Geheimtipps fürs Oktoberfest

Die tz zeigt Wiesn-Platzerl, die sonst keiner sieht

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tz-Lokalchef Stefan Dorner (l.) mit Wiesn-Chef Schmid auf der Käfer-Alm

München - Die tz war im vergangenen Jahr hinter den Kulissen mit Oktoberfest-Chef Josef Schmid: Wir zeigen Ihnen noch einmal die Wiesn-Platzerl, die sonst keiner sieht.

Josef Schmid (46) ist seit Mai 2014 Bürgermeister und zweiter starker Mann in der Stadt hinter OB Dieter Reiter (57, SPD). Doch während der Wiesn ist sein Revier nicht das Rathaus, sondern das Oktoberfest. Weil der CSU-Mann zudem das Wirtschaftsreferat leitet, ist er oberster Boss des größten Volksfests der Welt. Und das ist Schmid nicht nur auf dem Papier: Er lebt diese Rolle und es macht ihm sichtlich Spaß. Für die tz hat er sich Zeit genommen, einmal hinter die Kulissen zu schauen und uns an Plätze geführt, die keiner der über 6 Millionen Gäste sieht.

Das Stüberl im Hofbräuzelt auf dem Oktoberfest

Im HB-Stüberl: Ricky Steinberg (von links), Josef Schmid, Brauereidirektor Michael Möller, Margot und Günter Steinberg

Die Familie Steinberg ist hinter Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn die zweitälteste Wirte-Dynastie auf der Wiesn. Günter und Margot Steinberg betreiben das Hofbräuzelt seit 1980. Mittlerweile sind die beiden Kinder Ricky und Silja aufgerückt in die vorderste Reihe. Die Steinbergs haben neben ihrem riesigen Zelt (9992 Plätze) auch ein kleines Hinterstüberl mit großer Geschichte. „Hier hat der Strauß ganze Kabinettssitzungen abgehalten“, erinnert sich Günter. „Oder andere wichtige Persönlichkeiten hierhin mitgenommen.“ Die besten Geschäfte macht man auf der Wiesn: Dieses alte Gesetz ging wegen FJS regelmäßig zu Lasten von Steinbergs Schlaf. „Das ist oft bis 4 Uhr in der Früh gegangen.“ Strauß ist lange tot, doch das Stüberl lebt. Es ist Rückzugsort für die Steinbergs und erinnert ein bisschen an eine Bühne im Theaterstadl. Rustikale Holzmöbel, ein Panoramabild aus der Hallertau und eine kleine Couch. Die hat Günter Steinberg aus seinem Büro im Hofbräukeller am Wiener Platz mitgebracht. „Manchmal ein bisschen die Füße hochlegen, das braucht man schon.“ Im Gespräch merkt Steinberg, dass sein Sohn mit Schmid per Du ist und hakt ein, wie es dazu kommt. „Dann könnten wir doch eigentlich auch …“ – „Ja, gerne“, „Josef“, „Günter“, „Margot“, „Josef“, „Freut mich.“ Auf der Wiesn kommen eben die Leut zam.

Die kleinste Dachterrasse der Wiesn auf dem Oktoberfest

Schmid kraxelt im „Gaumenschmaus“ aufs Dach – das kleine Zelt ist dieses Jahr zum ersten Mal auf der Wiesn

Jetzt wird es sportlich. Wir klettern eine „Hühnerleiter“ hinauf unters Dach des Standls Zum Gaumenschmaus von Günter und Petra Bretz. Sie haben die Bude neben dem Löwenbräuzelt von Josef Able übernommen. Der hat ja den Goldenen Hahn gekriegt und dafür sind die Poschners mit ihrer Entenbraterei vom Fest geflogen. Bretz ist gleich mit einer originellen Neuheit eingestiegen: Er verkauft einen Weißwurst-Leberkas in der Breznsemmel. Über dem Standl ist ein kleines Büro, die Kleidung fürs Personal, eine Liege – und die wohl kleinste und schönste Dachterrasse der Wiesn: Bankerl, Tisch – und ein gigantischer Ausblick auf Riesenrad einerseits und Wirtsbudenstraße andererseits. „Hier zehn Minuten sitzen und entspannen, da geht die Arbeit danach von ganz allein“, schwärmt Pet­ra Bretz. Schwärmen tut auch Josef Schmid beim Biss in die Weißwurstsemmel. „Schmeckt sensationell!“ Stimmt.

In der Schaltzentrale auf dem Oktoberfest

Gäste aus Brasilien ­haben Josef Schmid in seinem Büro im Behördenhof ein ­Geschenk überreicht

Während der 16 Tage auf dem Oktoberfest tauscht Josef Schmid nicht nur den Anzug gegen eine seiner vier Lederhosen, sondern auch sein Büro. Das befindet sich dann im Behördenhof auf Höhe vonHacker- und Schottenhamelzelt. „Ich bin eigentlich nur zu wichtigen Sitzungen im Rathaus, ansonsten wird alles von hier aus gemanagt.“ Eben hat eine Delegation aus Blumenau ein Geschenk vorbeigebracht. Aber nicht das Blumenau an der A 96, sondern das in Brasilien. „Die feiern auch ein Oktoberfest und wollen sich hier was abschauen.“ Doch es sind nicht nur die schönen Termine, die hier aufschlagen. Eben rücken zwei Löschfahrzeuge zum Hofbräuzelt aus. Schmid macht sich auf den Weg. „Brandgeruch, aber nichts passiert!“, erfährt er dort vom Einsatzleiter. Ein paar Meter entfernt großes Polizei-Aufkommen. Ein ­italienischer Wiesn-Gast ist von einer Kutsche überfahren worden, teilt ihm der designierte neue Polizei-Pressechef Marcus da Gloria Martins mit. „Bei so vielen Menschen geht es leider nicht ohne solche Nachrichten“, betont Schmid. Freud und Leid liegen auf der Wiesn oft ganz eng beieinander.

Der „Erste-Hilfe-Stand“ auf dem Oktoberfest

Josef Schmid vorm Oktoberfest-Shop (Foto r.) – und ­Stefan Dorner drin mit Christine Malescha (v.l.), Peter Messer­schmitt und Günter Malescha

Günter Malescha ist seit 1987 auf der Wiesn. Er betreibt den einzigen offiziellen Wiesn-Souvenir-Laden der Landeshauptstadt, hinten neben dem Käfer und direkt auf der Matthias-Pschorr-Straße. Hemden, Leiberl, Anhänger, Krüge: Bei Malescha gibt’s alles. Doch sein Laden ist noch viel mehr: Er ist Umschlagplatz für die Wiesn-Andenken, hier holen sich die anderen Schausteller ihre Waren ab. An der Tür klopft Peter Messerschmitt. Er betreibt das Peaches und braucht 50 Trachtenhemden für seine Kult-Bar auf der Wiesn.

Malescha ist ein Händler, aber vor allem ist er ein Original. In seinem Hinterzimmer, wo es mit fünf Menschen schon sehr kuschelig wird, werden die Geschichten ausgetauscht. „Hier wartet der Wiesn-Chef schon mal auf seine Frau“, die noch im Zelt hängen geblieben ist, erzählt Schmid. Malescha, der auch den München-Shop am Marienplatz leitet und Vize-Präsident bei der Narrhalla ist, hat für all die Wartenden, Lustigen und Traurigen neben einem offenen Ohr auch immer ein Schnapserl parat. „Wir sind ja quasi die echte Erste-Hilfe-Station“, sagt er verschmitzt. Eben kommt seine Frau Christine zurück mit einem Isolierband in der Hand. Sie hat einem Australier seine Lederhosen zusammengeklebt, die ihm auseinandergerissen ist.

Auf der Käfer-Alm auf dem Oktoberfest

Die Bavaria sitzt ­Michael Käfer (r.) und Schmid im Nacken

Sie steht in keinem Bergführer – und das, obwohl auf dem Dach der Käfer-Schänke tatsächlich Gras wächst. Auf der hinteren Seite mit Blick zur Bavaria haben Michael und Clarissa echten Rollrasen verlegt und ein Bankerl aufgestellt. „Leider kommen wir nicht so recht dazu, uns hier selbst hinzusetzen“, sagt der Nobel-Gastronom. „Und leider darf man da natürlich auch keine Gäste rauslassen.“ Doch die neue Käfer-Alm ist ein schöner, kleiner Gag, der aus einer städtischen Vorgabe heraus entstanden ist. „­Wegen der Statik und der TÜV-Vorschriften mussten Stahlträger im Küchenbereich eingezogen werden“, erklärt Wiesn-Chef Schmid. Somit wurde das Dach drüber tragfähiger – und Michi Käfer hat es gleich auch noch begrünt.

Fotostrecke: So schön ist das Oktoberfest von oben

So schön ist das Oktoberfest von oben

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