Landwirtschaftsfest ist beendet

Tiere in den Hauptrollen: Hinter den Kulissen des ZLF

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Ausstellung mit tierischen Darstellern: Auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest spielten Kühe, Pferde und Co die wichtigste Rolle. Sie wurden von ihren Besitzern begleitet oder von Fachleuten aus dem Zuchtverband gepflegt.

München - 650 Aussteller und 800 Tiere: Das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) ist eine logistische Herausforderung. Kühe, Schafe und Pferde durften am Sonntag zuerst nach Hause. Sie haben die neun Tage auf der Theresienwiese gut überstanden.

Gelungen ist das dank guter Vorbereitung und Einzelbetreuung.

Mit einem Festgottesdienst zum Erntedank wurde am Sonntag das Zentral-Landwirtschaftsfest beendet. Als um 18 Uhr die letzten Besucher das 120 000 Quadratmeter große Gelände verlassen hatten, hatten die Tiere Vorfahrt. „Erst wenn alle Tiere vom Platz sind, dürfen die anderen Aussteller abbauen“, sagt Georg Wimmer, ZLF-Gesamtleiter. Das sei jedes Mal eine Herausforderung, aber nötig, damit die Tierhalter ihre wertvolle Zucht nach Hause bringen können. Dorthin kommen Schweine, Kühe und Co. nämlich. „Nicht zum Schlachter, obwohl da Gerüchte kursieren“, sagt Wimmer kopfschüttelnd.

Wer einmal einen Blick hinter die Kulissen des ZLF werfen durfte, hat ohnehin schnell gemerkt, wer dort die Hauptrolle spielt. „Die Tiere werden Tag und Nacht betreut“, sagt der ZLF-Gesamtleiter. Der Großteil der Besitzer sei dabei, manche hätten die Pflege Fachleuten aus dem Zuchtverband übertragen. Sie schliefen in Containern auf der Theresienwiese, um nah bei ihren Schützlingen zu sein. Jeden Morgen lieferte der Maschinenring Futter. Außerdem wurden die Exkremente aus dem Milchviehlaufstall täglich abtransportiert. „50 Stallmeister haben sich um die Tiere gekümmert“, sagt Wimmer. Sie haben zum Beispiel die Pferde gestriegelt und dreimal am Tag bewegt.

Mehr nötig als die übliche Stallarbeit

Um eine Ausstellung mit lebenden Tieren zu organisieren, ist hinter den Kulissen aber noch viel mehr nötig als die übliche Stallarbeit. Stephan Graf aus Landsberg am Lech war mit drei Schafen auf dem ZLF. Sie hatten wie alle anderen Schafe heuer das erste Mal eine Box vor dem Tierzelt. „Das war der Wunsch der Veterinäre, damit ihnen im Zelt nicht zu warm wird“, erklärt Wimmer. Graf hat seine Schafe vor der Ausstellung trainiert. „Ich habe sie von ihrer Herde separiert und ans Halfter gewöhnt“, sagt der Schäfer.

Bei Georg Hammerls Schützlingen war das nicht notwendig. Der Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat die 19 Kühe für den Milchvieh-Modullaufstall mitgebracht. An ihnen lernen angehende Landwirte das Melken und Füttern. „Sie sind fremde Leute gewohnt“, sagt Hammerl. Die Tiere seien gut damit zurechtgekommen, dass sie jeden Tag von den Besuchern des ZLF beobachtet wurden. Kuh Erna zum Beispiel ist am ersten Tag sofort vom Transporter in den Melkroboter marschiert. „Als wäre es das normalste der Welt.“ Fürs ZLF wurden übrigens die Tiere aus der Herde in Achselschwang (Kreis Landsberg) ausgewählt, die Wert auf Körperpflege legen. „Wir haben ihnen jeden Morgen die Füße abgespritzt und den Rücken abgebürstet, damit sie sauber sind.“ In einem „richtigen“ Stall sieht das Bild natürlich etwas anders aus, da ist auch mal ein Tier krank. Das ist auf der Theresienwiese aber nicht zu sehen. „Für ein krankes Tier wäre das ja eine zusätzliche Belastung.“

Nachdem die Tiere am Sonntagabend abtransportiert wurden, sind heute die unzähligen landwirtschaftlichen Maschinen an der Reihe – ein schwieriger Tag. „Die Verkehrsbelastung wird dadurch erhöht“, sagt Gesamtleiter Wimmer. Da parallel die Wiesn stattfindet, gibt es ein strenges Sicherheitskonzept. „Alle Fahrer und Fahrzeuge mussten sich vorher registrieren.“ Manche Maschinen brauchen auch Polizeischutz: Sie haben Überlänge oder -breite.

Rund 280 000 Menschen besuchten das ZLF laut Bayerischem Bauernverband. Angesichts des Regens an den ersten drei Ausstellungstagen und der Sicherheitsdiskussion sei das eine positive Bilanz. „Es freut mich besonders, dass neben Bäuerinnen und Bauern auch wieder viele Besucher ohne direkten Bezug zur Landwirtschaft gekommen sind“, sagt Bauernpräsident Walter Heidl. Auch Georg Wimmer wertet das Fest als Erfolg – trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation in der Landwirtschaft. Und obwohl der Außenbereich an den ersten Tagen unter Wasser stand. „Die Stimmung war absolut toll.“

Susanne Weiss

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