Oktoberfest

Machtkampf um den Wiesn-Zaun

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Schauen Sie in die Gesichter: OB Dieter Reiter (SPD, l.) und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Dienstag.

Kein Zaun um die Wiesn! Der Wirtschaftsausschuss bügelte am Montag die Idee von Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (46, CSU) nieder, das Oktoberfest bei Überfüllung zu sperren.

Rathaus-SPD, Grüne, Bayernpartei und FDP durchkreuzten Schmids Plan – nachdem der neue KVR-Chef Thomas Böhle (62, ebenfalls SPD) sich dagegen aussprach. Am Montag war Böhle noch für den Zaun gewesen.

Als Beispiel für einen Tag, an dem eine Sperrung nötig wäre, gilt der 3. Oktober der vergangenen Wiesn. Damals bevölkerten eine halbe Million Gäste die Wiesn, Rettungsfahrzeuge kamen nicht mehr durch. Als die Eingänge gesperrt wurden, hatte der Sicherheitsdienst die Lage nicht mehr unter Kontrolle. Schon im März forderte die Polizei darum zusätzliche Maßnahmen, um solche Situationen künftig zu verhindern. Wiesn-Chef Schmid schlug im April erstmals einen Zaun („Secufence“) vor, den man ausrollen kann.

Am Dienstag sollte der Wirtschaftsausschuss zustimmen. Doch Böhle, seit Freitag neuer Kreisverwaltungsreferent, lehnte den Aufbau des 350 Meter langen Zauns ab. Am Montagnachmittag hatte er noch mitteilen lassen: „Als zuständige Sicherheitsbehörde halten wir die Vorschläge für sachgerecht.“ Am Dienstag die Rolle rückwärts: „Ich habe in der Tat Zweifel, ob der Vorschlag hinreichend durchdacht ist.“

Helmut Schmid (SPD): Es gab schon Oktoberfeste mit mehr Besuchern

Ex-Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) gab dann zu bedenken, es habe schon Oktoberfeste mit mehr Besuchern gegeben. Mario Schmidbauer (Bayernpartei) wandte ein, dass abends 50 000 Reservierungsgäste auf das Gelände drängten. Und Lydia Dietrich (Grüne) fragte: „Was ist bei einer Panik im Gelände, wie soll der Abfluss funktionieren?“

Nach Josef Schmids Konzept soll alle 50 Meter ein mit einem Sicherheitsmann bewachter Durchgang dafür sorgen, dass man das Gelände verlassen kann. Polizeidirektor Peter Kuhn stützte ihn: „Wir halten den Secufence für eine Möglichkeit, den Worst Case abzusichern.“

Alle Versuche Schmids, die Zweifel auszuräumen, halfen nicht: SPD, Grüne, Bayernpartei und FDP verweigerten die Zustimmung, der Machtkampf war entschieden. Der CSU-Bürgermeister durfte sich von Reiter sogar noch den Rüffel anhören: „Ich bitte künftig darum, mit den anderen beteiligten Referaten abgestimmte Vorlagen einzureichen.“

Schmid war getroffen: „Ich halte das für einen großen Fehler. Der mobile Zaun an der Hangkante zur Schwanthalerhöhe hätte eine relevante Sicherheitslücke geschlossen.“ Und: „Ich akzeptiere das Votum der Mehrheit des Stadtrats, mache es mir aber ausdrücklich nicht zu eigen.“ Nun trägt die Verantwortung allein Böhle. Er muss das Oktoberfest als oberster Sicherheitschef genehmigen.

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Johannes Welte

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