Betreiber der Krinoline besorgt

Oide Wiesn: Gefahr für Traditionsgeschäft?

+
In vierter Generation betreibt Matthias Niederländer die Krinoline. Seit 90 Jahre spricht das Traditionsgeschäft vor allem Familien und Senioren an, viele Stammkunden kommen jedes Jahr.

München - Seit 90 Jahren dreht sich die Krinoline auf der Wiesn. Doch Betreiber Matthias Niederländer ist nicht zum Feiern zumute. Er sagt: Die Oide Wiesn macht uns das Geschäft kaputt. Wenn das so weitergeht, sei das Traditionsgeschäft in Gefahr.

Für Matthias Niederländer war immer klar, dass er zurückkommen würde. Zurück zur Krinoline. Trotz Banklehre und Studium. „Da hängt das Herzblut dran“, sagt der 43-Jährige. In vierter Generation führt er heute das traditionelle Fahrgeschäft auf der Wiesn. Die fünfte Generation, Sohn Louis, 21, schraubt auch schon an einer der Gondeln. Die Krinoline als Karussell zu bezeichnen, wäre untertrieben. Sie ist eine Institution auf der Wiesn. Seit genau 90 Jahren schwingen die Gondeln auf dem Oktoberfest – und das zu Live-Blasmusik. Einmalig auf der Wiesn.

Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist die Krinoline bedroht. „Wir haben mit der Oidn Wiesn zu kämpfen“, sagt Niederländer. „Das ist eine Parallelveranstaltung, eine Kannibalisierung der normalen Wiesn.“ Niederländer ärgert, dass neuerdings vor allem bei den Besuchern in „gute und schlechte Wiesn“ unterschieden wird. Und ausgerechnet sein bisheriges Stammpublikum gehört zu den Anhängern der Oidn „guten“ Wiesn.

Die Krinoline könnte kaum weiter vom Nostalgiefest am Rande der Wiesn entfernt stehen: Während die Oide Wiesn am Ende der Wirtsbudenstraße beginnt, hat die Krinoline ihren Standplatz genau am gegenüberliegenden Ende der Theresienwiese am Eingang zur Schaustellerstraße.

Als die Oide Wiesn zum 200-Jahr-Jubiläum erstmals stattfand, habe man noch keinen Unterschied im Fahrgastaufkommen gespürt, sagt Niederländer. Das Jubiläum lockte genügend zusätzliche Besucher an. Doch seitdem gehe es stetig bergab. „Langsam tut’s weh“, sagt Niederländer. Setze sich der Trend fort, werde es gefährlich für die Krinoline.

Niederländer ärgern vor allem die ungleichen Bedingungen auf der normalen und der Oidn Wiesn: „Die Fahrgeschäfte auf der Oidn Wiesn können nur deshalb für einen Euro fahren, weil sie kein Standgeld zahlen müssen“, glaubt er. Viele Stammkunden würden ihn fragen, warum er nicht auf das Traditionsfest umzieht. Doch das ist für Niederländer keine Option. „Ich könnte die Bedingung nicht erfüllen, für einen Euro zu fahren, das geht nicht, wenn man Live-Musik spielt“, erklärt er. Eine Fahrt mit der Krinoline kostet derzeit für Erwachsene drei, für Kinder zwei Euro.

Eigentlich nicht viel Geld – zumindest auf der Wiesn. Und viele Stammkunden kommen auch noch immer zur traditionellen Krinolinenfahrt. Heiratsanträge in der Gondel hat Niederländer schon organisiert, mancher fährt weinend, weil er hier dem verstorbenen Partner gedenkt, mit dem er früher immer zusammen in der Krinoline saß. Die älteste Kundin kam im vergangenen Jahr: 104 Jahre alt. „Die Krinoline ist eine Konstante im Leben der Menschen – generationsübergreifend“, sagt Niederländer. Oft kämen die Großeltern mit den Enkeln. Das Publikum wachse quasi mit.

„Das ist echt gewachsene Nostalgie“, sagt Niederländer. Ganz im Gegenteil zum neuen Traditionsfest am anderen Ende der Wiesn. „Der Begriff ,Oide Wiesn‘ ist völlig irreführend“, schimpft er. „Die Oide Wiesn ist Retorte, ein Kunstobjekt, das nicht zur Wiesn gehört.“ Er wünscht sich, in die Entscheidungsprozesse der Stadt besser einbezogen zu werden. „Wir als Traditionsunternehmen sind in die Diskussionen nicht wirklich eingebunden.“

Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) will sich die Sache nun ansehen: „Wir werden das prüfen“, verspricht er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn die Oide Wiesn tatsächlich ein Problem für die traditionellen Fahrgeschäfte ist, werden wir eine Lösung finden.“

Philipp Vetter

Philipp Vetter

Philipp Vetter

E-Mail:info@merkur.de

Google+

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Wiesn-Ticker: Liebe Besucher, vergesst nicht das Festzelt Tradition
Wiesn-Ticker: Liebe Besucher, vergesst nicht das Festzelt Tradition
Die Löwen auf Wiesn-Besuch: Video
Die Löwen auf Wiesn-Besuch: Video
Alle Bilder: So feiern die Promis auf der Wiesn
Alle Bilder: So feiern die Promis auf der Wiesn
Wer im Käfer-Zelt feiert, darf sich etwas darauf einbilden 
Wer im Käfer-Zelt feiert, darf sich etwas darauf einbilden 

Kommentare