Das neue Wiesnzelt

Marstall: "Bei uns sitzt der Handwerker neben Ribéry"

Wiesn, Oktoberfest 2014, Marstall
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Chefs im Marstall: die neuen Wiesn-Wirte Siegfried und Sabine Able. Der Marstall ersetzt auf dem Oktoberfest 2014 das Promi-Zelt Hippodrom.

München - Erstmals seit Jahrzehnten gibt es heuer ein neues Zelt auf der Wiesn – den Marstall. Wirt Siegfried Able war im Vorfeld kritisiert worden – nicht zuletzt wegen angeblicher Mauscheleien bei seiner Bewerbung. Jetzt verteidigt er sich.

Lange hatte Siegfried Able geschwiegen. Dabei waren die Vorwürfe deftig. Von einer „ganz linken Nummer“ war in Wirte-Kreisen die Rede, als sich der 50-Jährige im Rennen um Sepp Krätz’ Nachfolge durchsetzte. Denn der ehemalige Wirt des kleinen Zelts „Kalbs-Kuchl“ hatte sich heuer nur mit einem großen Betrieb beworben – obwohl er sich auch mit zwei Zelten hätte bewerben können. So wie er es in den vergangenen Jahren getan hatte. Hinter vorgehaltener Hand wurde gefragt: Wie kann sich Able so sicher sein, Wirt eines großen Zelts zu werden, dass er alles auf eine Karte setzt? Der Vorwurf der Mauschelei wurde erhoben.

Able sagte dazu: Nichts. Jetzt sitzt er mit Frau Sabine (49) und den Töchtern Verena (26) und Vanessa (24) in seinem See-Biergarten Lerchenau und erklärt: „Ich bin sehr stolz, dass der Stadtrat eine derart objektive Entscheidung getroffen hat.“ Freilich sei die Familie ein Wagnis eingegangen, als sie sich nur mit einem großen Zelt beworben hatte. „Wir wollten dem Stadtrat damit signalisieren, dass wir den Mut und die Kraft haben, ein großes Zelt zu übernehmen.“ Er habe gehofft: „Wer auf Risiko geht, wird belohnt.“

Mit dieser Strategie hatte Able schon einmal Erfolg: Er, der vor 30 Jahren mit einem Breznstand auf der Wiesn anfing und dann viele Jahre einen Imbiss auf dem Oktoberfest bewirtschaftete, hatte sich etliche Male auch mit einem kleinen Zelt beworben – umsonst. Bis er vor sieben Jahren alles auf eine Karte setzte: Statt sich wie bisher mit Imbiss und kleinem Zelt zu bewerben, ging er nur mit dem Kalbs-Kuchl-Konzept ins Rennen – und wurde kleiner Wiesnwirt. Damals wie heute hatte er Grund zur Zuversicht. Schließlich teilt die Stadt abgelehnten Bewerbern mit, wo sie im Ranking stehen. 2011 und 2012 sei er mit seinem Konzept für ein großes Zelt auf Platz zwei oder Platz drei gelandet, so genau weiß Able das nicht mehr.

Dass er sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, habe an der vielen Arbeit gelegen, die das neue Zelt bedeute. Jetzt ist der 3200 Sitzplätze zählende Marstall samt Biergarten mit weiteren 880 Plätzen fast fertig – die Handwerker verlegen gerade den Boden. Die bonbonfarbene Fassade mit den herzförmigen Fenstern und den Rosen aus Metall hat Künstler Maximilian Fliessbach entworfen.

Das ist der neue Marstall

Das ist im neuen Marstall geboten

Auch Mitarbeiter haben die Ables inzwischen gefunden. Viele stammen aus der Kalbs-Kuchl und aus Krätz’ Hippodrom. Im Gegensatz zu anderen Zelten sind im Marstall zehn Hostessen tätig. Ihre Garderobe ist auf die Farben des Zelts abgestimmt, und sie wurden für ihren Einsatz geschult. Damit sie etwa Familien helfen können, einen Stellplatz fürs Kinderwagerl zu finden, wie Able erklärt. „Sie sind nur dafür da, den Gästen zu helfen.“ Zudem verfügt der Marstall über einen hauseigenen Sanitätsdienst. Im Obergeschoss des Zelts befindet sich eine Champagnerbar. Die Bierbänke im Obergeschoss und unter dem Biergartenvordach haben Rückenlehnen und Sitzauflagen. Able betont: „Der Marstall ist ein Zelt für Jedermann. „Hier sitzt der Handwerker neben Ribéry.“ Dass der Mindestverzehr von 60 Euro bei Reservierungen Durchschnittsmünchner abschrecken könne, glaubt er nicht: „Man sollte die Wiesn nicht auf Hendl und Bier beschränken. Es gibt auch Leute, die auf der Wiesn schön essen gehen wollen.“ Zu den Schmankerl zählen Trüffel-Kalbfleisch-Pflanzerl und Tartar vom Wagyu-Rind – einer edlen Rasse. Einen Gast aus der gehobenen Gesellschaft haben die Ables bereits gewonnen: Mietwagen-Lady Regine Sixt, bisher treuer Hippodrom-Gast, veranstaltet ihre Damenwiesn mit zahlreichen Prominenten heuer im Marstall.

von Bettina Stuhlweissenburg

Bettina Stuhlweißenburg

Bettina Stuhlweißenburg

E-Mail:Bettina.Stuhlweissenburg@merkur.de

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