Pfiffige Auffangstation im Zelt

Dieses Netz rettet Ihre Jacke vor der Bierpfütze

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Fast in allen Wiesn-Zelten gibt es das Biertischnetz nun. Wenn auch nicht flächendeckend, dann wenigstens in den Boxen und auf der Empore.

München -  Das nervt in den Zelten auf der Wiesn: Es gibt keine Garderobe und so richtig Platz ist auf der Bank und an den Tischen für Jacken auch nicht. Seit sechs Jahren gibt es eine Erfindung, die helfen soll - hat sie sich durchgesetzt?

Es ist das böse Erwachen am Ende eines Zeltbesuchs. Wo ist meine Jacke? Wo die Handtasche? Oft findet man dann beides auf dem Zeltboden in einer Lache aus Bier, Essensresten, Müll, und wenn es ganz schlecht läuft, liegt die Jacke in Erbrochenem. Ist das greislig! Viele Zeltbesucher versuchen, ihre Jacken neben sich auf der Bank abzulegen, aber dort kommen sie häufig unter die Füße derer, die auf die Bierbänke steigen. Oder sie fallen eben doch auf den Boden. Seit 2010 versucht Benno Zierer, ein gewiefter Hallbergmooser, Abhilfe zu schaffen - mit einem Biertischnetz.

Der Schichtl hat das Netz auch

Fast alle Zelte auf der Wiesn haben es schon. Dieses Jahr zieht auch der Schichtl nach. Nur der Marstall, der hat es noch nicht. Die Konstruktion soll Jacken und Taschen vom Boden fernhalten und diese so vor einem verschmutzen Dasein bewahren. Sechs Jahre nach Erfindung des Netzes zieht er eine positive Bilanz. Geplant war eigentlich, dass das Netz an die Brauereien verkauft wird. Aber es stellte sich schnell heraus, dass die Wirte und Betreiber von Festzelten und Biergärten die eigentlichen Hauptabnehmer waren. "Für die Wirte sind unsere Netze ein riesen Vorteil. Die Bedienungen kommen besser durch, ohne auf die am Boden liegenden Gegenstände achten zu müssen. Zusätzlich ist auf dem Tisch endlich genug Platz, um die Getränke und Mahlzeiten abzustellen", sagt Zierer. 

Die in Italien gefertigten Netze seien besonders haltbar. Einmal montiert müssten sie nur ausgetauscht werden, wenn sie kaputt seien. Laut dem Entwickler können die Biertische samt Netz zur Reinigung in die Biertischwaschanlage, ohne einen Schaden davon zu tragen. Das Biertisch-Netz kommt gut an. Auf Volksfesten in ganz Bayern, in Baden-Württemberg und Österreich wird die Tischgarderobe laut Zierer eingesetzt.

Das Netz ist so praktisch und trotzdem so selten

In den meisten Wiesn-Zelten sind die Biertisch-Netze allerdings nicht flächendeckend angebracht, sondern größtenteils auf der Empore oder in den Boxen. Das entspricht nicht einmal der Hälfte der Sitzplätze in einem Zelt. Zierer vermutet, dass die Wirte ihren Gästen einfach ein gewisses Extra bieten wollen. Denn die Kosten für das Biertisch-Netz seien noch überschaubar, pro Sitzplatz würde ein Euro fällig und der sei bei der Anzahl der Besucher schnell wieder in der Kasse der Wirte. Der Winzerer Fähndl hielt die Anschaffung als Service für seine Gäste für sinnvoll. Der Wirt Peter Pongratz hat bereits 2013 alle seine Tische mit dem praktischen Garderoben-Ersatz ausstatten lassen. 

Zierer hat bei seiner Erfindung nicht nur an sich selbst gedacht: “Gerade für die Frauen ist es einfach so, dass das Netz die reinste Bereicherung ist, da sie dann endlich ihre Tasche ordentlich verstauen können. Den Diebstahlschutz mal außen vor gelassen.” Auch wenn dieses Jahr auf dem Oktoberfest erstmals ein Rucksackverbot gilt - Jacken und kleinere Handtaschen sind nach wie vor erlaubt. Diese können dann problemlos und bequem in das Netz gestopft werden.

Eine To-go-Variante des Biertisch-Netzes gibt es nicht. Obwohl das mal geplant gewesen sei. Aber die Idee haben Zierer und sein Team mittlerweile wieder verworfen: “Es war schwierig, ein Netz zu konstruieren, dass an alle Tische passt, daher haben wir uns auf das große Dauernetz spezialisiert. Den Kunden frustriert es doch nur, wenn er ein Produkt kauft, das dann am Ende nicht funktioniert.” Für alle, die dennoch gerne eine To-go-Version hätten, gibt es das Jackerlsackerl. Was ausschaut wie eine Mini-Hängematte oder Windel, befestigt der Besitzer mit Plastikclips am Tisch.  

Ein sorgenloser Gast bringt mehr Einnahmen

Und da jetzt ein Großteil der Wiesn und auch viele andere Volksfeste vernetzt sind, könnte man meinen, dass Zierer sein Ziel von einem Festbesuch mit sauberer Jacke erreicht habe. Aber Zierer denkt gar nicht daran, jetzt aufzuhören: "Wir wollen die Brauereien in Deutschland überzeugen, an all ihren Tischen unser Netz zu montieren. In der Regel haben Brauereien das größte Biertischkontingent." Denn jeder Besucher, der sich nicht um seine Sachen sorgen muss, würde bestimmt eine, wenn nicht gar zwei Mass mehr trinken und dem Wirt so mehr Umsatz bringen.

af

Video vom Oktoberfest-Aufbau: So langsam kommt Wiesn-Feeling auf!

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