Wortlaut

Wiesn 2016: Die vorläufige Abschluss-Bilanz der Wiesn

München - Am letzten Wiesn-Tag 2016 hat die Polizei München ihre vorläufige Abschlussbilanz veröffentlicht - diese fällt weitgehend positiv aus.

Hier können Sie die Abschlussbilanz der Polizei (ohne angehängte Tabellen) im Wortlaut nachlesen. Falls Sie es weniger ausführlich möchten: Eine Zusammenfassung der wichtigsten Zahlen und Fakten aus der Pressekonferenz der Stadt und der Polizei finden Sie hier.

Der Münchner Polizeieinsatz zum 183. Oktoberfest - Vorläufige Abschlussbilanz (Wortlaut der Polizei)

Das 183. Oktoberfest steht kurz vor dem Abschluss. Mit Ablauf des heutigen 17. Tages wird die Wiesn 2016 zu Ende gehen.

Polizeivizepräsident Feiler bemerkt:

„Die Münchner Polizei ist mit der vorläufigen Bilanz sehr zufrieden. Herauszustellen ist:

• ein leichter Rückgang der Einsatzzahlen

• ein Rückgang der Gesamtkriminalität

• ein deutlicher Rückgang von Körperverletzungsdelikten,

insbesondere mit Tatmittel „Maßkrug“

• ein deutlicher Rückgang der Taschendiebstähle

• aber leider auch mehr Sexualdelikte und

• ein deutlicher Anstieg bei Widerstandshandlungen gegen

Polizeibeamte.“

Sicherheitskonzept des Veranstalters:

Aus Sicht der Polizei hat sich das geänderte Sicherheitskonzept der LH München im Großen und Ganzen bewährt. Die Festleitung hat in Abstimmung mit dem Polizeipräsidium München Maßnahmen getroffen, um die Einlasskontrollen kontinuierlich zu verbessen und die Kontrollqualität vor Ort zu erhöhen. Kräfte der Polizei unterstützten die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes bei den Einlasskontrollen.

Zum mittleren Wochenende hat die Festleitung gemeinsam mit den Sicherheits- und Ordnungsbehörden und der Münchner Polizei das Konzept für die Zugangskontrollen erneut angepasst, um bei größerem Besucherandrang einen reibungslosen Zutritt zum Festgelände bei gleichzeitig sichergestellter Überwachung des Taschen- und Rucksackverbots zu gewährleisten.

Zu nennenswerten Behinderungen für Festbesucher an den Einlassbereichen kam es nicht. Durch die Kontrollen wurden mehrfach verbotene Gegenstände bzw. Waffen (u.a. Messer, Schlagstock, Stahlrute, Stockdegen) sowie Betäubungsmittel entdeckt und sichergestellt.

Die Festgäste nahmen das Verbot von Rucksäcken und größeren Taschen auf dem Gelände deutlich überwiegend positiv auf.

Einsätze ZLF: 

Im Bereich des Zentral-Landwirtschaftsfestes (17.-25.09.2016) musste die Polizei 12 Mal tätig werden. Deliktisch handelte es sich um eine (einfache) Körperverletzung, eine Schlägerei, ein Waffendelikt, eine Sachbeschädigung und drei Randalierer. Weiterhin wurden drei Verlustanzeigen sowie eine Vermissung aufgenommen. In einem weiteren Fall waren Beamte beim Austausch von Personalien behilflich.

Leichter Rückgang der Einsatzzahlen: 

Der in der Halbzeitbilanz ausgewiesene deutliche Rückgang der Einsatzzahlen für die Beamten der Wiesnwache hat sich im Verlauf der zweiten Wiesnwoche leicht relativiert. Im Berichtszeitraum wurden 2120 (2136, Vorjahreszahlen auch im Folgenden im Klammerzusatz) Einsätze abgearbeitet, was in etwa dem Vorjahresniveau entspricht.

Einsätze gesamt PP München:

Außerhalb des Oktoberfestgeländes fielen in München in der Zeit vom Samstag, 17.09.2016, bis einschließlich Sonntag, 02.10.2016, 18.276 (18.799) Einsätze mit und ohne Wiesnbezug an. Einsatzstärkster Tag war dabei der vergangene Freitag mit 1272 Einsätzen, am einsatzschwächsten der erste Wiesnsonntag mit 967 (940).

Wiesnumfeld:

Ein besonderer Schwerpunkt der Einsatzkräfte im Wiesnumfeld lag heuer auf der Durchführung selektiver Personen- und Fahrzeugkontrollen, insgesamt fanden 1665 Kontrollen statt.

Die erhöhte Polizeipräsenz wurde von der überwiegenden Zahl der Festbesucher ausdrücklich begrüßt. Viele Besucher bedankten sich bei den eingesetzten Beamten und äußerten, dass sie die durchgeführten Personenkontrollen sehr positiv sehen und ihnen die wahrnehmbar höhere Präsenz Sicherheit vermitteln würde.

Freiheitsentziehungen / Gewahrsam:

Bis heute mussten 304 (291) Wiesnbesucher von der Polizei in Gewahrsam genommen werden, da sie sich in einer hilflosen Lage befanden oder weil nur so die Begehung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten unterbunden werden konnte.

Mit 442 (504) Personen bleibt die Anzahl derer, denen aufgrund begangener Straftaten die vorläufige Festnahme erklärt wurde, hinter der des Vorjahres zurück. Der Rückgang ist mit der gesunkenen Gesamtzahl der registrierten Straftaten in Einklang zu bringen.

Kriminalität insgesamt rückläufig:

In den meisten Deliktsbereichen sind Rückgänge zu verzeichnen. Bislang wurden 1067 (1261) Straftaten zur Anzeige gebracht. Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang um 15,4 %.

Der achte Wiesntag (mittlerer Samstag) mit 130 Taten sowie der 15. Wiesntag (letzter Samstag) mit 133 Taten können mit Abstand als die beiden deliktsstärksten Tage des diesjährigen Oktoberfests vermeldet werden.

Keine Tötungsdelikte:

Bis heute musste kein (0) Tötungsdelikt zur Anzeige gebracht werden.

Ein Raubdelikt:

Derzeit wird ein Ermittlungsverfahren wegen eines (7) Raubdeliktes auf dem Festgelände geführt. Im direkten Wiesnumfeld ereigneten sich 4 weitere Raubdelikte.

Mehr Sexualdelikte angezeigt:

Sexualdelikte wurden insgesamt 31 (21) Mal zur Anzeige gebracht.

Dazu zählen alle Delikte mit sexuellem Hintergrund, welche nicht in den Bereich der Vergewaltigungsdelikte und der Beleidigungen auf sexueller Grundlage ohne Tätlichkeit (z.B. unter den Rock fotografieren) fallen.

Bislang waren auf dem Oktoberfest 22 Beleidigungen auf sexueller Grundlage mit körperlichem Kontakt („grabschen“), 4 sexuelle Nötigungen, 2 exhibitionistische Handlungen sowie 2 sexuelle Missbräuche Widerstandsunfähiger polizeibekannt geworden.

Bislang wurde der Polizei eine (1) vollendete Vergewaltigung vom sechsten Wiesntag (22.09.2016) bekannt. Aufgrund der ersten Angaben durch die australische Geschädigte wurde zunächst von einem Tatort außerhalb des Oktoberfestgeländes ausgegangen, so dass dieses Delikt in der Halbzeitbilanz keine Erwähnung fand. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch das Festgelände als Tatort.

18 (9) Tatverdächte wurden festgenommen. In 9 (5) Fällen wurden Einsatzgruppen oder Fahnder der Wiesnwache dabei eigeninitiativ nach entsprechenden Beobachtungen tätig, in einem weiteren Fall erfolgte die Mitteilung durch den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um 2 deutsche Staatsangehörige und 16 ausländische Staatsbürger (darunter 6 Asylbewerber).

PVP Feiler: „Die deutliche Mehrung der angezeigten Sexualdelikte kann mit einer besonderen Sensibilisierung der Einsatzkräfte und daraus resultierender Steigerung der „eigenen Wahrnehmungen“ wie auch mit einem geänderten Anzeigeverhalten erklärt werden. Unsere Beamtinnen und Beamte schritten bei entsprechenden Feststellungen konsequent ein.“

Taschendiebstahl weiter rückläufig:

Der deutlichen Rückgangs des Diebstahls von/aus Taschen setzt sich bislang auch in diesem Jahr fort: 227 (366) bekannt gewordene Diebstähle bedeuten einen Rückgang um 38,0 %. 33 Täter konnten durch Taschendiebfahnder festgenommen werden.

Rückgang bei Körperverletzungen:

Ein erfreulicher Rückgang ergibt sich bei Körperverletzungsdelikten. Mit 331 (389) angezeigten Straftaten ist eine Reduzierung um 14,9 % festzustellen. Die deliktische „gefährliche Körperverletzung“ wurde in diesem Jahr 83 (94) Mal zur Anzeige gebracht und bewegt sich ebenfalls unter dem Vorjahresniveau.

Erheblich seltener Tatmittel „Maßkrug“:

Nach deutlich gestiegenen „Maßkrugschlägereien“ im letzten Jahr reduzierten sich diese um -19,2 % auf 42 (52) Delikte.

Aufgrund der schwerwiegenden Verletzungsmuster, die durch das Zuschlagen mit Maßkrügen, Flaschen und sonstigen Gläsern verursacht werden können, stellt dies eine äußerst gefährliche Verhaltensweise dar. Demzufolge liegt die Grenze zu einem versuchten Tötungsdelikt äußerst nah. In diesem Jahr qualifizierte sich keines dieser Delikte „“ zu einem versuchten Totschlag.

In einem Fall, in dem ein 19jähriger Deutscher schwere Verletzungen durch einen Maßkrugschlag erlitt, wird wegen eines Verbrechens der schweren Körperverletzung ermittelt.

Herr Feiler äußerte. „Gewalttäter werden auf der Wiesn nicht akzeptiert oder toleriert. Die Polizei wird weiterhin gemeinsam mit der Landeshauptstadt München gegen auffällige Personen Betretungsverbote für das Festgelände prüfen und aussprechen, die auch für die nächsten Jahre Gültigkeit haben werden.“

Widerstandshandlungen deutlich angestiegen:

Eine deutliche Steigerung musste bei „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ verzeichnet werden: bis heute wurden 22 (9) Anzeigen erstattet; durch die Widerstandshandlungen wurden 17 Beamte leicht verletzt.

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz:

Während zur Halbzeit des Oktoberfests noch ein deutlicher Rückgang der Festnahmen nach Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verzeichnen war, haben sich die Deliktszahlen bis heute mit 238 (238) Straftaten dem Vorjahresniveau angeglichen. Bei den aufgefundenen Betäubungsmitteln handelte es sich überwiegend um Marihuana und Kokain.

Sonstige Bereiche:

Bei den sonstigen Delikten sind u.a. 16 Verstöße gegen das Waffengesetz, 11 Beleidigungen, 10 Verstöße gem. §86a StGB, 11 Unterschlagungen, 7 Sachbeschädigungen, 5 Beleidigungen auf sexueller Grundlage ohne Tätlichkeit (unter den Rock fotografieren/filmen) sowie ein Verstoß gegen das Luftverkehrsgesetz (Drohnenflug) erwähnenswert.

Bislang waren 17 (23) Falschgelddelikte zu verzeichnen (12 Mal 50- EUR-Noten und 5 Mal 20-EUR-Noten).

Verkehrssektor:

Nachfolgend dargestellte statistische Werte beziehen sich auf den Zeitraum vom 17.09.2016, 05:00 Uhr, bis heute, Montag, 03.10.2016, 05.00 Uhr

„Achtung Wiesngänger queren!“:

Bereits am ersten Wiesn-Samstag (17.09.2016) ereigneten sich zwei Verkehrsunfälle mit Fußgängern (wir berichteten). Weitere schwere Verkehrsunfälle mit Wiesnbesuchern blieben bis heute erfreulicherweise aus.

Verkehrsunfallstatistik; Unfallzahlen rückläufig:

In der Gesamtschau aller im Bereich des Polizeipräsidiums München verzeichneten Verkehrsunfälle ergibt sich mit 2589 (2719) Unfällen gesamt ein leichter Rückgang um 4,8 %. Diesem Trend folgend ist auch die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen mit 408 (411) leicht gesunken.

Weniger Fahrten unter Alkoholeinfluss:

Insgesamt wurden 361 (413) Fahrten unter Alkoholeinfluss registriert, was einen Rückgang um über 12 % zum Vorjahr ergibt. 41 (39) dieser Fahrten endeten mit einem Verkehrsunfall, wobei bei 17 (15) dieser Unfälle Personen verletzt wurden.

Die übrigen 320 (374) Fahrten unter Alkoholeinfluss blieben zwar ohne Unfallfolgen - 148 (178) Fahrzeugführer müssen sich nun allerdings wegen eines Vergehens der Trunkenheit im Verkehr verantworten. Gegen 172 (196) Fahrzeugführer wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Deutlich mehr Fahrten unter Drogeneinfluss:

Unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln standen 137 (104) Fahrzeugführer, was eine Steigerung um über 31 % bedeutet, 4 (2) Fahrten hatten einen Unfall zur Folge. Eine Person wurde hierbei verletzt (1).

Ohne Unfallfolgen blieben 133 (102) Fahrten unter Drogeneinfluss. Während der Straftatbestand eines Vergehens der Trunkenheit im Verkehr bei 7 (7) Fahrzeugführern erfüllt wurde, wurde gegen die übrigen 126 (95) Fahrer ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Führerscheinsicherstellungen/ Fahrverbote:

200 (226) Führerscheine wurden nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Alkohol- oder Drogenfahrten sichergestellt. Auf weitere 298 (291) Fahrzeugführer kommt ein Fahrverbot zu.

Vorbeugende Sicherstellungen:

Durch die Sicherstellung von Fahrzeugschlüsseln o.ä. wurde die Alkohol- oder Drogenfahrt bei 55 (62) Fahrzeugführen vor Fahrtantritt unterbunden.

Abschleppungen: 

Insgesamt mussten 754 (446) Kraftfahrzeuge aus den Haltverbotszonen abgeschleppt werden. Diese hohe Zahl ist bedingt durch die zahlreichen Haltverbote, die eigens für die beiden Festzüge eingerichtet wurden.

Aus den Parklizenzgebieten wurden durch die Polizei 149 (137) Kraftfahrzeuge abgeschleppt. 81 Fahrzeuge mussten aus den eigens im Umfeld des Festgeländes eingerichteten Behindertenparkplätzen abgeschleppt werden.

Weitere Betretungsverbote:

Wie in den vergangenen Jahren hat die Polizei auch in diesem Jahr Betretungsverbote bei der Landeshauptstadt gegen Personen beantragt, die in der Vergangenheit durch Körperverletzungsdelikte oder Taschendiebstähle aufgefallen sind.

Bis zum Freitag, 30.09.2016, wurden während der Wiesn weitere 13 Betretungsverbote, in der Hauptsache wegen Beleidigung auf sexueller Basis, erteilt.

Videoüberwachung:

Die Videoüberwachung ist ein wesentlicher Bestandteil des Einsatzkonzepts der Münchner Polizei für das Oktoberfest. Die Anzahl der polizeilichen Videokameras auf dem Festgelände wurde auf 29 erhöht. Die eingesetzte Kameratechnik leistet, wie in den vergangenen Jahren, einen wichtigen Beitrag zur Unterbindung und / oder Verfolgung von Straftaten und unterstützt bei der Fahndung nach Straftätern. Überdies stellt sie ein wertvolles Mittel bei der Einsatzsteuerung vor Ort dar.

In 43 Fällen machten die Beamten am Video eigene Feststellungen, die letztlich zu Festnahmen, aber auch zur Verhütung von Straftaten führten.

Alkoholkonsum durch Jugendliche:

Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München führte die Polizei gezielt Jugendschutzkontrollen durch, überprüfte etwa 190 Jugendliche auf der Festwiese und sprach vereinzelt Platzverweise aus.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden weniger stark alkoholisierte Jugendliche auf der Festwiese angetroffen. Dieser Trend setzt sich erfreulicherweise auch 2016 fort.

Delikte mit Beteiligung von Asylsuchenden:

Bislang wurden 32 Straftaten registriert, bei denen sich der Tatverdacht gegen Asylbewerber richtet bzw. Asylbewerber als Täter auftraten und festgenommen wurden.

Rubriklistenbild: © dpa

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