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Diese Frau hat in der Ochsenbraterei das Sagen

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Die Chefin der Ochsenbraterei: Antje Schneider (48).

München - In unserer Zelteserie setzen wir dieses Jahr auf Frauenpower: Wir stellen Ihnen die Damen vor, die in den Zelten das Sagen haben. Freuen Sie sich auf spannende Einblicke! Heute an der Reihe ist Ochsenbraterei-Wirtin Antje Schneider.

Ein Ketterl war es, mit einem Ochsen dran – kleiner war der als der Anhänger ihrer Mama. "Aber ich fand ihn fast noch schöner." Antje Schneider (48) kann sich noch genau erinnern, was sie und ihre Mutter Anneliese von ihrem Papa Hermann Haberl bei dem allerersten Einzug der Familie in die Ochsenbraterei geschenkt bekommen haben. Zwölf Jahre war sie damals alt – heute ist sie selbst Wirtin des Zelts.

1980 hatten ihre Eltern nach nur einem Jahr in der Schützenfesthalle die Ochsenbraterei angeboten bekommen. Keine leichte Entscheidung für den Vater. Doch: "Das war eine der seltenen Situationen, in denen meine Mama sich eingeschaltet hat", erzählt Schneider. "Sie hat gesagt: 'Vorn is vorn und hint' is hint'." Und so fiel die Wahl auf die näher am Haupteingang gelegene Ochsenbraterei.

v.l.: Antje Schneider, Hermann Haberl und Anneliese Haberl.

Heute führen Schneider und ihre Mutter die Ochsenbraterei als einziges Wirtinnen-Duo. Papa Hermann ist 2011 verstorben, doch für das Damen-Gespann ist er im Zelt immer noch bei ihnen. "Das Zelt ist so hundertprozentig er – mit den Trachtenfiguren und der hellen Gestaltung."

Als er die Ochsenbraterei übernahm, wollte Haberl ein neues Zelt. Hell sollte es sein, die Leute sollten sehen, was ­sie auf den Tisch bekommen. "Das war ganz schön mutig von ihm, dass er das damals gefordert hat", sagt Antje Schneider.

Ihre ersten eigenen Erfahrungen auf der Wiesn sammelte sie im Souvenirstandl der Ochsenbraterei. Dort half sie als Teenager mit, Pupperl, Postkarten und Bärchen zu verkaufen. Vor der Zeit als Wiesnwirte hatten ihre Eltern schon Souvenirstände auf der Wiesn betrieben. Eine von Schneiders Hauptbeschäftigungen damals: helfen, Postkarten zu stempeln. "'Gruß vom Oktoberfest' kam auf alle drauf", erzählt sie und lacht.

In den Anfangsjahren der Ochsenbraterei gab es noch einen Service des Souvenirstandls, die Karten auch zur Post zu bringen. Dabei kam es in all der Zeit einmal zu einem Missgeschick, an das sich Schneider noch gut erinnert. Die heutige Wirtin öffnete zu Beginn der Wiesnzeit die Bürobox. Darin ein Stapel Postkarten, die im Vorjahr vergessen worden waren. "Mei, war mir des zwider", sagt Schneider. "Aber was sollte ich machen: Ich habe sie dann noch eingeworfen."

Ihren ersten richtigen Arbeitseinsatz auf der Wiesn hatte Schneider dann mit etwa 17 Jahren. "Ich habe damals beim Käfer Köchin gelernt – und die haben noch jemand für die Küche in ihrem Zelt gebraucht." Für ihre Eltern sei das total in Ordnung gewesen. Nach dem Ausflug ins Käferzelt arbeitete Schneider dann mit ihrer Mama zusammen im Büro der Ochsenbraterei.

Heute noch schmeißen die beiden Wirtinnen von dort aus das Zelt. "Es ist toll, dass meine Mutter dabei ist: Denn die Erfahrung zählt." Viele Menschen unterschätzten, wie viel Arbeit die Wiesn sei, sagt die Wirtin. "Wir haben 17 Tage Zeit, möglichst wenige Fehler zu machen."

Nach dem Oktoberfest ist dann wenigstens kurz Zeit für Entspannung: Die verbringt die Ochsenbraterei-Wirtin am liebsten mit ihrer Familie. Und wer weiß, vielleicht kommt sie dann auch mal wieder zu einem Hobby, das sie zum Beruf der Köchin geführt hat: Sie backt sehr gerne. Zum Beispiel Mürbteig-Platzerl mit Marmelade – die Lieblings-Plätzchen von Mama Anneliese.

Wiesn-Serie: Die Festzelte auf dem Oktoberfest

In unserer Serie begleiten wir die starken Frauen in den Wiesn-Zelten.

Ramona Weise

Ramona Weise

E-Mail:ramona.weise@tz.de

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