Masskrug-Klau, Liebesspiele, Rauchen ...

Wildbieseln & Co.: So hoch sind die Wiesn-Bußgelder

+
Wildbieseln kann teuer werden.

München - Wenn der Alkoholpegel steigt, sinkt die Hemmschwelle vieler Wiesn-Besucher. Öffentliches Urinieren, Liebesspiel und Diebstahl sind häufige Vergehen und können richtig teuer werden.

Es ist Halbzeit auf dem 181. Münchner Oktoberfest. Das heißt auch: Viel zu tun für die Wiesn-Wache der Münchner Polizei. Es sind vor allem Ordnungswidrigkeiten wie etwa Wildbieseln, um die sich die Beamten auf dem Oktoberfest dieser Tage kümmern müssen.

Wildbiesler immer dreister

Klar, wenn in 16 Tagen über sechs Millionen Menschen auf der Theresienwiese unterwegs sind, bilden sich mitunter lange Schlangen vor den Toiletten. Gerade Männer weichen dann oft zum Verrichten ihrer Notdurft in umliegende Gebüsche aus. Doch das kann richtig teuer werden: Bis zu 35 Euro Strafe droht den Wildbieslern auf dem Oktoberfest. Die Ordnungsstrafe sei nötig, weil die Delikte in der Vergangenheit zugenommen hätten, heißt es aus der Wiesn-Wache. "Es gibt auf dem gesamten Gelände genügend Toiletten für die Wiesn-Besucher. Wir beobachten, dass die Oktoberfestbesucher zum Teil immer ungenierter an öffentlichen Plätzen urinieren", berichtet Oliver Timper, Sprecher der Wiesn-Wache.

Ein Hotelzimmer wäre günstiger

Anbandeln, Flirten, vielleicht sogar mehr: Einige Oktoberfestbesucher kommen sich in den voll gestopften Festzelten so richtig nah. Wer es allerdings nicht bei zärtlichen Küssen und Schmusen belässt, muss für das öffentlichen Liebesspiel auf der Wiesn teuer bezahlen. "Erregung öffentlichen Ärgernisses" heißt das Vergehen bei der Polizei. "Solche Straftaten werden zur Anzeige gebracht", so Timper. Die Staatsanwaltschaft berechne dann anhand der Einkommen der Täter die Tagessätze, die die Beteiligten zur Strafe zahlen müssen. Je nach Schwere und Vorsätzlichkeit der Tat erhöhe sich die Strafe. Sogar Gefängnis könne drohen, wenn die Tagessatzzahlungen ausbleiben. Anstatt eine hohe Strafe zu bezahlen, könnten sich Liebestolle für dieses Geld ein Hotelzimmer nehmen.

Masskrug-Klau

Ein Ausflug auf die Wiesn - von den Erinnerungen an einen ausgelassenen Tag im Festzelt zehren viele Oktoberfestbesucher ein ganzes Jahr lang. Warum also nicht ein kleines Andenken mitnehmen? An sich eine gute Idee, doch nicht alle kaufen sich ihre Lebkuchenherzerln oder Biergläser brav am Souvenirstand. Masskrug-Diebstahl ist ein äußerst beliebtes Delikt auf dem Münchner Oktoberfest. Die Polizei erstattet in solchen Fällen Anzeige. Die Täter müssen dann eine Sicherheitsleistung zahlen, deren Höhe die Staatsanwaltschaft bestimmt.

Rauschmiss bei Missachtung des Rauchverbots

Ein paar Schlucke Bier, dann kommt die Lust auf eine Zigarette: Raucher haben es in den Festzelten auf dem Oktoberfest nicht leicht. Das Verbot für die Glimmstängel gilt wie in allen Wirtshäusern Bayerns auch in den Festzelten auf der Wiesn. Wer sich trotzdem drinnen eine Zigarette anzündet, riskiert einen Rausschmiss: Die Wirte sind berechtigt, Rauch-Sünder des Festzeltes zu verweisen.

Erbrechen

Auch der unschöne Anblick von betrunkenen Menschen, die das starke Wiesn-Bier nicht mehr bei sich behalten können, gehört zum Alltag auf dem Oktoberfest. Wer sich erbricht, muss allerdings nicht fürchten, von der Polizei bestraft zu werden. Timper begründet das so: "Erbrechen ahnden wir im Gegensatz zum öffentlichen Urinieren nicht, da wir nicht davon ausgehen können, dass jemand vorsätzlich seinen Magen in aller Öffentlichkeit entleert."

Weitere Ordnungswidrigkeiten

Um für Ruhe und Ordnung auf dem Oktoberfest zu sorgen, bestraft die Wiesn-Polizei noch einige andere Vergehen, die in der Oktoberfest-Verordnung aufgelistet sind. Diese enthält einige überraschende Verbote: Wer nach 1:30 Uhr nachts noch auf dem Oktoberfestgelände unterwegs ist, hält sich dort unberechtigterweise auf. Das kostet zwischen 25 und 35 Euro. Den Kinderwagen mit auf die Wiesn zu nehmen, ist an Samstagen sowie an jedem anderen Tag nach 18 Uhr nicht erlaubt. Wer sich nicht dran hält, muss zahlen: 35 Euro. Auch Fahrräder und andere Fahrzeuge wie etwa Inline Skates sind streng verboten. Die Mitnahme kostet 25 bis 35 Euro. Unerlaubtes Auto fahren auf dem Festgelände ist genauso teuer. Achtung Hundebesitzer: Auch Tiere dürfen nicht mit aufs Oktoberfest. Bei Missachtung der Regel werden zwischen 10 und 25 Euro fällig. Genauso teuer ist es, wenn man sich unbefugte bei den Wohnwagen der Schausteller aufhält. 

Verschärfte Verkehrskontrollen

Alkohol am Steuer: Bei dem wohl gefährlichsten und leichtsinnigsten Vergehen rund um das Münchner Oktoberfest versteht die Polizei überhaupt keinen Spaß. Wer andere Menschen durch seine Trunkenfahrt leichtfertig in Lebensgefahr bringt, wird rigoros aus dem Verkehr gezogen. Um Unfälle zu vermeiden, kontrolliert die Polizei zur Wiesn-Zeit verstärkt Autofahrer in der Nähe des Festgeländes. "Ungefähr die Hälfte der 600 Einsatzkräfte auf dem Oktoberfest widmet sich den Verkehrskontrollen", berichtet der Sprecher der Wiesn-Wache. Allein im vergangenen Jahr stellte die Polizei mit ihrer verstärkten Präsenz bei 473 Fahrzeugführern eine Fahrt unter Alkoholeinfluss fest. "Wie hoch die Zahlen für 2014 sein werden, wird erst der diesjährige Abschlussbericht zeigen", so Timper. 

Wildbieseln extrem häufig

Eine Statistik über Ordnungswidrigkeiten wie öffentliches Urinieren, unerlaubten Aufenthalt auf dem Festgelände und Co. gibt es laut Polizeiinformationen nicht. Dennoch könne man gefühlsmäßig behaupten, dass die Ordnungswidrigkeit "Wildbieseln" heuer am häufigsten für Ärger sorge, so Timper.

vin

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Er fordert die Wiesn-Masspreis-Bremse
Er fordert die Wiesn-Masspreis-Bremse
Himmel der Bayern: Die Vorteile des neuen Hackerzelt
Himmel der Bayern: Die Vorteile des neuen Hackerzelt

Kommentare