Oktoberfest 2016

Führung über die Wiesn-Baustelle: Selfie mit dem Löwen

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Bitte lächeln! Noch brüllt das Wahrzeichen der Löwenbräu-Festhalle nicht, Renate und Gabi (re.) finden ihn aber auch so amüsant.

München - Ein Zaun um das gesamte Oktoberfest, so wie es ihn heuer zum ersten Mal gibt – während des Wiesn-Aufbaus ist er schon seit 2010 Realität. Aus Sicherheitsgründen führt nur noch ein kleiner Radweg über die Theresienwiese. Wer mehr vom Wiesn-Aufbau sehen will, kann an einer Führung teilnehmen.

Es ist still hinter dem Hackerzelt. Dort, wo sonst Gäste ins Bierzelt strömen, sind nur ein paar Bauarbeiter zugange und verlegen den Boden des Biergartens. Wenige Meter weiter begrüßt André Listing die Besucher an der Sanitätsstation mit einem Schmunzler: „Wer hier während der Wiesn angeliefert wird, kann meistens nicht mehr selber gehen“, sagt er. Listing ist der Veranstaltungsleiter der Wiesn und führt die Gruppe über die Baustelle.

Seit 2010 ist die Festwiese nicht mehr öffentlich zugänglich, Bauzäune trennen die Arbeiter von Radlern und Schaulustigen. Nur in den beiden Kantinen trifft man noch aufeinander – sie sind nach wie vor öffentlich. „Früher waren sogar ganze Kindergärten auf der Baustelle unterwegs“, erzählt Listing.

Die Wiesn sozusagen jungfräulich zu beschreiten, ohne die Massen an Besuchern, ist ein Erlebnis. Statt Massen von Trachtlern und Australiern zieht es jetzt nur ein paar Bauarbeiter in die Bierzelte. Am Rand der leeren Wirtsbudenstraße, wo sonst Lebkuchenherzen und Fischsemmeln locken, stehen ein paar verbeulte Container. Und für die Wiesn-Besucher gibt es Warnweste und Helm statt Trachtenhut und Dirndl. „Kinderfundstelle“ steht an einer Tür im Gebäude der Festleitung. Manche Väter verstehen das gerne mal falsch. Listing: „Die geben ihre Kinder in der Kinderfundstelle des BRK ab und gehen dann alleine auf die Wiesn.“

Dann versorgt er die Gruppe mit prägnanten Zahlen: Einen Kilometer seien die Pissoirs-Rinnen insgesamt lang und die Wiesn verbrauche in den 16 Tagen so viel Strom wie die Stadt Hof in einem Jahr. Fakten zum Schmunzeln. Ein Thema treibt die Besucher aber besonders um: Der Zaun um die Wiesn, der nun doch kommen wird. Ob er sich bei einer Panik niederdrücken lasse, wollen die Anwohner wissen. Listing bleibt gelassen. „Den Zaun kennt jeder, der schon mal in der Allianz Arena war“, sagt er. Und: Die Eingänge blieben offen, wie bisher. „Achso, na dann“, ertönt es vom Ende der Gruppe.

Bevor es für die Gruppe ins Löwenbräuzelt geht, müssen alle eine große Pfütze durchqueren, die sich dort statt dem Biergarten ausbreitet. Auf der anderen Seite wartet Toni Pletschacher (52). „Toni, König der Wiesn“ nennen ihn manche. Die Firma Pletschacher baut seit mehreren Jahrzehnten Bierzelte auf. „Ich bin mit fünf Jahren hergekommen, das ist jetzt also mein 47. Aufbau“, lacht der Toni. Dieses Jahr mache den Bauarbeitern vor allem das Wetter zu schaffen, sagt er: „Die Temperaturstürze heuer sind unangenehm für uns.“

Vor dem Zelt hat Toni einen beladenen Gabelstapler geparkt, in dem die Anwohner Probesitzen dürfen. Damit sie merken, wieso die Wiesn-Baustelle abgesperrt ist. „Da sieht man ja wirklich nix“, sagen die Anwohner und klettern wieder aus dem Führerhaus. Ein paar machen noch schnell ein paar Selfies mit dem Löwen – der wartet, den Masskrug in der Pranke, vor dem Eingang darauf, endlich auf seinen angestammten Platz gehoben zu werden.

Zum Abschluss erklärt André Listing, dass das Bier anscheinend heilend wirkt: „Es lässt Lahme gehen. Im Wiesn-Fundbüro bleiben jedes Jahr knapp 50 Krücken und 20 Rollstühle liegen.“ Wenn das kein Grund für eine Mass ist.

Emil Nefzger

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