreffen, nachdem Able den Zuschlag fürs Marstall-Zelt bekommen hat – und ihm die Aufnahme in den Verein der großen Wiesnwirte verweigert wurde. Doch jetzt scheint langsam Frieden einzukehren …

Dass ausgerechnet Able, der keine große Gaststätte betreibt, die Hippodrom-Nachfolge antreten darf, löste eine heftige Debatte aus. Der Vorwurf: Der ehemalige Wirt der kleinen Kalbs-Kuchl soll bei der Bewerbung vor allem durch gute Kontakte zur Stadt gepunktet haben.

Am Donnerstag plötzlich ein völlig anderes Bild. Wirtesprecher und Gastgeber Toni Roiderer geht auf den Neuen zu, reicht ihm die Hand. Roiderer löst die Situation auf seine humorige Weise: „Servus Sigi. Jetzt siehst du mal, wie ein großes Zelt aussieht.“ Wird das noch eine große Wiesn-Romanze? „Was sich liebt, das neckt sich“, sagt Roiderer mit einem Augenzwinkern der tz. Bei der offiziellen Ansprache spielt er dann auf den Wirteverein an: „Man heiratet ja auch nicht gleich. Du schaust dir erst an, ob’s passt.“

Der Wirt der Braurosl, Georg Heide, sieht es ähnlich: „Man ist erst Wiesnwirt, wenn Wiesn ist. Schau mer mal, wie’s wird.“ Als der mit dem Wienerwald bekannt gewordene Günter Steinberg vor 30 Jahren mit dem Hofbräuzelt angefangen hat, sei auch nicht alles einfach gewesen: „Da haben viele gesagt: Oh Gott, kommt jetzt ein Wienerwaldzelt?“ Heide weiter: „Able hat eine faire Chance.“

Diese Chance scheinen ihm auch andere zu geben. Ricky Steinberg vom Hofbräuzelt sagt: „Jeder Neue hat’s hier nicht leicht. Ich stehe ihm offen gegenüber.“ Und sogar Ochsenbraterei-Chefin Antje Schneider, deren für die Ochsensemmel bekannte Familie früher Streit mit Able hatte, weil der sich den Namen „Ochsensemmel“ als Marke schützen ließ, ist nicht nachtragend. „Irgendwann ist auch mal gut“, sagt sie der tz und schickt lachend hinterher: „Der Ochse dreht sich ja immer noch bei uns im Zelt.“

Der Neue selbst ist am Ende erleichtert. Sigi Able: „Mich freut, dass Herr Roiderer auf mich zugegangen ist. Ich fühle mich aufgenommen.“

Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) mahnt für die Zukunft: „Die Wiesn ist ein Fest des Friedens und der Begegnung – dieser Charakter soll beibehalten werdern.“ Ob nun wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, wird sich in vier Wochen zum Wiesn-Start zeigen: Denn da werden einige genau hinsehen, ob der Neue nicht doch noch einen Fehler macht.

Update: Neuheiten auf der Wiesn 2014

Nicht nur Siegfried Able und sein "Marstall" feiern heuer auf dem Oktoberfest 2014 Premiere. Zum ersten Mal nach 20 Jahren wird statt Ex-OB Christian Ude ein neuer die Wiesn einläuten. Dieter Reiter macht sich warm für seinen ersten Anstich. Bei einem "Geheimtraining" hat der neue Chef der Landeshauptstadt schon fleißig geübt. Den Anstich am Samstag können Sie bei uns im Live-Ticker mit verfolgen. Auch andere Medienkanäle werden dann ausführlich und in Echtzeit über den ersten Wiesn-Tag berichten. Wir haben für Sie eine Übersicht zusammengestellt. Lesen Sie außerdem vor dem Startschuss des diesjährigen Oktoberfests 2014 bei uns, was heuer außer dem "Marstall" noch alles neu auf der Wiesn ist.  

Nina Bautz

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