Als Kutscherin beim Wiesn-Einzug

Sie bringt Wiesn-Wirtinnen und die Seehofers zum Oktoberfest

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Gleich geht's los. Ulrike Müller-Froelich kurz vor dem Start zum Festzug, hier auf einem Bild vom vergangenen Jahr. 

München - Kaum einer wird sie bemerken, und doch ist Ulrike Müller-Froelich eine wichtige Person bei den zwei großen Wiesn-Festumzügen: Sie bringt wichtige Gäste in der Pferdekutsche zur Theresienwiese. 

In der letzten Zeit hieß es oft, erst einmal ist nichts mit Feierabend. Ulrike Müller-Froelich (38) muss üben. Vierspännig fahren, das macht man schließlich nicht so oft. Also heißt es nach der Arbeit, ab in die pittoreske Barbarasiedlung in Schwabing, in den Stall der Kutscherei Holzmann.

Horste Seehofer und seine Frau Karin in der Kutsche beim Wiesn-Einzug. Hier ein Bild aus dem Jahr 2010.

Müller-Froelich ist eigentlich keine Kutscherin. Sie arbeitet in einem großen Telekommunikationsunternehmen. Doch drei oder vier Mal im Monat steigt sie auf den Kutschbock und betrachtet die Stadt, und vor allem den Englischen Garten, über den Rücken zweier Pferde hinweg. Hinter ihr kuscheln sich Touristen oder Hochzeitspaare in liebevoll restaurierte, historische Kutschen. Zwei Mal im Jahr aber, geht es wirklich quer durch die Stadt. Beim Wiesn-Einzug am Eröffnungssamstag und beim Trachtenumzug am Sonntag. Mit reichlich Publikum – und bei hoffentlich schönstem Wiesn-Wetter. Auch die Fahrgäste sind dann besondere. Am Samstag zum Wiesn-Start fahren Anneliese Haberl und Tochter Antje Schneider, die Wirtinnen von der Ochsenbraterei, mit. Am Sonntag dann der Ministerpräsident höchstpersönlich. Horst Seehofer, selbstverständlich mit Gattin Karin.

Münchens letzte Kutscherei

Ein Bild von 2015: Ulrike Müller-Froelich neben Hans Holzmann auf dem Kutschbock. In der Kutsche: Horst und Karin Seehofer. 

Ulrike Müller-Froelich fährt für die Kutscherei Hans Holzmann aus Schwabing. Ein alteingesessenes Münchner Unternehmen, viele kennen die Kutschen von ihrem festen Standplatz am Chinesischen Turm im Englischen Garten. Seit 1945 gibt es diese letzte Münchner Kutscherei, inklusive dem exklusiven Recht, den Englischen Garten und auch die Fußgängerzone zu durchqueren. Fahrten im Straßenverkehr gehen vor allem vom Stall in der Schwere-Reiter-Straße quer durch Schwabing, zum Englischen Garten und zurück, für Hochzeiten oder Anlässe wie Firmenfeiern wird aber durchaus auch in der Stadt herumgefahren. Eine besondere Route aber sind auf jeden Fall immer die Wiesn-Umzüge. Eine Karte zur gesamten Route des Trachtenumzugs finden Sie hier.

Bei jenen fährt die Kutscherei seit 1982 mit. Seit Jahrzehnten kutschiert sie jedes Jahr die Haberls und den Ministerpräsidenten. Ulrike Müller-Froelich ist heuer erst zum zweiten Mal auf dem Kutschbock dabei. Im vergangenen Jahr fuhr sie noch mit dem langjährigen Chef Hans Holzmann, der im Dezember vestorben ist. Heuer wird sie mit seiner Frau Susanne, die das Unternehmen mit aller Kraft weiterführt, die hohen Gäste chauffieren.

Aus dem Kindheitstraum wurde ein Hobby

Ganz andere Perspektive: Der Festzug vom Kutschbock aus gesehen.

Die Festzüge zur Wiesn hat Müller-Froelich seit Jahrzehnten nicht verpasst. Auch wenn sie nicht kutschierte, zum Helfen am Morgen und bei der Aufstellung des Zuges war sie immer dabei. Mit der Kutscherei und der Familie Holzmann ist sie seit der Kindheit eng verbunden. "Mit 10 hat sich die kleine Uli ein Pferd gewünscht", erzählt sie, die mitten in Schwabing aufgewachsen ist. Ihre Eltern kauften ihr keines, aber erinnerten sich an die Kutscherei, mit deren Kutsche sie einst zur Taufe der Tochter gefahren waren. Statt ein eigenes Pferd zu bekommen oder Reitstunden zu nehmen, verbrachte Ulrike ab da jedes Wochenende dort und half Pferde zu putzen, Kutschen zu waschen und was es sonst noch zu tun gab. "Natürlich durfte ich dann auch ab und zu mitfahren, dann mal mitlenken und über die Jahre habe ich so das Kutschefahren gelernt", erzählt sie. Soweit es ihre Zeit zulässt, macht sie das bis heute. Ein schönes Hobby und guter Ausgleich zum Bürojob.

Wie eine sehr lange Motorhaube

Vorab ging es mit dem Vierspänner auf Übungsfahrt auf der vertrauten Route durch Schwabing und den Englischen Garten.

Trotz der langjährigen Routine – zum Wiesn-Einzug muss man üben: "Vierspännig fahren, ist schon schwierig", meint Müller-Froelich, im Alltag fährt man Ein- oder Zweispännig. Mit Vieren ist es, als hätte man eine sehr lange Motorhaube mit einem Knickelement vor sich. In einer Kurve muss man die ersten zwei Pferde abbiegen lassen, während die anderen noch geradeaus laufen müssen. Das Pferd von sich aus, würde dem vorderen Pferd sofort folgen. Im vergangenen Jahr lief alles reibungslos.

Unsere Reporterin durfte bei einer Übungsfahrt mit dabei sein und ist überzeugt - das wird heuer sicher wieder so sein.

Video: Die tz-Wiesn-Madl beim Trachtenumzug

Myriam Siegert

Myriam Siegert

E-Mail:myriam.siegert@merkur.de

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