Radl-Taxis bevölkern die Stadt

Kampf um die Plätze: Mit der Rikscha auf die Wiesn

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In zehn Minuten vom Hauptbahnhof zur Wiesn? Für viele Gäste ist der Fußweg schon zu weit - sie steigen ins Rikscha-Taxi.

München - Rikschas verbinden viele eher mit Indien als mit München. Weil zur Wiesn-Zeit aber alles anders ist, kurven derzeit Radl-Taxis durch die Stadt - und kämpfen um die besten Standplätze. Und: Der Radl-Spaß ist teuer.

Donnerstagmittag an der Paulskirche. Fast im Minutentakt kommen jetzt hier die Rikscha-Fahrer an, von denen heute bisher noch nicht viel zu sehen war. Für die Münchner beginnt jetzt das lange Wochenende und für viele heißt das: Ein letztes Mal direkt aus der Arbeit aufs Oktoberfest. Und vielleicht weil es bald schon vorbei ist mit der Oktoberfest-Gaudi, und es dann erst 349 Tage später wieder losgeht, gönnen sich zahlreiche Besucher eine Rikscha-Fahrt vom Hauptbahnhof oder aus der Innenstadt zur Festwiese. Und das obwohl das Vergnügen nicht billig ist.

Die Preise variieren leicht, aber ein zweistelliger Euro-Betrag ist für zwei Personen mindestens fällig (rund 20 Euro vom Hauptbahnhof, wenn der Chauffeur zulässt, dass sich noch zwei Leute mehr auf die Sitzbank quetschen). Und das für eine Strecke, die sich auch zu Fuß in zehn Minuten bewältigen ließe. Aber egal, die Radl-Taxler freut's.

Sie haben es, sobald bezahlt ist, sehr eilig, wieder zurück zum Ausgangspunkt zu kommen. Das Geschäft ist um diese Uhrzeit ein harter Konkurrenzkampf. „Es sind eigentlich gerade zu viele Rikschas in der Stadt“, sagt einer, der sich ein paar Sekunden Verschnaufpause gönnt und so ausnahmsweise Zeit zum Plaudern hat. Rund 50 Rikschas samt Fahrer seien zur Wiesn aus Berlin nach München gekommen, erzählt man sich.

Das Problem ist ein guter Standplatz. Wer zu spät kommt, muss sich einreihen. „Dann steht man 40 Minuten, bis man wieder loskommt“, sagt der Rikscha-Fahrer, der sich auch schon wieder auf sein Gefährt schwingt. „Dann zehn Minuten zur Wiesn, zehn wieder Minuten zurück. Macht 15 Euro in der Stunde. Das ist nicht gut.“ Das beste Geschäft, verrät er noch, macht man abends. Aber nur wenn man sich auskennt und weiß, auf welchen Routen man potenzielle Fahrgäste abpassen kann.

Ein Kollege, der kurz nach ihm ankommt, erzählt während des Wendens, dass er seine Rikscha aus Regensburg leihen musste. Die Münchner Unternehmen hätten nicht genug Fahrzeuge herbekommen, für alle ihre Fahrer, die während der Wiesn arbeiten wollen. Die Rikscha ist inzwischen wohl zu den etablierten Fahrgeschäften auf der Wiesn. Betrachtet man sie als solche, dann er scheinen auch die Preise - zumindest im Vergleich - gar nicht mehr so astronomisch abwegig.

Stefan Reich

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