Entscheidung des Hofbräuzelts ist umstritten

So denken die Wiesn-Wirte über Überwachungskameras

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Nicht nur der Engel Aloisius wacht nun über das Hofbräuzelt - hier hängen auch 26 Kameras.

München - Aus Sorge vor einer möglichen Terror-Bedrohung überwachen einige Wiesnwirte ihre Zelte. Im Hofbräuzelt der Familie Steinberg etwa hängen erstmals 26 Kameras. Der Sinn solcher Maßnahmen ist im Kollegenkreis allerdings umstritten. 

In diesem Jahr wird nicht nur der Engel Aloisius mit aufmerksamen Augen über die Besucher im Hofbräuzelt blicken – neben der berühmten Figur unter dem Dach der Festhalle hängen auch 26 Kameras in und vor dem Zelt. „Sie sollen für Besucher und Mitarbeiter die Sicherheit erhöhen“, erklärt Wiesnwirt Günther Steinberg die Neuanschaffung. Doch nicht nur auf zusätzliche Technik setzt man im Hofbräuzelt, auch am Boden wird es Verstärkung geben. Rund 25 Ordner hat der Sicherheitsdienst zusätzlich rekrutiert. Und auch die anderen Mitarbeiter werden im Vorfeld zur besonderen Aufmerksamkeit angehalten. Steinberg: „Jeder soll mit offenen Augen durchs Zelt gehen.“

Kameras zur Verstärkung des Sicherheitskonzepts – für die Wirte Toni und Thomas Roiderer keine Neuerung. Sie setzen im Hacker-Festzelt schon seit mehr als zehn Jahren auf die digitale Überwachung. Zusätzliche Kameras wegen einer erhöhten Gefahrenlage haben sie nicht angeschafft. „Wir haben an unserem Sicherheitskonzept nichts geändert“, betont Thomas Roiderer. Lediglich durch die Neugestaltung des Festzeltes seien es ein paar Kameras mehr als bislang. „Wir haben ungefähr 30 Kameras – überall da, wo es wichtig ist“, sagt Toni Roiderer, der Sprecher der Wiesnwirte. Dass die Kameras im Hacker bisher kaum im Gespräch waren, mag daran liegen, dass man sie kaum zu Gesicht bekommt. „Die beste Kamera ist die, die man nicht sieht“, sagt Thomas Roiderer und lacht. Auch in der Fischer Vroni waren und sind Kameras im Einsatz, 23 insgesamt. Der Wirt Johann Stadtmüller ist von ihrem Nutzen überzeugt: „Die Kameras helfen vor allem, um im Nachhinein Streitigkeiten zu klären.“

Doch nicht alle Wiesnwirte halten Sicherheitskameras für angebracht. „Das ist der größte Schmarrn aller Zeiten“, sagt Stephan Kuffler, Wirt des Weinzelts. Denn auch die Aufnahmen einer Videokamera müsse jemand rund um die Uhr überwachen. Auch Augustiner-Wirt Thomas Vollmer vertraut ganz auf sein Sicherheitspersonal. „Wir haben einen Ordnungsdienst, der alles unter Kontrolle hat“, betont Vollmer.

Im Winzerer Fähndl setzt man ebenso lieber auf Menschen als auf Kameras: Weder im Zelt noch im Garten gibt es Kameras, erklärt Sicherheitschef Thomas Konitschke. Stattdessen habe man mehr Sicherheitspersonal. Denn, da ist sich der Wirt des Winzerer Fähndl, Peter Pongratz, sicher: „Meine Wachleute sehen alles besser als jede Kamera.“

Der Meinung sind auch Wiggerl Hagn und Edi Reinbold, die Wirte des Löwenbräu- und des Schützen-Festzelts. „Überwachungskameras sind nicht notwendig“, sagt Hagn. Die Gäste seien ja schließlich privat im Zelt. „Da muss man nicht gefilmt und gespeichert werden.“ Auch sie sehen die Ordnungskräfte als wichtigeren Teil des Sicherheitskonzept an. Knapp 1400 davon hätten allein die Wirte der großen Zelte, erklärt Hagn: „Und das ist für ein Volksfest schon eine gewaltige Zahl.“

In einigen Zelten hängen dennoch Kameras – jedoch in deutlich geringerem Ausmaß als im Hofbräu- oder im Hackerzelt. So bleibt auch im Armbrustschützenzelt alles wie gehabt. Hier sind zwar ein paar wenige Kameras im Einsatz, diese sind aber keine Neuerung für die diesjährige Wiesn. „Wir haben nicht aufgerüstet“, sagt Sprecher Norbert Hartl. Ähnlich ist die Lage auch in der Bräurosl. Insgesamt sieben Kameras unterstützen hier den Sicherheitsdienst bei der Arbeit, im Zelt und im Biergarten. Aufgezeichnet wird in der Bräurosl jedoch nichts: „Wir haben die Kameras, damit wir kurzfristig reagieren können, wenn auf dem Klo oder am Eingang zu viel Andrang herrscht“, erklärt Wirt Georg Heide.

Nicht nur in der Bräurosl, auch im Schottenhamel bleibt es beim bestehenden Sicherheitskonzept. Zwei Kameras habe man im Zelt, sagt Wirt Christian Schottenhamel. „Die dienen in erster Linie dazu, Probleme wie Schlägereien frühzeitig zu entdecken und sensibel zu reagieren.“

Sensibel reagieren, das sollen auch die Ordner im Käferzelt. Kameras gibt es dort nur an den Eingängen, erklärt Michael Käfer. „Mir ist immer wichtig, dass das alles eher diskret und zurückhaltend ist.“ Schließlich könne man sonst nicht richtig feiern. Die Sicherheitsdiskussion kann er generell nicht verstehen. Vor allem durch Kontrollen an den Eingängen würde sich alles sehr entschärfen, sagt Käfer. Und fügt hinzu: „Ich werde mich heuer extrem sicher auf der Wiesn fühlen.“

Lisa-Marie Birnbeck und Emil Nefzger

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