Verschärfte Kontrollen

Oktoberfest: Trachtler und Schützen werden durchsucht

+
Die Wackersberger Gebirgsschützen im Anmarsch: Auch der Trachten- und Schützenumzug am ersten Wiesn-Sonntag wird heuer unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen als sonst stattfinden.

Nicht nur die Oktoberfest-Besucher werden heuer kontrolliert. Auch die 9000 Teilnehmer des Trachten- und Schützenzugs am Sonntag müssen sich gleich zweimal in die Taschen blicken lassen.

Unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen als je zuvor beginnt am kommenden Samstag das 183. Münchner Oktoberfest. Um das größte Volksfest der Welt abzusichern, gilt ein Rucksackverbot auf dem erstmals komplett eingezäunten Festgelände, die Taschen der Wiesnbesucher werden an den Eingängen kontrolliert. Und auch die rund 9000 Teilnehmer des traditionellenTrachten- und Schützenzugs am Sonntag müssen sich einem Sicherheitscheck unterziehen.

Einmal sollen die Trachtler und Schützen bei der Aufstellung der 60 Züge rund um das Max-II-Denkmal an der Maximilianstraße und dann ein weiteres Mal am Esperantoplatz unmittelbar an der Theresienwiese durchsucht werden. Der Veranstalter des großen Zugs, der Festring München e.V., hat die Maßnahmen in Absprache mit der Stadt entwickelt. „Die Vorstände der Vereine sind informiert worden“, sagt Barbara Jahn vom Festring. Es habe zwar einige Rückfragen gegeben, „aber alle nehmen es gelassen auf“.

Oktoberfest 2016: Das dürfen die Trachtler und Schützen nicht mitnehmen

Verboten ist laut Festring das Mitführen derselben Dinge, die die Besucher des Oktoberfestes nicht dabei haben dürfen: Gas- und Sprühdosen, Hieb-, Stoß- und Stichwaffen sowie Trachten- und Brotzeitmesser, zu denen auch die beliebten Hirschfänger gehören. Für die historischen Waffen, die traditionell auf dem Umzug mitgeführt werden, gibt es eine Ausnahmegenehmigung für die Teilnehmer, heißt es von der Stadt. Sie dürfen zur Schaustellung mitgeführt und auch mit aufs Gelände genommen werden. „Der Umzug kann normal stattfinden und wird ein voller Erfolg“, verspricht Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU). Er verweist außerdem darauf, dass jeder Gruppe ein Ordner zugewiesen ist – und auf die starke Selbstkontrolle unter den Trachtlern.

Kontrolliert werden die Teilnehmer laut Festring nicht etwa von der Polizei, sondern von Ordnern des Vereins. Taschen, Körbe und Wagen werden untersucht. 15 bis 20 Mitarbeiter seien nur für diesen Check zuständig, „einige weitere“ der insgesamt 110 Ordner beim Trachtenzug helfen nach Angaben von Barbara Jahn mit. Wer überprüft wurde, bekommt ein blaues Band an seine Tasche – dieselben Bänder sollen auch bei den Kontrollen an den neun Zugängen zur Wiesn ausgegeben werden. „Das Ganze wird zügig und ordentlich vonstatten gehen“, glaubt Jahn.

Mancher Trachtler sieht das anders. Zum Beispiel Helmut Fischer, 1. Schützenmeister bei der Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft München. „Die können doch ned alle kontrollieren“, sagt er und lacht laut, als unsere Zeitung ihm von den Plänen erzählt. Ihm sei die Information völlig neu, dass die rund 9000 Teilnehmer am Trachtenumzug kontrolliert würden. „Das verursacht ja das reinste Chaos.“ Allein bei der Aufstellung ab 8 Uhr morgens stünden ja hunderte Menschen parallel zur Isar an der Kreuzung der Maximilianstraße mit der Widenmayer- und Steinsdorfstraße. Irgendwie müsse man natürlich auf die verschärfte Sicherheitslage reagieren. Aber Stichproben täten es doch auch, findet Fischer.

Gerade die zweite Kontrolle vorm Eingang zur Wiesn sieht Sepp Korber, der Vorsitzende des Volkstrachtenvereins Wartenberg kritisch. „Des funktioniert ja nie“, sagt er. „De ham doch alle an Durscht und wollen ins Zelt.“

Mit Verständnis reagieren dagegen die 45 Mitglieder der Blaskapelle Böbing im Landkreis Weilheim-Schongau. „Bei uns hat sich keiner beschwert“, erklärt der erste Vorsitzende Franz Hückl. Die Kontrollen seien eben die Konsequenz der verschärften Sicherheitslage.

Gelassen beurteilen auch die 270 Teilnehmer der Gebirgstrachtenerhaltungsvereine D’Miesenbacher und D’Rauschenberger Zell aus Ruhpolding die anberaumten Kontrollen. Schon vor zwei Wochen habe man alle informiert, sagt der Vorstand Anton Senoner. „Wir werden aber im Bus, wenn wir losfahren, nochmal eine Durchsage machen, damit keiner sein Stehmesser in der Hosentasche hat.“ Aufgeregt habe sich keiner, berichtet Senoner. „Des is de Leid wurscht.“ Der Verein sei ja nicht in jedem Jahr beim Trachten- und Schützenzug dabei. Man habe sich halt darauf eingestellt, „dass des a Mords-Warterei werd“.

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

Beim Oktoberfest 2016 gibt es erstmals Eingangskontrollen und ein Rucksackverbot. Was Sie mit aufs Festgelände nehmen dürfen, erfahren Sie hier. Was kostet heuer die Mass Bier und welche Öffnungszeiten hat die Wiesn? Hier beantworten wir Ihnen alles, was Sie zum Oktoberfest wissen müssen. Sie schaffen es selbst nicht aufs größte Volksfest der Welt? Kein Problem: Hier läuft die Wiesn im TV und im Stream. Natürlich gibt es auf der Theresienwiese einige Regeln - hier erklären wir Ihnen, was Sie niemals auf dem Oktoberfest tun sollten. Alle News zur Wiesn finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

auch interessant

Meistgelesen

Wiesn-Attentat: Anwalt fordert Ablösung von Soko-Leiter
Wiesn-Attentat: Anwalt fordert Ablösung von Soko-Leiter
Wiesn-Attentat und kein Ende
Wiesn-Attentat und kein Ende

Kommentare